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Kiel Radio

Die erste Küstenfunkstelle für den Bereich der deutschen Ostsee entstand 1911 in Swinemünde. Sie wurde 1932 nach Rügen verlegt. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges und nachdem absehbar war, daß die Zonen der Westalliierten politisch von der sowjetischen getrennt blieben, ergab sich die Notwendigkeit, eine neue Seefunkstelle für den westlichen Bereich der Ostsee zu schaffen. Im März 1946 erhielt die Oberpostdirektion in Kiel von der britischen Besatzungsmacht den Auftrag, „Kiel Radio“ aufzubauen. Am 16.Juni1946 nahmen Postfunker in einer Baracke in Kiel-Hassee, Krummbogen 110, den Seefunkdienst unter dem Rufzeichen “DAO” auf. Zunächst wurden nur Telegramme übermittelt und Wetter- und Warnmeldungen ausgestrahlt . Die Sendeanlagen standen auf dem Gelände der ehemaligen Marinefunkstelle im Fort Kiel-Friedrichsort (Festung).

Mit der Zunahme des Schiffsverkehrs überlebte sich das Provisorium in Kiel-Hassee. Auf den Fundamenten für einen Flakbunker entstand in Kiel-Schilksee am Steilufer ein Neubau, der am 11.März 1951 in Betrieb ging. Da sich die Sende- und Empfangsantennen nicht stören sollten, baute man die Sendemasten in Scharnhagen bei Dänischenhagen auf. Jetzt konnten Telegramme und Gespräche zwischen Schiffen (den sogenannten „Seefunkstellen“) und dem Festland über Kurzwelle (KW), Ultrakurzwelle (UKW) und Grenzwelle (GW) vermittelt werden. „Kiel Radio“ vermittelte nicht nur Gespräche und gab die für die Seefahrt überaus wichtigen Wetterberichte und Warnmeldungen zu festen Zeiten heraus: rund um die Uhr wurde auch der Seefunk abgehört, um Seenotmeldungen aufzufangen und Hilfe zu organisieren. „Kiel Radio“ hat so geholfen, manches Menschenleben zu retten und den Verlust von Schiffen zu verhindern.

Mit dem Aufkommen der weltweiten satellitengestützten Datenübertragung auf den Weltmeeren (INMARSAT) seit den 1980er Jahren sowie der in Küstennähe verfügbaren Mobiltelefonie sank der Arbeitsanfall für Kiel Radio kontinuierlich. Am 31.Dezember 1994 hatte „Kiel Radio“ den letzten Funkkontakt. Seitdem ist der Küstenfunk für die Deutschen Küsten bei Norddeich Radio zusammengefaßt.

Joachim Thun (1203)

Quelle: Herbert Gondermann, Die Küstenfunkstelle Kiel Radio – Eine Chronik. Post- und Telekommunikationsgeschichte Regionalbereich Nord Heft 1-1996