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Gottorfer Frage

Durch die Landesteilungen von 1544 und 1581 waren die Herzogtümer Schleswig und Holstein in Anteile des dänischen Königs, der Herzöge von Schleswig-Holstein-Gottorf sowie in gemeinsam verwaltete aufgesplittert. Dänemarks Königshaus und die Gottorfer schafften es, über 60 Jahre weitgehend störungsfrei neben- und miteinander in den Herzogtümern zu regieren. Das änderte sich in der Zeit Christians IV. (1577*/1596-1648). Als 1643 der Schwedisch-Dänische Krieg begann, hoffte Herzog Friedrich III. (1597*/1616-1659) seine Territorien vor den Folgen des Krieges durch Neutralität zu schützen. Im Dänisch-Schwedischen Krieg 1655 bis 1660 suchten die Gottorfer erneut den Schutz der Schweden. Damit war die Stabilität im dänischen Königreich gefährdet, die „Gottorfer Frage“ war entstanden. Immer wieder versuchten die beiden Linien des Hauses Oldenburg, sich wieder anzunähern. 1670 hatte diese Politik ein Ende. Christian V. wurde dänischer König. Erstmals nach der Niederlage der schwedischen Schutzmacht bei Fehrbellin 1675 und danach erneut 1689 besetzte er die Gottorfer Territorien. Beide Male wurde er auf diplomatischem Wege zur Aufgabe gezwungen, und die Rechte der Gottorfer wurden bestätigt. Mit dem Ausbruch des Großen Nordischen Krieges sah sein Nachfolger Friedrich IV. (1699-1730), die Chance, die Gottorfer Frage zu lösen. Im ersten Kriegsjahr scheiterte er. Gottorf erreichte sogar einen Grad an Souveränität wie nie davor. Nachdem sich 1713 das Blatt gewendet hatte, besetzte Friedrich die schleswigschen Teile Gottorfs. 1720 wurde das im Frieden von Frederiksborg bestätigt. Die „Gottorfer Frage“ kann – genau betrachtet – jedoch erst von 1773 an als gelöst angesehen werden. In diesem Jahr war der Verzicht der Gottorfer auf die ihnen verbliebenen holsteinischen Territorien besiegelt. Schleswig und Holstein waren nun unter einheitlicher, dänischer Herrschaft, und die Zeit des Gesamtstaats begann.

-ju- (0804)

Quellen: Ulrich Lange (Hrsg.), Geschichte Schleswig-Holsteins – Von den Anfängen bis zur Gegenwart (SHG), 2. verbesserte und erweiterte Ausgabe, Neumünster 2003, Wachholtz Verlag, ISBN 3-529-02440-6; Klaus-Joachim Lorenzen-Schmidt und Ortwin Pelc (Hrsg.), Schleswig-Holstein Lexikon, Neumünster, 2000, Wachholtz Verlag, ISBN 3-529-02441-4