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Bornhöved

 Ausschnitt zur Schlacht bei Bornhöved aus der Berliner Handschrift der Sächsischen Weltchronik. Die Miniatur zeigt von links angreifend unter dem rot-weißen Lübecker Banner Adolf IV. König Waldemar II. (rechts) hat sein Pferd gewendet und gibt offenbar das Zeichen zum Rückzug

Ausschnitt zur Schlacht bei Bornhöved aus der Berliner Handschrift der Sächsischen Weltchronik. Die Miniatur zeigt von links angreifend unter dem rot-weißen Lübecker Banner Adolf IV. König Waldemar II. (rechts) hat sein Pferd gewendet und gibt offenbar das Zeichen zum Rückzug

Bornhöved wurde wahrscheinlich von Bischof Vicelin als Kirchdorf gegründet. 1150 wurde die Feldsteinkirche geweiht. Bis 1480 versammelten sich dort die Stände, also Prälaten, Ritterschaft (Adel) und die Vertreter der Städte, und berieten auf dem „Viert“/Geviert (siehe auch Landtage). Bedeutend für die Landesgeschichte wurde Bornhöved durch zwei Schlachten.

Bei Bornhöved auf dem Sventanafeld (Schwentinefeld) schlugen 798 die damals mit den Franken verbündeten slawischen Abodriten die Sachsen. Damit war der Widerstand der nordelbischen Sachen gegen das Frankenreich Karl des Großen gebrochen und die Christianisierung konnte beginnen. Auch gelang es vorrübergehend, etwas Ruhe auf die jütische Halbinsel zu bringen. Nachdem sich der Raum in der Völkerwanderungszeit von Menschen entleert hatte, waren seit dem im 6. und 7. Jahrhundert von Norden Dänen, vom Osten die slawischen Abodriten (Wagrien, Polabien) sowie von Süden die Sachsen in das westliche Holstein eingewandert. Mit dem Wachstum der Bevölkerung (600 etwa 130.000 Einwohner, 850 dann um die 230.000) war es immer wieder zu Übergriffen gekommen. Nach der Schlacht auf dem Sventanafeld gelang es 811, mit dem dänischen König Harald die Eider als Einflußgrenze zwischen den Dänen und dem Frankenreich festzulegen. 818 wurde erstmals der Limes Saxoniae erwähnt. Er sollte das sächsische Gebiet vor Übergriffen der Slawen schützen.

Schon wenige Jahrzehnte nach dem Tod Karls des Großen (768 – 814) zerfiel sein Reich. Auch im Norden herrschte danach über lange Zeit Unruhe. Begünstigt durch die innerdeutschen Wirren nach dem Sturz Heinrich des Löwen 1181, wagten sich die dänischen Könige Knut VI. und Waldemar II. über die Eider vor und eroberten zwischen 1200 und 1203 Holstein und Stormarn sowie die Städte Hamburg, Lübeck und Ratzeburg. Sie vertrieben auch die seit 1111 in Holstein herrschenden Schauenburger. Der Schauenburger Graf Adolf IV. kehrte 1227 an der Spitze einer Koalition aus norddeutschen Adligen, der jungen Reichsstadt Lübeck und der Dithmarscher in den Norden zurück. Bei Bornhöved besiegte er das Heer König Waldemars II. Die dänische Niederlage war ein Wendepunkt in der Geschichte Nordeuropas. Waldemar II. hatte seinen Einflußbereich entlang der Ostsee bis nach Estland hin ausgedehnt und Dänemark zu einer Großmacht gemacht. Mit der Schlacht von Bornhöved brach dieses Ostseeimperium zusammen. Damit konnte die deutsche Herrschaft nördlich der Elbe bis zur Eider wieder hergestellt werden. Bis 1864 waren damit die Machtbereiche Dänemarks und des Deutschen Reiches festgelegt.

-ju- (1202)

Literatur: Ulrich Lange (Hrsg.), Geschichte Schleswig-Holsteins – Von den Anfängen bis zur Gegenwart, Neumünster 1996, Wachholtz Verlag, ISBN 3-529-0440-6, Jann Markus Witt und Heiko Vosgerau (Hrsg.), Schleswig-Holstein von den Ursprüngen bis zur Gegenwart – Eine Landesgeschichte, Hamburg, 2002, Convent-Verlag, ISBN 3-934613-39-X; SHLEX

Bildquelle: Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz, Berlin