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Annexion

Als Als Annexion wird in Schleswig-Holstein das Einverleiben der beiden Herzogtümer Schleswig und Holstein als Provinz des Königreiches Preußen bezeichnet. Sie geschah am 17. Januar 1867 durch König Wilhelm I. (1797*/1861-1888†) durch sein „Patent wegen Besitznahme der Herzogtümer Holstein und Schleswig“. Nach dem Ende des Zweiten Schleswigschen Krieges verzichtete das von Preußen und Österreich militärisch geschlagene Dänemark im Prager Frieden am 30. Oktober 1864 auf die Herzogtümer Schleswig, Holstein und Lauenburg. Zwei Bundeskommissare – ein Preuße und ein Österreicher – waren von 1864 an zunächst für Schleswig zuständig. Staatsrechtlich schwebten die Herzogtümer in der Luft. Die Augustenburger Bewegung bestimmte 1864 bis 1866 die Debatte. Neue Zeitungen wie die „Schleswig-Holsteinische Zeitung“ oder die „Kieler Zeitung“, über 100 Vereine und eine breite Allianz die von Herzogstreuen über Liberalen bis hin zu demokratischen Linken setzten sich für den Augustenburger Herzog Friedrich VIII. (1829* – 1880†) als Fürst eines Bundesstaates (Großherzogtums) Schleswig-Holstein ein. Als erstgeborener Prinz der nächsten (nach der königlich dänischen) Linie des Hauses Oldenburg sah er sich als Herr über einen neuen Mittelstaat Schleswig-Holstein. Um für sich zu werben, hatte er das Staatsgrundgesetz für die Herzogtümer vom 15. September 1848 anerkannt, dass am Anfang der Erhebung entstanden war. Gegen die Augustenburger stand eine kleine, unpopuläre aber einflussreiche Minderheit, die sich um den „Nationalverein“ bildete und denen ein deutschen Einheitsstaat unter preußischer Führung wichtiger war als eine demokratische Verfassung.

Der preußische Kanzler Otto von Bismarck forderte von Friedrich VIII. eine volle Integration seines Schleswig-Holsteins in Heer und Flotte Preußens inklusive Eid auf König Wilhelm. Auch kamen die preußischen Juristen zu dem Ergebnis, die Ansprüche Friedrichs seien unbegründet. Noch waren Österreich und Preußen als Siegermächte gemeinsam Statthalter. August 1865 einigten sich beide in der Konvention von Bad Gastein, gemeinsam die Souveränität zu wahren, allerdings geteilt. Preußen übernahm Schleswig, die Österreicher Holstein. Lauenburg war schon 1815 an Preußen gefallen, jedoch im selben Jahr  gegen Schwedisch-Vorpommern mit Dänemark getauscht worden. Nun mussten die Einwohner des Herzogtums 2,5 Millionen Reichstaler aufbringen, die an Dänemark gezahlt wurden, um dann in Preußen einverleibt zu werden. Bismarck wartete nur darauf, einen Anlass für einen Krieg gegen Österreich zu finden. Sein Ziel war es, die Vorherrschaft in Deutschland zu klären. Der Anlass ergab sich Juni 1866. Die Österreicher hatten die holsteinischen Stände zusammengerufen, um über die Zukunft des Herzogtums zu beraten. Am 10. Juni marschierten die Preußen in Holstein ein. Die Österreicher räumten es kampflos. Am 3. Juli 1866 besiegten die Preußen schließlich Österreich in der Schlacht bei Königgrätz. Der Frieden von Prag am 23. August 1866 besiegelte das Ende des seit 1815 bestehenden Deutschen Bundes und ebnete den Weg für einen Norddeutschen Bund ohne Österreich. Die Verlierer mussten all ihre Rechte an Schleswig-Holstein auf Preußen übertragen. Am 17. Januar 1867 schließlich erfolgte die Annexion. Schleswig und Holstein wurden durch einen Bindestrich als preußische Provinz geeint. Erster preußischer Oberpräsident wurde Carl von Scheel-Plessen (1811*-1892†). Er hatte lange als dänischer Spitzenbeamter gewirkt sich jedoch nach 1864 in den Dienst der Preußen gestellt und vor allem auch die Augustenburger Bewegung klein gehalten.

Die Annexion wurde in Schleswig-Holstein nicht ohne Bitternis auch als „Provinzialisierung“ bezeichnet. „Die Geschichte Schleswig-Holsteins ist zu ihrem Abschluß gelangt“, schrieb ein Kritiker. Der Vorkämpfer für die schleswig-holsteinische Eigenständigkeit und Historiker Andreas Ludwig Jakob Michelsen (1801*-1881†) stellte fest, der Landesgeist sei fast gebrochen. Auch wenn es für die Zeit keine Befragungen oder auswertbare Wahlergebnisse gibt, ist die damals sprunghaft ansteigende Auswanderung aus Schleswig-Holstein vor allem nach Amerika, die nicht allein wirtschaftliche Ursachen hatte, ein starkes Indiz für die Enttäuschung im Lande. Erst nach der Reichsgründung 1871 schlug die Stimmung langsam um und verbesserte sich zusehends durch den starken wirtschaftlichen Aufschwung. 1898 – als das neue Kaiserreich in Blüte stand – wurde die Erhebung der Schleswig-Holsteiner von 1848 groß gefeiert. Nun unter neuen, nämlich  deutschen Vorzeichen. Im ganzen Land wurden Doppeleichen gepflanzt und von einer neuen Generation deutschbegeisterten Historiker Interpretationen und Mythen geschaffen, die sich zum Teil bis heute erhalten haben.

-ju- (0613)

Quellen: Ulrich Lange (Hrsg.),Geschichte Schleswig-Holsteins – Von den Anfängen bis zur Gegenwart (SHG), 2. verbesserte und erweiterte Ausgabe, Neumünster 2003, Wachholtz Verlag, ISBN 3-529-02440-6