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Bruno Toppf: „Präsident“ für drei Tage

Bruno Toppf

Bruno Toppf

Mit dem Matrosenaufstand in Kiel begann 1918 die deutsche Novemberrevolution. Schon am 6. November sprang sie auch auf die Insel Alsen über. Für drei Tage übernahm der Militärschneider Johannes Toppf die Herrschaft in Sonderburg und damit über Alsen. Er ging als Revolutionär und „Präsident“ in die Inselgeschichte ein. Die historische Episode begann schon pittoresk. Als die Kunde vom Aufstand in Kiel die Insel erreichte, lag der schwer Lungenkranke Oberschneidergast Toppf im Lazarett. Dort hielt den 32jährigen jedoch nichts. Er ordnete eine Versammlung an, stieg noch im Hospitalskittel auf eine Leiter und verkündete „Dass Hampelmannspielen ist nun vorbei. Wir kommen soeben aus Kiel, wo wir die Macht ergriffen und 600 Offiziere erschossen haben.“ Beides war frei erfunden, doch Toppf der Mann der Stunde. Der gleich gebildete Soldatenrat hatte nichts zu melden, der Schneider hatte nun das Sagen. Er ließ Kadetten und Offiziere entwaffnen und die rote Flagge über der Kaserne hissen. Nach den Matrosen waren auch die Soldaten bald mit von der Partie. Ihre Offiziere hatten sich ergeben, als Toppf ihnen ausrichten ließ, die Kanonen eines Kriegsschiffes seien auf ihr Quartier – dem Sonderburger Schloß – gerichtet. Toppf residierte im Offizierskasino. Dorthin bestellte er auch Bürgermeister und Landrat. Als die ihm zu verstehen gaben, sie seien mit seiner Machtübernahme nicht einverstanden, zog Toppf einen Revolver. Die Bürger Sonderburgs forderte er auf, ihm seine Wünsche vorzubringen. Der Schneider regierte kurz und weise. Er ließ Alkohol verbieten, kümmerte sich darum, das Bürger und Soldaten zu essen bekamen und brachte eine „Gegenrevolution“ zu Fall. Nach drei Tagen brach er jedoch völlig entkräftet zusammen. Während er in ein Krankenhaus auf dem Festland gebracht wurde, wo seine Tuberkolose behandelt wurde, übernahm nun ein Soldatenrat die Herrschaft auf der Insel. Toppf verstarb 34jährig 1920. Er ging als „Präsident von Alsen“ in die Regionalgeschichte ein. Er hat sich allerdings nie als solcher ausgerufen. Vielmehr war es seine ungewöhnliche Machtfülle und wahrscheinlich die Kunde von der Ausrufung der Republik in Berlin, die von den Menschen lokalpatriotisch auf ihre eigene Insel bezogen wurde. Allerdings hatte Toppf dafür gesorgt, das die Novembertage 1918 auf Alsen ohne Gewalt und Blut verliefen. Selbst ein Marinegericht bestätigte dem Kommunisten Bruno Toppf, er habe sich nichts zu schulden kommen lassen.

Jürgen Festersen (1205)

Quelle: Jürgen Festersen, Ein Präsident für drei Tage, in Schleswig-Holstein 9/2002, herausgegeben vom Schleswig-Holsteinischen Heimatbund; Robert Huhle: Bruno Topff og revolutionen i Sönderborg. Sonderburg 1984 – Sönderborg Bys Historie. Band 2 1966.