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Odyssee mit Happy-End: Madonna auf der Mondsichel

Die "Madonna auf der Mondsichel" von Riga ist auch deshalb ein ungewöhnliches Stück, weil sie als eine der wenigen Heiligenskulpturen des Spätmittelalters nicht ausgehöhlt ist. Ihrer Art nach kann sie von einem Meister aus Norddeutschland oder aber auch aus Lettland selber stammen.

Die „Madonna auf der Mondsichel“ von Riga ist auch deshalb ein ungewöhnliches Stück, weil sie als eine der wenigen Heiligenskulpturen des Spätmittelalters nicht ausgehöhlt ist. Ihrer Art nach kann sie von einem Meister aus Norddeutschland oder aber auch aus Lettland selber stammen.

August 2001 feierte Riga sein 800jähriges Bestehen. Seitdem steht die „Madonna auf der Mondsichel“ wieder in der alten Hansestadt. Nach 56 Jahren war sie aus Lübeck zurückgekehrt. Damit endete ihre fünfte und – wie die Rigenser hoffen – letzte Reise. Ihre erste war eine Flucht. Als die Reformation 1524 Riga erreichte, rettete der Bürgermeister die spätmittelalterliche Madonna aus St. Petri vor den wütenden Bilderstürmern. Sie und ein Holzrelief sind die letzten Zeugnisse katholischer Kirchenkunst in der Stadt. Die bemalte Eichenskulptur zog dann in der Stadt um. Ihren neuen Platz fand sie in der „Großen Gilde“, dem Sitz der Hanse. 1932 nahm man sie in das Denkmalbuch auf, 1940 zog sie erneut in der Stadt an der Düna um. Die liebevoll „Docke“ (Puppe) genannte Skulptur fand ihren Platz im Museum. Dort stand sie, als die Deutsche Wehrmacht in Riga auf Kunstraub ging. Die Deutsche Version der Geschichte: Ein Lübecker, der in Riga in leitender Funktion tätig war, ließ die Madonna auf dem Mond abtransportieren. Er „schenkte“ sie seiner Heimatstadt zum 800jährigen Stadtjubiläum 1943. Die Hansestadt überwies dafür 40.000 Reichsmark an das Museum in Riga. Die lettische Version paßt besser zu der bewegten Geschichte der Docke: Danach war es ein Zufall, daß die Madonna erneut auf Reisen ging. Nur weil auf der Pritsche des Wehrmachtslasters noch Platz gewesen sei, hätten Soldaten auch die Madonna noch aufgeladen, erzählt man in Riga. In Lübeck geriet die Herkunft des „Geschenks“ in Vergessenheit. Erst als 1998 die Sammlungsgeschichte des St.Annen-Museums neu bearbeitet wurde, gingen die Mitarbeiter der Sache nach. August 2001 trat die Madonna schließlich ihre fünfte und letzte Reise an. Lübecks Bürgermeister und der Direktor des St. Annen-Museums brachten die Madonna auf dem Mond in ihre Heimatstadt zurück. Nun steht sie wieder im Museum für Geschichte und Schiffahrt der Stadt Riga.

-ju- (0402)

Quellen: Museum für Geschichte und Schiffahrt der Stadt Riga; St.Annen-Museum, Lübeck; Pressearchiv, www.luebeck.de; Deutsche Botschaft in der Republik Lettland, Riga; NDR 1 WELLE NORD, Vun Binnenland und Waterkant, 14.9.2001 

Bildquelle: St. Annen-Museum, Lübeck