Thomas Steensen neuer Vorsitzender des Beirates

Der neue Beiratsvorsitzende der GSHG: Prof. Dr. Thomas Steensen Der neue Beiratsvorsitzende der GSHG: Prof. Dr. Thomas Steensen
Foto: Juliane Kahlke/shz
Einstimmig hat der Beirat der Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte (GSHG) während seiner Sitzung in der Landesbibliothek in Kiel Professor Dr. Thomas Steensen zum neuen Vorsitzenden gewählt. Der Beirat folgte damit dem Vorschlag des GSHG-Vorsitzenden Jörg-Dietrich Kamischke. Steensen tritt die Nachfolge von Dr. Klaus-Joachim Lorenzen-Schmidt an. Lorenzen-Schmidt hatte den Vorsitz niedergelegt, nachdem sich die Idee einen „Tag der Landesgeschichte“ ins Leben zu rufen nach Ansicht des Vorstandes als organisatorisch nicht realisierbar erwiesen hatte.

Thomas Steensen leitet das Nordfriisk Instituut (NFI) in Bredstedt. An der Universität Flensburg ist er Honorarprofessor für Friesische Geschichte. Der neue Vorsitzende schlug vor, künftig die Arbeit des Vorstandes und des Beirates enger zu verzahnen. Dafür soll der Beirat auch an Vorstandssitzungen teilnehmen.

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Harmonische Versammlung mit weitgehenden Beschlüssen

GSHG muss von 2012 an die Mitgliederbeiträge anheben

Die Beiträge der Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte (GSHG) werden mit Beginn des kommenden Jahres um jeweils zehn Euro für Einzelmitglieder und Ehepaare erhöht. Das beschlossen die rund 60 Stimmberechtigten am Ende einer intensiven Diskussion. Am Ende überzeugte das von Schatzmeister Dr. Martin Skaruppe vorgelegte Zahlenwerk. Zwar konnte das Jahr 2010 noch mit gut 54.000 € im Bestand abgeschlossen werden, doch ist die GSHG strukturell unterfinanziert. Schon der laufende Haushalt ist nur durch eine Entnahme aus den Rücklagen von gut 26.000 € auszugleichen. Vor dem Hintergrund, so erläuterte Skaruppe während der Mitgliederversammlung in der Landesbibliothek in Kiel, ist absehbar, dass die Gesellschaft in ein bis zwei Jahren ihre Aufgaben nicht mehr finanzieren kann und – schlicht gesagt – pleite ist.


Eine intensive Diskussion

Der Vorstand hatte das Problem frühzeitig erkannt und schon im vergangenen Jahr darauf hingewiesen, dass in diesem Jahr die Frage höherer Beiträge diskutiert werden muss. Das geschah breit und intensiv. Es wurde die Frage aufgeworfen, ob nicht der Weg freiwillig erhöhter Beiträge aus den Reihen der gut 1.100 Mitglieder die Probleme lösen könnte. GSHG-Vorsitzender Jörg-Dietrich Kamischke verwies auf die Dimension des strukturellen Defizits. Auch wurde angeregt, mehr Spenden sowie Sponsorengelder einzuwerben. Leider, so bedauerte der Vorstand, stünden die Vorzeichen schlecht, damit nachhaltig die Probleme abzustellen. Auch die Gefahr, dass der ein oder andere mit Hinweis auf die erhöhten Beiträge der Gesellschaft den Rücken kehre, wurde als real eingeschätzt. Schließlich waren jedoch alle überzeugt, es führt kein Weg daran vorbei, die Beiträge um 10 auf 40 € für Einzelmitglieder und von  40 auf 50 € für Ehepaare zu erhöhen, wenn die Arbeit der Gesellschaft fortgesetzt werden soll.


GSHG-Preis für Dr. Dominik Hünniger

GSHG-Preisträger Dr. Dominik HünningerGSHG-Preisträger Dr. Dominik Hünninger
Foto: Tonio Keller, Bauernblatt Schleswig-Holstein

Die Rinderseuche der Jahre 1744-1752 ist Thema der Arbeit von Dr. Dominik Hünniger, die den diesjährigen Preis der GSHG gewonnen hat. Leider war der Ausgezeichnete durch einen Termin in Finnland gebunden. Der Preis wird deshalb im kleinen Rahmen überreicht. Die Laudatio von GSHG-Vorsitzenen Jörg-Dietrich Kamischke wird in den nächsten Mitteilungen in voller Länge abgedruckt. Kamischke erinnerte in der Landesbibliothek daran, dass die Brunswiker Stiftung die jährliche Vergabe dieses mit 3.000 €  dotierten Preises dankenswerter Weise ermöglicht.



Alte Sorgen – neue Hoffnung

Um das „Kerngeschäft“ der GSHG als Publikationsgesellschaft auch in Zukunft zu sichern, braucht die Gesellschaft neue, jüngere Mitglieder. Vorstandsmitglied Prof. Detlev Kraack  sieht vor allem durch den neuen Schwung der Landesgeschichte (inzwischen wird immer häufiger der Begriff der Regionalgeschichte gebraucht) an der Christian-Albrechts-Universität optimistischer in die Zukunft. Mit Prof. Oliver Auge und Prof. Martin  Krieger hätten nun zwei junge, mitreißende Historiker den Staffelstab der Regional- und Landesgeschichte und der Skandinavischen Geschichte übernommen, die sich den Interessen und Zielen der GSHG gegenüber sehr offen und förderlich zeigten. Beide sind überdies auch bereit, in der GSHG mitzuarbeiten und als Multiplikatoren in die Universität hinein zu wirken.


Neue Wege statt alter Rituale

Um auch die Mitgliederversammlung attraktiver zu machen, hatte der Vorstand das diesjährige Treffen eingebettet in einen etwas anderen Vortrag und eine spannende Führung. Endlich ohne Powerpoint - wie zufrieden hinter der Hand geraunt wurde - dafür jedoch mit vielen Hörbeispielen startete der Tag. Vom Durchhaltelied „Davon geht die Welt nicht unter“ von Zarah Leander, über die Kapitulationsrede von Karl Dönitz bis zur so genannten „Schneekatastrophe“ reichten die Hörbeispiele mit denen Vorstandsmitglied Werner Junge seinen Vortrag über die Geschichte des Rundfunks im Norden anreicherte. Für die GSHG betreut Werner Junge die GSHG-Homepage www.geschichte-s-h.de, beruflich leitet er das Studio Flensburg des NDR, das gerade sein 60jähriges Bestehen feiern konnte. Zum Abschluss der Mitgliederversammlung wurde eine Führung durch das Kieler Rathaus angeboten, das vor 100 Jahren bezogen wurde. Das Jubiläum wird derzeit im Kieler Stadtmuseum im Warleberger Hof mit einer Ausstellung gewürdigt. Die Gruppe der GSHG führte der Kieler Stadtarchivar Dr. Johannes Rosenplänter. Zu bewundern waren geschmackvolle Rotunden, großzügige Treppenhäuser, beeindruckende Wandgemälde und Denkmäler sowie ein bis ins Detail durchgestalteter Gebäudeschmuck, der im Laufe der 100 Jahre - etwa in der Zeit des Wiederaufbaus Kiels - ergänzt und aktualisiert wurde . Das alles macht den Bau von 1911 des Karlsruher Architekten Hermann Billing zu einem überaus lohnenden Exkursionsziel. Das gilt besonders dann, wenn Johannes Rosenplänter führt und man am Ende sogar noch einen Blick über Kiel von der Höhe des Rathausturmes genießen darf. Weil die Kombination gut ankam, will der Vorstand versuchen, in Zukunft die inhaltliche Komponente der Mitgliederversammlungen weiter zu stärken und zu einem „Tag der Landesgeschichte“ ausbauen.


Ein fast ermutigender Zwischenstand

Da die GSHG wieder in der Landesbibliothek tagen konnte, interessierte natürlich, wie es um die Zukunft des Hauses bestellt ist. Hausherr Dr. Jens Ahlers informierte über den Stand. Es seien – so hofft Ahlers - wichtige Hürden für den Fortbestand als eigenständiges Haus genommen. Der Preis dafür sei allerdings hoch. So wird etwa das Biographische Lexikon nicht weitergeführt. Der vom Land in die Diskussion gebrachte Plan, die Landesbibliothek in der der Universität aufgehen zu lassen, sei jedoch vom Tisch. Es hat sich nach Ansicht von Ahlers herausgestellt, dass dadurch nichts gespart werde. Auch hätten sich die politisch Verantwortlichen der Einsicht nicht verschließen können, dass die SHLB nur dann weiter funktionieren könne, wenn es dafür ausreichend Personal gebe. Jens Ahlers hofft, der Einsicht folgten Taten. Aktuell sei die Landesbibliothek schon heillos unterbesetzt. Ahlers dankte der GSHG für ihren Einsatz zum Erhalt der Landesbibliothek.

Detlev Kraack / Werner Junge 0711


Tschüss und Danke: Sylvia Günther hat aufgehört

Jedes Mitglied der Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte hat ihr wohl schon einen Brief geschrieben oder mit ihr telefoniert: seit 1992 führt Sylvia Günther das Sekretariat der GSHG. Ob nun Mitglieder betreut oder Exkursionen vorbereitet wurden, alles was Sylvia Günter übertragen wurde klappte ruhig, zuverlässig und fast wie von Geisterhand. Nach 19 Jahren bedankte sich der GSHG-Vorsitzende Jörg-Dietrich Kamischke während der Mitgliederversammlung herzlich und übereichte Sylvia Günther einen Blumenstrauß und einen Gutschein für ein Gartencenter, denn irgendwas muss ja nun folgen, wenn Sylvia Günther nicht mehr von den über 1.000 GSHG-Mitgliedern in Bewegung gehalten wird. Dem offiziellen Dank des Vorstandes folgte langer Beifall der Mitglieder.

-ju- 0711

„Residenzen im Ostseeraum: Augustenburg – Sonderburg - Norburg“

Kulturhistorische Exkursion der GSHG in den Sundewitt und nach Alsen (22. Mai 2011)

Nachdem wir uns im Vorfeld sogar über ein paar mehr Anmeldungen als freie Plätze im Bus hatten freuen dürfen und einige Mitglieder und Interessierte auf kommende Exkursionen der GSHG (siehe zu diesen weiter unten) hatten vertrösten müssen, ging es am Sonntag, den 22. Mai 2011, früh um 8.30 Uhr mit lauter erwartungsfreudigen Teilnehmern in einem vollen Bus von Kiel aus los in Richtung Norden. Über Schleswig und vorbei an Flensburg ging es zunächst in den Sundewitt über den „Fjordvej“ entlang des malerischen Nordufers der Flensburger Förde (Ochseninseln) nach Gravenstein, wo wir – bei noch wunderschönem Wetter – einen kleinen Spaziergang durch den königlichen Schlossgarten unternahmen und die herrschaftlichen Baulichkeiten von außen unter die Lupe nahmen. Bereits bei dieser Gelegenheit wurde deutlich, was im weiteren Verlauf des Tages noch verschiedentlich die Herzen höher schlagen ließ: mit welchem Gespür für Architektur und Natur nämlich die Baumeister und Gartenarchitekten früherer Jahrhunderte ihre bisweilen sicher nicht leichten Aufgaben erfüllt hatten.

Von Gravenstein aus ging es dann vorbei an den hochaufragenden Schornsteinen Egernsunder Ziegeleien - die Doppeltürme der Kirche von Broacker von Ferne im Blick - über die Höhen von Düppel (mit dem modernen Museum und historischen Denkmälern, darunter nicht zuletzt der historischen Mühle) zunächst einmal weiter nach Sonderburg, wo wir uns nach einem kurzen Blick auf das neue Alsion (einem modernen Mehrzweckbau der sowohl mit seinen Reinluftlabors von der Süddänischen Universität genutzt wird, Gründercenter und mit einen hervorragenden Konzertsaal und Gastromie als kultureller Treffpunkt dient ) und Sundbrücke das Schloss und vor allem die fürstliche Schlosskapelle ansahen, in der es nun wirklich allerhand Sehenswertes zu entdecken gibt: neben der Anlage selbst, die in ihren Ursprüngen auf die Epoche der Renaissance zurückgeht, war es die fürstliche Ausstattung mit heraldischem Schmuck, Orgel, Emporen, beeindruckenden Säulen- und Deckenkonstruktionen sowie nicht zuletzt dem Portalepitaph für Hans des Jüngeren von Sonderburg, seine Frau und seine zahlreiche Nachkommenschaft, die uns in ihren Bann schlugen.

Auch an der nächsten Station der Exkursion war uns Petrus noch hold, obschon in Augustenburg fern von Jütland her ein gewaltiges Wetter heraufzuziehen begann und den Himmel verfinsterte. Kaum hatten wir dann in Österholm die vor Ort im Rasen belassenen Grundmauern des Herrenhauses aus dem 16. Jahrhundert besichtigt (das mit seinen diagonal gestellten, von Kuppeln bekrönten Ecktürmen und seinem von einer Spindel überhöhten Torturm vormals einen durchaus exotischen Eindruck vermittelt haben dürfte), hatten uns Sturm und Regen eingeholt. So musste das eigentlich eingeplante Picknick im Nørreskov leider verschoben werden, und an einen Stopp an der alten Burganlage der adligen Familie Sture, die sich wild romantisch hinter Wall und Graben im Wald verbirgt, war nicht einmal zu denken, ohne schon beim Gedanken daran nasse Füße zu kriegen. So fuhren wir weiter nach Norburg, wo wir uns das Schloss und die Kirche ansahen. Und dass Pastor Holm es sich trotz Erkältung nicht nehmen ließ, uns die Türen zu seiner Kirche persönlich aufzuschließen, haben wir als eine warme, keinesfalls selbstverständliche Geste des gemeinsamen Interesses an der Vergangenheit empfunden. Dies wiederholte sich auf äußerst charmante Art und Weise in Eken (Egen), wo uns Pastorin Jensen die berühmten Kirchenställe und die Kirche einschließlich Sakristei öffnete und manch interessante Geschichte zu ihrer Kirche und deren reicher Ausstattung zu erzählen wusste. Auf dem Rückweg hatten wir dann sogar noch Zeit, uns das im ausgehenden 18. Jahrhundert erbaute Herrenhaus der Reventlows in Sandbjerg näher anzusehen. Wohl der Universität, die solch Immobilie als Kongress- und Begegnungszentrum nutzen kann! Wir haben schon den – viel zu kurzen - Besuch auf dem Anwesen der Universität Aarhus sehr genossen.

Zurück in Schleswig bzw. Kiel hatten wir einen ebenso kurzweiligen wie erlebnisreichen Tag hinter uns gebracht. Und dass uns ab Mittag Sturm und Regen treue Begleiter waren, sollte doch die sonnigen Stunden des Vormittags nicht vergessen machen, zumal wir unser Außenprogramm fast vollständig absolvieren konnten. Den weiteren Exkursionen des Jahres sehen wir erwartungsvoll entgegen.

Wir würden und freuen, weitere Mitglieder der GSHG und Freunde der Landesgeschichte für die Teilnahme an unseren kulturhistorischen Exkursionen gewinnen zu können, und möchten deshalb noch einmal auf die geplanten Exkursionen entlang der Schlei (20. August 2011) und nach Wagrien (17. September 2011) verweisen.

Vorschläge für Themen bzw. Ziele möglicher Exkursionen in den kommenden Jahren sind ebenfalls hochwillkommen und mögen bitte an Prof. Dr. Detlev Kraack (Seestr. 1, 24306 Plön, Tel. 04522/508391, E-Mail: detlev.kraack@gmx.de) übermitttelt werden.

Fotos von der Exkursion:


Detlev Kraack, 0611
Fotos von den Teilnehmern


„Reste“ aus fünfzig Jahren landesgeschichtlicher Arbeit

Über fünf Jahrzehnte erforscht Professor Dr. Wolfgang Prange die Geschichte Schleswig-Holstein. Am Donnerstag, 9. Juni, 19.30 Uhr, stellen die GSHG und der Wachholz-Verlag im Landesarchiv in Schleswig sein neues Buch vor. Der Titel ist ungewöhnlich aber passend. „Analecta Holsatica“: analecta (-ae, m.) nannten die Römer nämlich zunächst einmal den Sklaven, der beim Gastmahl die unter den Tisch geworfenen Reste auflas, und analecta (-orum, n.) dann auch diese Brocken selbst. Und Wolfgang Prange stieß als Archivar und Historiker immer wieder auf Quellen, die er im Augenblick nicht suchte doch als interessant ansah. Er hat diese Funde beiseite gelegt, um sie später vielleicht einmal genauer zu betrachten. Auf diesem Wege sind bereits verschiedene Aufsätze entstanden, im neuen Buch folgen nun fünfzehn kürzere Beiträge. Sie werden daher passend als Analekten bezeichnet. Insgesamt gehören diese Beiträge in acht Jahrhunderte schleswig-holsteinischer Geschichte. Was sie mitteilen, untersuchen und darstellen, war bisher nicht bekannt, ergänzt, berichtigt und erweitert unser bisheriges Wissen. Insgesamt soll „Analecta Holsatica“  anregen, sich eingehender mit dem spätmittelalterlichen und frühmodernen holsteinischen Rechtsleben zu befassen. Das Werk Pranges wird bei der Präsentation am 9. Juni durch den Vorsitzenden der Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte (GSHG), Jörg-Diedrich Kamischke, sowie dem Leiter des Landesarchivs Professor Rainer Hering gewürdigt. Der 1932 geborene Autor war von 1959 bis 1997 am Landesarchiv tätig und ist seit 2007 Ehrenmitglied der GSHG.

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Professor Dr. Wolfgang Prange
Prof. Wolfgang Prange


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