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GSHG setzt sich ein für ein Haus der Schleswig-Holsteinischen Geschichte

KIEL. Die Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte (GSHG) setzt sich dafür ein, dass zum 75-jährigen Bestehen des nördlichsten Bundeslandes im Jahr 2021 ein modernes „Haus der Geschichte“ eröffnet werden kann. Sie hatte deshalb schon vor der Landtagswahl am 7.Mai 2017 die Fraktionen angeschrieben und um Stellungnahmen gebeten. Die fielen nach Ansicht des GSHG-Vorsitzenden Jörg Kamischke erfreulich positiv aus. Auf Initiative des Beiratsvorsitzenden Prof. Thomas Steensen schlug der Vorstand der Mitgliederversammlung am 20. Mai 2017 in der Landesbibliothek vor das Projekt durch eine Resolution weiter in der Diskussion zu halten. Inzwischen liegen auch darauf Redaktionen vor. Auch wenn der Weg für ein „Haus der Schleswig-Holsteinischen Geschichte“ noch weit ist, deuten Vorstand und Mitgliederversammlung die Zeichen als insgesamt ermutigend.

Positive Reaktionen der Fraktionen

Nach Ansicht der GSHG Würde ein  solches Haus die besondere Rolle Schleswig-Holsteins zwischen Nord- und Ostsee sowie zwischen Skandinavien und Mitteleuropa widerspiegeln und die Identität stärken. Zudem könne ein Zentrum für die historische Forschung und Vermittlung entstehen. „Dem Verfall der historischen Kenntnis und Bildung würde entgegengewirkt“, meinen Kamischke und Steensen. Sie schrieben: „Es würde ein Ort für die kritische Auseinandersetzung mit der Geschichte Schleswig-Holsteins entstehen, die für die Zukunftsfähigkeit unserer demokratischen Gesellschaft unerlässlich ist.“ Die Antworten vor der Landtagswahl waren aus Sicht der Gesellschaft erfreulich. Der damalige Fraktionsvorsitzende der CDU im Landtag Daniel Günther schrieb, die Forderung nach einem Haus der Geschichte sei fest im CDU-Wahlprogramm verankert. In den Augen von Günther könnte das Haus der Geschichte Baden-Württembergs in Stuttgart ein Vorbild für Schleswig-Holstein sein. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Dr. Ralf Stegner äußerte sein grundsätzliches Interesse, verwies jedoch darauf, dass das Land bei der Gründung neuer Einrichtungen aus finanzpolitischen Rücksichten sehr vorsichtig vorgehen müsse. Eka von Kalben als Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen schrieb, sie begrüße die Auseinandersetzung mit der Geschichte unseres Landes, halte aber angesichts der engen finanziellen Spielräume die Errichtung eines eigenen Hauses für wenig realistisch. Der FDP-Fraktionsvorsitzende Wolfgang Kubicki bezeichnete die Errichtung eines Hauses der Geschichte als sinnvolle und wichtige Maßnahme, um „die bewegte und wahrlich bewegende Geschichte unseres Bundeslandes“ auch an künftige Generationen weiterzugeben. Für den SSW begrüßte Landesgeschäftsführer Martin Lorenzen die Errichtung eines Hauses der Geschichte und erklärte, sich dafür in der kommenden Wahlperiode einzusetzen. Die Absicht findet sich inzwischen in dem von CDU, GRÜNEN und FDP ausgehandelten Koalitionsvertrag wieder.

Resolution an die neue Regierung

Dieser Stand wurde der Mitgliederversammlung am 20. Juni 2017 in der Landesbibliothek vorgestellt und mit Freude zur Kenntnis genommen. Die von Thomas Steensen verfasste Resolution wurde einstimmig angenommen. Hier der Wortlaut:

„Die Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte setzt sich dafür ein, dass zum 75-jährigen Bestehen des nördlichsten Bundeslandes im Jahr 2021 ein modernes „Haus der Geschichte“ von den Anfängen bis in unsere Zeit eröffnet werden kann. Sie begrüßt es deshalb, dass im Koalitionsvertrag von CDU, Bündnis 90/Die Grünen und FDP ein „Haus der Schleswig-Holsteinischen Geschichte“ als konkretes Ziel genannt wird.

Die GSHG, die als große und umfassende Vereinigung die Erforschung und Vermittlung der Geschichte im nördlichsten Bundesland fördert, hält eine solche Einrichtung aus mehreren Gründen für unverzichtbar. Ein „Haus der Schleswig-Holsteinischen Geschichte“ würde die besondere Rolle unseres Landes zwischen Nord- und Ostsee sowie zwischen Skandinavien und Mitteleuropa widerspiegeln und die Identität stärken. Es würde ein Zentrum für die historische Forschung und Vermittlung darstellen. Dem Verfall der historischen Kenntnis und Bildung würde entgegengewirkt. Es würde ein Ort für die kritische Auseinandersetzung mit der Geschichte Schleswig-Holsteins entstehen, die für die Zukunftsfähigkeit unserer demokratischen Gesellschaft unerlässlich ist.

Die Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte hält es für wichtig, dass der neugewählte Landtag und die neue Landesregierung sich noch im Jahr 2017 diesem Thema zuwenden und konkrete Schritte zur Verwirklichung unternehmen. Dann besteht die Aussicht, dass zum 75-jährigen Bestehen des Landes Schleswig-Holstein 2021 endlich ein Haus zur Geschichte unseres Bundeslandes seine Tore öffnen kann.“

Die Diskussion geht weiter

Das Thema und die Diskussion stoßen auf Interesse. Am 6. Juli 2017 brachte die sh:z-Verlagsgruppe einen ausführlichen Bericht von Frank Jung zu Stand der Diskussion. Er macht deutlich, dass sich in der Jamaika Koalition vor allem die GRÜNEN noch schwertun. Nach heutigem Stand werden die Diskussion neben der Standortfrage auch absehbar darum kreisen, welche Sammlungen für ein „Haus der Schleswig-Holsteinischen Geschichte“ genutzt werden können. Bestände dafür gibt es im Land. Nach eigenen Auskunft weniger auf Schloss Gottorf dafür aber in der Schleswig-Holsteinischen Landesbibliothek (SHLB) in Kiel sowie auch beim Landesarchiv (LAS) in Schleswig. GRÜNE und der Landeskulturverband überlegen, ob statt eines Hauses auch wechselnde durch das Land ziehende Ausstellungen ein könnten.

(pletzing/ju 0717)

 

Mitgliederversammlung 20. Juni 2017

2018 wieder „Tag der schleswig-holsteinischen Geschichte“

Nach dem Erfolg des ersten „Tages der schleswig-holsteinischen Geschichte“ am 11. Juni 2016 im Hohen Arsenal in Rendsburg starten jetzt die Vorarbeiten für den Zweiten. Im Herbst werden Ort und Thema festgelegt. Beirat und Vorstand der GSHG werden im September in die „heiße Vorbereitungsphase“ gehen.

Die Mittel werden knapp

Schatzmeister Dr. Martin Skaruppe legte der Mitgliederversammlung die auch in den Mitteilungen 92, Seite 92/93 vorgelegten Zahlen vor. Inzwischen zehrt der reguläre Betrieb der Gesellschaft bei noch 996 Mitgliedern an den Reserven. Martin Skaruppe machte deutlich, dass es dringlich gelte sich über den Substanzverzehr Gedanken zu machen, weil der Fortbestand der GSHG sonst auf mittlere Sicht nicht mehr zu gewährleisten sei. Der Voranschlag für das laufende Jahr weise ein Defizit von 11.480 € aus.

Wiederwahlen

Der alte und der neue Vorstand der GSHG sind identisch. Nach dreijähriger Amtszeit standen Werner Junge, Prof. Detlev Kraack, Frank Lubowitz und Dr. Christian Pletzing zur Wiederwahl. Sie wurden von der Mitgliederversammlung einstimmig bestätigt.

(rgsh 0717)

 

Kooperation mit der Universitätsgesellschaft

Die Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte (GSHG) und die Schleswig-Holsteinische Universitäts-Gesellschaft (SHUG) kooperieren. Für die laufende Vortragsaison haben bieten Mitglieder der GSHG den örtlichen SHUG-Sektionen insgesamt 42 Themenvorträge zu Aspekten und Fragen der Landesgeschichte an. Allein 15 von den Anfängen bis in die Neuzeit steuert Prof. Oliver Auge, Lehrstuhlinhaber für Regionalgeschichte an der CAU, bei. Weitere GSHG-Vorstandsmitglieder wie Prof. Detlef Kraack, Prof. Thomas Steensen und Dr. Ortwin Pelc sind dabei. Das Gesamtangebot der SHUG im Land ist unter http://www.shug.uni-kiel.de nachzulesen. Im Google-Kalender auf dieser Homepage finden sich zudem die in Kooperation mit der GSHG angebotenen Vorträge.

(-ju- 0717)