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Geld

Bis in das frühe Mittelalter wurde der noch geringe Bedarf an Zahlungsmitteln im Gebiet Schleswig-Holsteins durch importierte Münzen gedeckt. Es dominierte die Geldgewichtswirtschaft. Importiertes Silber wurde nach Gewicht verrechnet. Die erste Münzstätte entstand um 800 in Haithabu. Dort wurden zunächst nur Silberpfennige (Denare) geprägt. In der Zeit Karl des Großen galt ein Münzsystem, das zumindest in Großbritannien bis 1971 überdauerte. Zwölf Pfennige entsprachen dabei einem Schilling, 20 davon einem Pfund (lateinisch libra daher das englische Zeichen £). Die zweite Münze entstand in Hamburg um 840. Doch nach dem Einfall der Wikinger wurde auch die Prägewerkstatt nach Bremen verlegt. Im 12.Jahrhundert nahm die Münztätigkeit zu. In Lübeck entstand eine Münze. Sie wurde früh eigenständig und bestand bis 1801. Anfang des 13. Jahrhunderts wurde auch in Hamburg unter den Schauenburgern (bis 1335) wieder Geld geprägt. Es begann die Zeit der Brakteaten. Um möglichst schönes Geld zu münzen, wurden die Pfennige vergrößert und dadurch hauchdünn. Deshalb konnte der Stempel nur auf einer Seite geschlagen werden. Da ein Pfennig einen hohen Wert hatte, wurden sie auch geteilt. Man sprach dann von einem Scherf (daher kommt das Scherflein). Mit der Zeit der Hanse wuchs der Konflikt zwischen den Territorialfürsten und den Handelsstädten. Wegen der lange Dauer der Reisen war der Kaufmannschaft an einer stabilen Währung gelegen. Die Fürsten ihrerseits hatten erkannt, daß sich durch Münzverschlechterung erheblicher Gewinn erzielen ließ. So wurden Münzen häufig für ungültig erklärt (verrufen) eingesammelt und mit geringerem Gehalt an Edelmetall neu geprägt. Gleichzeitig wurde der Bedarf an Geld größer. In Lübeck begann man deshalb, Witten zu münzen. Der Name bedeutete zunächst, daß die Münze aus guten (also weißem) Silber war. Das sollte sie abgrenzen gegen das schwarze süddeutsche Silber, die Rappen. Witten waren ursprünglich Vier-Pfennig-Stücke, die ab 1318 auch für kurze Zeit in Kiel geprägt wurden. 1365 schlossen sich die vier sogenannten wendischen Städte Lübeck, Hamburg, Lüneburg und Wismar zum „wendischen Münzverein“ zusammen. Fast zwei Jahrhunderte bestimmten seine Vorgaben Aussehen, Gewicht und Feingehalt der Münzen. Das wendische Geld – seit 1392 auch in drei und sechs Pfennigstücken – war im gesamten nordeuropäischen Raum verbreitet und wurde häufig der schlechten lokalen Währung vorgezogen. Im 14. Jahrhundert kamen auch Goldmünzen auf. Dukaten wurden zuerst in Lübeck geprägt. Und wieder begann das Spiel der Münzverschlechterung. Um vor Münzen zu schützen, die nicht von echtem Schrot und Korn waren, prüften die Hansestädte fremde Goldgulden und versahen sie mit einem kleinen Prüfstempel (Gegenstempel). Nach der Entdeckung Amerikas kam Silber und Gold in großen Mengen nach Europa. Die Münzen wurden größer und schwerer. Der Taler (so benannt nach der ersten Prägestätte, dem sächsischen Joachimstal) und der Zweidritteltaler, der Gulden, waren weit verbreitet. Weil das Prägen kleiner Münzen teuer war, wurden diese oft verschlechtert. Deshalb bestanden die Söldner des Dreißigjährigen Krieges darauf, in ganzen „harten“ Gulden bezahlt zu werden (deswegen ist eine Währung bis heute „hart“). 1618 führte der dänische König Christian IV. die Krone als Währungseinheit ein. In den Herzogtümern blieb es jedoch beim alten System. 1622 einigten sich Hamburg und Lübeck darauf, daß der Taler 48 Schillinge haben sollte. Da 16 Schillinge auch eine Mark waren, galten bis 1871 drei Mark als ein Taler. In der Zeit des dänischen Gesamtstaates seit 1773 wurde das Geldwesen neu geordnet. Nur noch in Altona wurde Geld für die Herzogtümer geprägt. Hier entstanden auch 1776 und 1788 die ersten Banken, die Papiergeld – sogenanntes „Zettelgeld“ – in Umlauf brachten. 1788 bekamen die Herzogtümer mit dem „Schleswig-Holstein Courant-Geld“ (von „courir“ umlaufen) ihre eigene Silberwährung. Sie orientierte sich an der seit 1622 benutzten Teilung von Lübeck und Hamburg und sollte auch im Wert gleich sein mit der dort bereits 1727 gemeinsam eingeführten Courantwährung. Nach dem Staatsbankrott Dänemarks 1813 mußten auch in den Herzogtümern die neuen ungeliebten dänischen Reichsbanktaler eingeführt werden. Es wurde jedoch weiter in Courant gerechnet. Seit 1841 schließlich wurde den dänischen Münzen der Courantwert wieder zusätzlich aufgeprägt. In der Zeit der Erhebung von 1848 bis 1851 gab es Ansätze, wieder eine eigene Währung aufzubauen. Nach deren Niederschlagung stellte der dänische Staat zur Betonung der Einheit auf Reichsmünzen (Rigsmont) um. Mit dem 2. schleswigschen Krieg 1867 begann ein Zeit des Wirrwars. Preußen und Österreich rechneten die dänische Währung unterschiedlich um. 1871 wurde auf Reichsmark umgestellt. Damit endete die eigenständige Geschichte des Geldes im Norden. Nach über 1.000 Jahren wurde das Zwölfer- beziehungsweise 16er-System durch das dezimale abgelöst und die Silberwährungen auf eine einheitlich Goldwährung umgestellt, die bis zum Ersten Weltkrieg Bestand hatte.

-ju- (0602)

Quelle: Werner Pfeiffer, Geschichte des Geldes in Schleswig-Holstein, Heide, 1977, Verlag Boyens & Co, ISBN 3-8042-0172-5, www.buecher-von-boyens.de