175 Jahre GSHG

15. März 2008: Jubiläumsfeier mit mehr als 300 Gästen 175_jahre_gshg

Am Ende gingen im Landeshaus in Kiel fast die Stühle aus. Nach 175 Jahren und zwei Tagen feierte die ‚Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte’ (GSHG) am 15. März im Landeshaus ihr Jubiläum. Der Endspurt vor dem Sonnabend war spannend. Wenn 150 Eingeladene kommen, sind wir glücklich, meinte das Festkomitee. Doch der Vorstand sollte überglücklich werden. Schon zwei Wochen vor dem Tag-X waren gut 200 Zusagen eingegangen, stündlich wurden es mehr. Ruhig blieben nur die Mitarbeiter im Landeshaus. „Das schaffen wir“ klang es immer wieder beruhigend aus dem Telefon. Und sie haben es geschafft. Als sich das Foyer vor dem Schleswig-Holstein Saal peu á peu füllte, war alles bereit für die schließlich rund 300 Jubiläumsgäste. Der erste Dank der Geschichtsgesellschaft muss deshalb an die Mitarbeiter des Landeshauses gehen.

Sehen und gesehen werden

Schon der Empfang vor dem Festakt wurde zu einer Wiedersehensfeier. Fast alle, die Landesgeschichte erforschen, der Gesellschaft verbunden sind oder sich für sie engagieren, waren gekommen. Dicht umlagert war der Büchertisch des Wachholtz-Verlags. Schließlich bot er für viele die Gelegenheit, zum ersten Mal neuen Buch „Die Fürsten des Landes“ zu blättern. Schon bevor der Jubiläumsband am 13. März in den Buchhandel kam, waren 500 Exemplare bestellt.

Unter die grauen Köpfe mischten sich aus Sicht der Gesellschaft erfreulich viele Studierende und jüngere Mitglieder der Geschichtsgesellschaft. Der Empfang bot nicht nur Gelegenheit, Bekannte, Freunde und Weggefährten zu treffen, er führte auch viele zusammen, die schon häufig miteinander korrespondiert und „voneinander gelesen“ sich aber noch nie persönlich getroffen hatten. Für den GSHG-Vorsitzenden Jörg-Dietrich Kamischke war es deshalb fast schwer, nach dem Empfang zum Festakt überzuleiten.

Bilanziert, eingeordnet, versprochen

Damit alles seine Ordnung hatte, legte auch Ministerpräsident Peter-Harry Carstensen Hand an. Er ordnete Vorstandsmitglied Werner Junge noch schnell die Krawatte. Dann skizzierte Vorstandsvorsitzender Jörg-Dietrich Kamischke die Aufgabe und die Geschichte der Gesellschaft im vollbesetzten Schleswig-Holstein Saal. Stolz – so Kamischke – sei die GSHG, weil sie ohne Unterbrechung 175 Jahre bestehe und sich seit dem 13. März 1833 den gleichen Zielen verpflichtet fühle.

Im Festvortrag ließ Professor Dr. Enno Bünz Revue passieren, wie sich Landes- und Regionalgeschichte entwickelt haben. Der gebürtige Dithmarscher und Inhaber des Lehrstuhles für Sächsische Landesgeschichte n der Universität Leipzig machte deutlich, dass in einem „Europa der Regionen“, der Stellenwert der regionalen Geschichte eher gewinne und nur im Erkennen des Nahen, das Verstehen des Ganzen möglich sei. Das griff Ministerpräsident Carstensen als Festredner auf. In der auch launigen Rede hob er die Leistungen der Gesellschaft hervor und vermittelte, dass ihm auch persönlich daran liege, der Landesgeschichte den ihr gebührenden Platz zu geben.

Zwei Zusagen machte Carstensen. Die eine war die, dass der Landeshistorische Lehrstuhl an der Christian-Albrechts-Universität bald wieder besetzt werde und: Landesgeschichte solle ihren Platz im schleswig-holsteinischen Schulunterricht behalten. Die Gesellschaft – so der Ministerpräsident – sei eingeladen, das Kultusministerium gerade auf dem Gebiet des Lehrmaterials zu unterstützen. Als Zeichen des Dankes erhielt der Ministerpräsident ein druckfrisches Exemplar des Fürstenbuches.

Postkarten an die alte Tante

Zum Geburtstag gehören Glückwunschkarten. Darum hatte die Geschichtsgesellschaft gebeten. Sie standen am Ende des Festaktes. Ziel war es, durch ausgewählte kurze Grüße das Ritual der vielen Grußworte zu durchbrechen. Angeregt durch eine Notiz waren viele Karten eingegangen. Deshalb konnten nur einige wenige auch persönlich vorgestellt werden. Prof. Dr.Christoph Cornelißen tat das für das historische Seminar der CAU, vor Verlegerin Gaby Wachholtz .

Als Gruß aus Kiel folgte, verbunden mit einer Spende für den Erhalt des Jahrbuches ‚Nordelbingen’, eine Karte der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte. Der Vorsitzende des Historisk Samfund for Sønderjylland, Prof. Dr. Hans Schulz Hansen aus Apenrade, grüßte für die dänischen Kollegen. Älter als die GSHG ist im heutigen Schleswig-Holstein nur der ‚Verein für lübeckische Geschichte und Altertumskunde’ von 1821. Das besondere Verhältnis zwischen den Herzogtümern und dem bis 1937 unabhängigen Lübeck beleuchtete Prof. Dr. Antjekatrin Grassmann. Den Reigen beschloss launig der Hamburger Staatsarchivar und Sprecher des Arbeitskreises für Wirtschafts- und Sozialgeschichte Dr. Klaus-Joachim Lorenzen-Schmidt.

Tysk-dansk kooperation

Besonderen Raum im Rahmen des Festes nahm das Verhältnis der schleswig-holsteinischen zu den dänischen Historikerkollegen ein. Seit Ende der 1970er Jahre ist nach über einem Jahrhundert des Gegeneinanders in Süddänemark und Schleswig-Holstein das Bewusstsein gewachsen, dass die gemeinsame Geschichte der Region Thema der historischen Arbeit ist. Stark waren deshalb dänische Historiker vertreten. Beleg für die gute Kooperation ist der Jubiläumsband, der zusammen mit den Kollegen aus Dänemark auf Basis eines Bandes über die schleswigschen Herzöge von 2005 um die Holsteiner Grafen und Herzöge erweitert zum Jubiläum erscheinen konnte. Eine weitere deutsch-dänische Kooperation ist die gemeinsame Herzögeausstellung des Museum Sønderjylland und der Landesbibliothek. Sie wurde einen Tag vor dem offiziellen Start exklusiv für die Gäste der Jubiläumsfeier im Anschluss an die Feier im Landeshaus durch Dr. Inge Adriansen vom Sønderborg Slot und den Leiter der Landesbibliothek Dr. Jens Ahlers vorgestellt.

Lob und Kritik

Es sei eine schöne Feier gewesen, hörten die Vorstandsmitglieder im Anschluss von sehr vielen. Es gab auch Kritik. Der Beirat meinte mehrheitlich, der Kuchen im Anschluss an die Feier sei etwas trocken gewesen. Etwas ernster nimmt das Festkomitee einige Irritationen um die „Postkarten“. In ihren neu gestalteten Mitteilungen hatte die Gesellschaft aufgefordert, diese Karten zu schreiben. Da auch angekündigt wurde, sie sollten bei dem Fest vorgestellt werden, waren einige Einsender davon ausgegangen, ihre Karten würden verlesen. Das war angesichts der Menge nicht möglich. Deshalb mussten einige ausgewählt werden. Ehrlicherweise ist auch zu gestehen: durch den großen Zulauf wurde es auf die letzten Tage doch etwas hektisch. Das Komitee tut Abbitte. Versprochen ist, dass in den nächsten Mitteilungen ein „Best of“ zu finden sein wird.

Dank, Dank und Dank

Weil es wirklich toll war, ist der Dank an das Landeshaus ganz nach vorne gerückt. Dankbar sind wir auch der Autokraft, die uns den Bus für den Shuttleservice zwischen Landeshaus und Landesbibliothek gestiftet hat. Geholfen hat auch die Sparkassenstiftung. Hilfe kam auch aus dem Landesarchiv. Schließlich wurden sogar Familienmitglieder des Vorstandes eingespannt und ein leibhaftiger Kurator dokumentierte alles digital.

Wie selbstverständlich sorgte unser „Webmaster“ dafür, dass der Beamer zur richtige Sekunde das passende Logo oder Bild an die Leinwand brachte – und überhaupt war es für alle, die sonst vor allem allein über Skripten, Quellen oder Layouts hocken schön, auch einmal Vereinslebens zu haben.