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Heimatschutzarchitektur

Heimatschutzarchitektur

Heimatschutzarchitektur

Die nach der Reichsgründung von 1871 einsetzende Gründerzeit führte zu großen gesellschaftlichen Umbrüchen. Industrielle Massenproduktion und das rasch wachsende Verkehrs- (Eisenbahn) und Kommunikationsnetz begannen in einem bis dahin unvorstellbaren Tempo regionale kulturelle und handwerkliche Traditionen zu verdrängen. Um sich gegen die „Übergriffe des modernen Lebens“ und „Eingriffe in…die Gebilde der Natur“ zu wenden, wurde in Dresden 1904 der „Deutsche Bund für Heimatschutz“ gegründet. 1908 wurde der schleswig-holsteinische Landesverein gegründet. Sein Schwerpunkt lag vor allem im Bereich der Architektur, der Baupflege. Die „Heimatschutzarchitektur“ erlebte vor und nach dem Ersten Weltkrieg ihre Blüte und versuchte, an die Backstein-Bauweise der vorindustriellen Zeit anzuknüpfen.

Typisches Einfamilienhaus der Heimatschutzarchitektur

Typisches Einfamilienhaus der Heimatschutzarchitektur

Sie sollte Beispiele setzen gegen die Industriebaustoffe wie Wellblech und Dachpappe, kahle Brandmauern, beliebig aufgeklebten Fassadenschmuck (der übrigens als Fertigware per Katalog angeboten wurde) und die Türmchen- und Erkermanie der Gründerzeit. Mit einer Bauberatungsstelle und Musterentwürfen wollte man Anregungen geben. In kaum mehr als zwei Jahrzehnten entstanden, getragen von einer großen Gruppe junger Architekten in ganzen Land eine große Anzahl von Wohn- und Zweckbauten. Fast durchgängig gelang es dabei, die alte Formensprache aufzunehmen und zu übersetzen auf die Wohn- und Funktionsbedürfnisse der damaligen Zeit. Die Schleswig-Holsteinische Baupflegebewegung genoß in ganz Deutschland einen guten Ruf. Es entstanden vom Tonderaner Kreishaus (1905/07) über Ensembles wie den Burghof an der Flensburger Toosbüystraße (1909/10) bis hin zu den Bauernstellen im nordfriesischen Sönke-Nissen-Koog (1926) Bauten, die sowohl „in die Landschaft paßten“ als auch ihre Funktion erfüllten. Ende der 1920er Jahre machten sich die Nationalsozialisten die Ziele der Heimatschutzbewegung zu eigen. Die Verflechtung stimmt nachdenklich, mindert jedoch nicht den Wert der Impulse, die von der Heimatschutzbewegung ausgegangen sind. (Lesetipp: H.G. Andresen, Bauen in Backstein, Heide 1989, Boyens, ISBN 3-8042-0475-9)

"Beispiel" und "Gegenbeispiel" - Musterentwurf für den Kleinbanhhof in Kirchbarkau

„Beispiel“ und „Gegenbeispiel“ – Musterentwurf für den Kleinbanhhof in Kirchbarkau

-ju-

Quelle: SHLEX

Bildquelle: aus „Bauen in Backstein“, Hans-Günther Andresen, 1989, Boyens & Co (Katalog zu einer Ausstellung der Landesbibliothek)