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Angelsachsen

So sollen die Angelsachsen ausgesehen haben. Szene eines Historienspiels in Old Sarum/Salisbury, England im Sommer 2000. Nachgestellt wurde ein angelsächsischer Angriff auf eine romano-britische Siedlung.

So sollen die Angelsachsen ausgesehen haben. Szene eines Historienspiels in Old Sarum/Salisbury, England im Sommer 2000. Nachgestellt wurde ein angelsächsischer Angriff auf eine romano-britische Siedlung.

In der Völkerwanderungszeit zogen die im östlichen Schleswig siedelnden Angeln sowie Sachsen und Jüten nach Britannien und verdrängten dort im heutigen Süd- und Mittelengland die keltische Bevölkerung. Die Angeln siedelten im Ousegebiet und der nordöstlichen Küstenlandschaft und gaben England seinen Namen. Sie vermischten sich bald mit den Sachsen, was zum Begriff der „Angelsachen“ führte. Wie für jede Auswanderung (siehe Auswanderung im 19. Jahrhundert) bedarf es dafür sogenannter „Push-“ und „Pullfaktoren“, also Gründen, die aus der angestammten Heimat heraustreiben, und solchen, die in das neue Gebiet ziehen. Die „Pull-Faktoren“ gelten als klar. Dem seit dem Beginn des 5. Jahrhunderts weitgehend von römischem Truppen entblößten Britannien fehlte es an Kriegern zu seinen Schutz, weswegen man germanische Söldner und ihre Familien in das wohlhabende Land holte – und damit den Bock zum Gärtner machte (Gebühr). Vor allem zwei Push-Faktoren sind inzwischen erkannt: Einmal gab es auf der kimbrischen Halbinsel eine Folge von Kriegen mit Höhepunkt im vierten Jahrhundert. Dazu können – als zweiter Faktor – klimatische Einflüsse kommen. Während in Angeln das Abbrechen von Grabfeldern und Funden von Getreidepollen ein Ende der Besiedlung um 350 vermuten läßt, erhöht sich deren Zahl etwa in dieser Zeit auf Geestinseln wie etwa die von Süderbrarup. Erklärbar wäre das dadurch, daß zusätzlich zu den Überfällen vermehrte Regenfälle das Wirtschaften auf den lehmigen Böden Angelns zunehmend erschwerten und deshalb auf die sandige Geest ausgewichen wurde. Attraktiv war der Umzug dorthin eventuell auch, weil sich dort wie bei Joldelund aus Rasenerz das teure Handelsgut Eisen gewinnen ließ. Die These vom Umzug von Angeln auf die Geest würde auch noch etwas anderes erklären: Nachdem die englischen Quellen erneut kritisch bewertet worden sind, ergibt sich zwischen dem Auszug aus Angeln etwa um 350 und ihrer Ankunft in England eine Lücke von rund 100 Jahren. Sie könnte durch den Zwischenschritt einer Binnenwanderung von der Küste auf die Geest im Gebiet des heutigen Schleswig-Holstein erklärt werden. Zwar haben Modellrechnungen inzwischen belegt, daß es durchaus möglich gewesen wäre, alle Angeliter per Schiff nach England zu bringen. Doch beantwortet das nicht die Frage, ob wirklich das ganze „Volk“ oder nur eine kleine Kriegerelite mit ihren Familien nach Britannien ausgewandert ist.

-ju- (02010203)

Quellen: SHLEX; Michael Gebühr in Jann Markus Witt und Heiko Vosgerau (Hrsg.), Schleswig-Holstein von den Ursprüngen bis zur Gegenwart – Eine Landesgeschichte, Hamburg, 2002, Convent-Verlag, ISBN 3-934613-39-X

Bildquelle: Björn Hansen