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Polizei

Tschakostern-Medaillons der Landespolizei Schleswig-Holsteins, der Polizeigruppe Kiel und Lübeck zwischen 1953 bis 1955

Tschakostern-Medaillons der Landespolizei Schleswig-Holsteins, der Polizeigruppe Kiel und Lübeck zwischen 1953 bis 1955

„Polizei“ bezeichnete während der Frühen Neuzeit zunächst die gesamten Belange der öffentlichen Sicherheit und der inneren Verwaltung. Komplexe Verhaltensregeln, die durch die Obrigkeit erlassen wurden, hießen Polizeiordnungen. Erhalten hat sich das lange in Institutionen wie der Bau- oder der Gewerbepolizei. Erst nach dem Ende der Napoleonischen Kriege und dem Wiener Kongreß verengte sich der Begriff auf die mit dem Gewaltmonopol ausgestattete Ordnungsmacht des Staates. Nach 1815 entstanden in Deutschland erste noch durchweg militärisch organisierte Polizeieinheiten. Sie lösten nach und nach das bisher rein örtlich organisierte System der Nachwächter, Gassen- und Armenvögte sowie Büttel ab. In Schleswig-Holstein setzte sich der Begriff Polizei erst sehr spät durch. 1839/51 entstanden in den Herzogtümern militärisch organisierte Gendarmeriekorps. In Lübeck besorgte die Polizeigeschäfte ein Bruchvogt mit bis zu 17 Polizeidienern. In den Landgebieten Lübecks gab es Polizeivögte. Seit 1857 taucht im Gebiet Lübecks die Bezeichnung „Landjäger“ auf.

Tschakostern-Medaillons der Landespolizei Schleswig-Holsteins, der Polizeigruppe Kiel und Lübeck zwischen 1953 bis 1955

Tschakostern-Medaillons der Landespolizei Schleswig-Holsteins, der Polizeigruppe Kiel und Lübeck zwischen 1953 bis 1955

Eine grundlegende Neuorganisation erfolgte nach der Annexion Schleswig-Holsteins durch Preußen 1867. Durch das nun geltende Preußische Allgemeine Landrecht von 1794 wurde auch der Begriff „Polizei“ im heutigen Sinne geprägt. Im Paragraph 10 II 17 hieß es: „Die nötigen Anstalten zur Erhaltung der öffentlichen Ruhe, Sicherheit und Ordnung, und zur Abwendung der dem Publico, oder einzelnen Mitgliedern derselben bevorstehenden Gefahr zu treffen, ist das Amt der Policey.“ Polizeiaufgaben waren also fortan Sache des Staates. Unterschieden wurde in Landgendarmerie, Schutzpolizei und Kommunalpolizei. Das Corps der Landgendarmerie wurde am 23. 5. 1867 von König Wilhelm I. „verordnet“ und als 9. Gendarmerie-Brigade dem Kriegsministerium unterstellt. Im oldenburgischen Fürstentum Lübeck versahen großherzoglich-oldenburgische Gendarmen den Dienst. Schutzmann konnte damals werden, wer beim Militär gedient, das „Handwerk“ beherrschte sowie Disziplin und Gehorsam kannte.

Tschakostern-Medaillons der Landespolizei Schleswig-Holsteins, der Polizeigruppe Kiel und Lübeck zwischen 1953 bis 1955

Tschakostern-Medaillons der Landespolizei Schleswig-Holsteins, der Polizeigruppe Kiel und Lübeck zwischen 1953 bis 1955

Nach dem Ersten Weltkrieg verlor das Kriegsministerium die Zuständigkeit für die Polizei an das Ministerium des Inneren des Staates Preußen. Fast gleichzeitig wurde der Begriff der Landjägerei in den ländlichen Gebieten der gesamten Provinz eingeführt. In den Städten sprach man nun von Schutzpolizei (in Lübeck von Ordnungspolizei). Landjäger und „Schupos“ hatten jeweils eigene Uniformen und Verwaltung. Die Landräte und nachgeordnet die Bürgermeister wurden Polizeichefs. 1936 erhielten die Polizei und die Gendarmerie neue Uniformen mit Hakenkreuzen. Zeitgleich wurde die Polizei dem Reichsinnenministerium unterstellt. 1937 begann im Land der Aufbau einer motorisierten Gendarmerie. In Folge des Groß-Hamburg-Gesetzes wurden im selben Jahr auch die Zuständigkeiten für das Polizeiwesen angepaßt. 1945 übernahm die britische Militärregierung die Polizeihoheit. Sie wurde nach der Gründung der Bundesrepublik Deutschland wieder zurück auf Länder übertragen. Am 22. 12. 1952 erfolgte in Schleswig-Holstein die Gründung der Landespolizei. Erstmals wurden alle Polizeidienste – Schutz-, Kriminal-, Wasserschutz-, Bereitschaftspolizei sowie die Polizeischule vom Innenministerium des Landes geleitet. Heute hat die Polizei Schleswig-Holstein rund 6.000 Beamte.

Tschakostern-Medaillons der Landespolizei Schleswig-Holsteins, der Polizeigruppe Kiel und Lübeck zwischen 1953 bis 1955

Tschakostern-Medaillons der Landespolizei Schleswig-Holsteins, der Polizeigruppe Kiel und Lübeck zwischen 1953 bis 1955

Wolfgang G.J. Kroker, Landesbeauftragter für Polizeigeschichte (0701)

Quellen: Polizei Schleswig-Holstein ab Heft 3/1988; Gerd Stolz, Geschichte der Polizei in Schleswig-Holstein, Heide 1978; SHLEX

Vignette: Tschako der Schleswig-Holsteinischen Landespolizei 1955

Bildquellen: Polizei-Museum Nord e.V., Beseler Allee 12, 25548 Kellinghusen

Tipp: www.polizei.schleswig-holstein.de