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So lebte man in SH um …
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Flensburg

Wappen der Stadt Flensburg

Wappen der Stadt Flensburg

Im frühen 12. Jahrhundert entstand am östlichen Ende der Flensburger Förde eine Siedlung um die Kirche St. Johannis. Sie ist die Keimzelle Flensburgs. Am Wasser und in der Nähe des Heer- oder Ochsenweges gelegen, begann ab 1170 unter König Waldemar I. auch auf dem Westufer der planvolle Aufbau einer Fernhandelssiedlung. Am 29. 12. 1284 wurde „Flensaburgh“ durch Herzog Waldemar IV. das Stadtrecht bestätigt. Im Gegensatz etwa zu Lübeck blieb der Einfuß des Rates zunächst durch den starken Einfluß des landesherrlichen Vogtes beschränkt. 1411 ließ Margarete I. die Duburg anlegen. Neue Möglichkeiten zur Ausdehnung des Handels ergaben sich für Flensburg durch die Erschließung des Ostseeraumes durch die Hanse. Doch erst mit deren Niedergang, begann die Blüte der Stadt. Flensburg besetzte die durch die Hanse aufgegebenen Märkte und wurde zur größten Handelsstadt im dänischen Königreich. In dieser Zeit wurde auch Niederdeutsch zur Umgangssprache in Flensburg. Um 1600 besaßen Flensburger Kaufleute etwa 200 Schiffe, die Zahl der Einwohner stieg auf 6.000. Dem Aufstieg folgte eine Serie von Kriegen. Der Dreißigjährige Krieg (1618-48), der Dänisch-Schwedische Krieg (1657-1660 auch: „Polackenkrieg“) sowie der Große Nordische Krieg (1700-1721) führten zu einem verheerenden Niedergang der Stadt. Flensburg wurde mehrmals besetzt und zerstört, im Jahre 1680 war die Einwohnerschaft auf 730 Bürger, die Flotte auf 20 Schiffe geschrumpft.

Nordertor

Nordertor

Erst mit einem 1727 erwirkten Privileg zum Handel mit Wein, Branntwein, Salz und Tabak begann der Neuanfang. Ab 1759 wurde die profitable Grönlandfahrt (Walfang) aufgenommen, sechs Jahre später begann der transatlantische Westindienhandel mit den dänischen Karibikinseln (Dreieckshandel). Neben Zucker kam so auch Rum (Pyrerum) nach Flensburg, der es zur „Rumstadt“ machte. 1800 hatte Flensburg schon 10.000 Einwohner. Auch die zweite Blüte hatte jedoch keinen langen Bestand. Der Krieg gegen England, der dänische Staatsbankrott 1813 und der Verlust Norwegens 1815 ließen Flensburg 279 Schiffe verlorengehen und trieben die Hälfte der Reedereien in den Konkurs. Neue Impulse erhielt die Stadt erst ab 1830 durch die langsam einsetzende Industrialisierung. 1854 entstanden der erste Bahnhof und ein Gaswerk. Nach der Schleswig-Holsteinischen Erhebung (1848-51) wurde Flensburg bis 1864 Verwaltungszentrum des Herzogtums Schleswig. Ab 1867 gehörte die Stadt zu Preußen, ab 1871 zum Deutschen Reich. Verwaltungs-, Gerichts- und Militäreinrichtungen entstanden in der Folgezeit. Durch Zuzug und Eingemeindungen wuchs Flensburg wie die anderen Städte SH. Die Einwohnerzahl stieg von gut 20.000 im Jahre 1869 auf knapp 70.000 1914. Nach dem Ersten Weltkrieg änderte sich die Lage Flensburgs grundlegend. Im Frühjahr 1920 wurde Flensburg in Folge der Volksabstimmung (Abstimmungsgebiet) zur Grenzstadt. Während Mittelschleswig sich für den Verbleib die Deutschland entschied, votierte Nordschleswig für Dänemark. In der Stadt entschieden sich 75 Prozent der Wähler für Deutschland. Während der Zeit der Weimarer Republik flossen aus „nationalpräventiven“ Gründen erhebliche Fördermittel in die Stadt. Sie dienten dem Schiffbau, dem Bau eines Freihafens (1923) und öffentlichen Großbauten. Zeugnisse aus dieser Zeit sind heute noch der Bahnhof von 1927 sowie das „Deutsche Haus“ (Inschrift: „Reichsdank für Deutsche Treue“), erbaut 1930. Ein Jahr später wurde der erste Zentrale Omnisbusbahnhof (ZOB) in Deutschland eröffnet. Die Weltwirtschaftskrise führte zu Betriebsschließungen und hoher Arbeitslosigkeit. 1933 übernahmen die Nationalsozialisten die Macht im Rathaus.

"Reichsdank für Deutsche Treue" - das Deutsche Haus von 1930

„Reichsdank für Deutsche Treue“ – das Deutsche Haus von 1930

Im Zweiten Weltkrieg blieb Flensburg weitgehend von Bombenangriffen verschont. Seit 1944 strömten Flüchtlinge in die Fördestadt. Für drei Wochen wurde Flensburg am Ende des Krieges zur provisorischen Reichshauptstadt. Großadmiral Karl Dönitz erklärt am 8.5.1945 von der Marineschule Mürwik aus die Kapitulation und das Ende des Dritten Reiches. Am 23. 5. 1945 wird er von britischen Soldaten verhaftet. In der Notzeit nach dem Krieg wurde die „neudänische Bewegung“ (Dänische Bewegung und Dänische Minderheit) vorübergehend zum bestimmenden politischen Faktor in der Stadt. Ab 1950 faßte die Wirtschaft wieder Tritt. 1956 wurde das Kraftfahrtbundesamt in Flensburg eröffnet und zahlreiche Einrichtungen der neuen Bundeswehr nach Flensburg verlegt. 1978 wurde die Autobahn (A 7) nach Dänemark weitergeführt. Mit dem Abbau der Bundeswehr setzte in den 1990er Jahren erneut ein Strukturwandel für Flensburg ein. Eine Reaktion darauf war der Ausbau des Hochschulstandortes durch die Landesregierung. Die Pädagogische Hochschule wurde zur einer „Bildungswissenschaftlichen Universität“ aufgewertet, die Fachhochschule auf- und ausgebaut. Als traditioneller Werftstandort kann sich die Stadt bis heute behaupten. Die 1873 gegründete Brauerei entwickelte nicht zuletzt durch ihr beharrliches Festhalten an der Bügelflasche ihre einst regionale Marke zu einer bundesweit geschätzten Spezialität. Der Versandhandel wurde zu einem bedeutenden Faktor (Beate Uhse). Die größte industrielle Neuansiedlung gelang mit dem Aufbau eines Werkes für Mobiltelefone des amerikanischen Konzerns Motorola. Mit der Schließung der letzten großen Produktions- und Abfüllstätte für Spirituosen (Dethlefsen) endete Anfang 2001 die Tradition als „Rumstadt“. Karibischer Rum wird in der Stadt heute nur noch in einem Familienbetrieb „verschnitten“.

-ju- (1101)

Quelle: SHLEX

Bildquellen: Stadtarchiv Flensburg; WappenLAS