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So lebte man in SH um …
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Kutter

ein „schneidiges“ Schiff …

Die obere Zeichnung zeigt den Riss einer der Ur-Kutter, den der Engländer F.H.Chapman 1768 für die Royal Navy zeichnete, die untere einen in der Takelage erheblich vereinfachten Fischkutter um 1900

Die obere Zeichnung zeigt den Riss einer der Ur-Kutter, den der Engländer F.H.Chapman 1768 für die Royal Navy zeichnete, die untere einen in der Takelage erheblich vereinfachten Fischkutter um 1900

Der Vorläufer der deutschen Fischkutter war die englische „Fishing-Smack“. Sie basiert auf den kleinen, einmastigen Segelschiffen, die Mitte des 18. Jahrhunderts zuerst für die englische Marine entwickelt wurden. Nachdem die Takelage des Einmasters vereinfacht worden war, übernahm auch die Fischerei den äußerst seetüchtigen Schiffstyp. Dessen Name leitet sich aus dem typischen, fast senkrechten Steven ab, der wie ein Messer das Wasser schnitt – englisch: to cut. Aus dem „Cutter“ wurde verschlankt und spezifiziert – unter anderem auch mit einer anderhalbmastigen Takelung – der deutsche „Kutter“. Die seegehenden Kutter, wie sie etwa von Finkenwerder aus zur Doggerbank fuhren, hatten einen im Verhältnis zur ihrer Länge großen Tiefgang. Da es noch keine Kühlaggregate gab, wurde der Fisch meist lebend transportiert. Dazu diente die „Bünn“, ein abgeschlossener Laderaum im Kiel des Schiffes, der über kleine Löcher im Schiffsrumpf den lebenden Fang mit frischem Meerwasser versorgte. Krabbenkutter haben keine Bünn. Sie entstanden erst um 1900 und waren von Anbeginn dazu ausgelegt, nur kurze Fangfahrten zu unternehmen. Ihre Fänge wurden durch das Abkochen der Garnelen konserviert (Krabbenfang).

… macht Karriere

Krabbenkutter im Wattenmeer: obwohl inzwischen mit Motor betrieben haben die Rümpfe noch die typische Kutterform

Krabbenkutter im Wattenmeer: obwohl inzwischen mit Motor betrieben haben die Rümpfe noch die typische Kutterform

Die guten Eigenschaften der „Fisching Smack“ machten die Kutter auch außerhalb der Fischerei zu den gebräuchtlichsten Nutzfahrzeugen bei anderen Anrainern der Nord- und Ostsee. Sie fuhren als Lotsen- und Zollboote und wurden auch zu den Vorläufern der Rennyachten. In der Fischerei überstand der Kutterrumpf auch den Übergang zum Motorantrieb. Während der Großmast (speziell bei den Krabbenkuttern) vor allem zum Träger für die Fanggeschirre wurde, wird bis heute am kleinen, achteren Besan noch ein Segel gefahren. Es soll dazu beitragen, das Schlingern der Schiffe zu vermindern und hat keine Antriebsfunktion mehr.

Als „Kutter“ wird auch das drittgrößte Beiboot auf Kriegsschiffen bezeichnet. Traditionell waren die sieben bis zehn Meter lang, konnten bis zu 40 Personen aufnehmen und waren mit Rudern und einer schnell aufrichtbaren Hilfsbesegelung ausgerüstet. Wegen ihrer Seetüchtigkeit wurden sie als Rettungsboote genutzt. Marinekutter werden bis heute zur Ausbildung sowie für Regatten und küstennahe Wanderfahrten genutzt.

Krabbenkutter im Hafen von Pellworm vor dem Zweiten Weltkrieg

Krabbenkutter im Hafen von Pellworm vor dem Zweiten Weltkrieg

-ju- (0205)

Quelle: Alfred Dudszus/Alfred Köpcke, Das große Buch der Schiffstypen, 1999, Pietsch Verlag

Bildquellen: Vignette/Risse: aus Alfred Dudszus/Alfred Köpcke, Das große Buch der Schiffstypen, 1999, Pietsch Verlag (farblich bearbeitet); Kutter: Archiv Brigitta Seidel, Pellworm