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Queller

Queller

Queller

Die „Pionierpflanze“ Queller (Salicornia europaea) bedeckt von April bis Oktober große Flächen der Wattenmeerküste knapp unterhalb der Hochwasserlinie. Die Blütenpflanze, die zwischen fünf und 30 Zentimeter groß wird, gehört zu den Salzpflanzen (Halophyten). Keine andere Blütenpflanze kann einen höheren Gehalt an Salz aushalten. Anders als etwa Schlickgras oder Halligflieder, die Salz durch Drüsen ausscheiden, speichert der Queller das Salz. Er kann nur Wasser aufnehmen, wenn der Salzgehalt in der Pflanze höher als der im Schlick ist. Der Queller nimmt dadurch ständig neues Wasser auf und wächst enorm schnell. Wie viele Salzpflanzen hat er dicke fleischige Blätter. Dadurch verkleinert sich seine Oberfläche im Verhältnis zum Inhalt. Das schützt den Queller vor dem Austrocknen. Im August bildet Queller an den Sprossenenden winzige Blüten aus . Wind und Wasser sorgen für die Befruchtung. Durch den hohen Salzgehalt verfärbt sich die Pflanze schließlich im Herbst rot, bevor sie abstirbt. Die Samenkapseln springen auf und verteilen sich mit dem Gezeitenstrom. Die Samen keimen im April, wenn das Vorland durch Regen unter Süßwasser gesetzt wird. Der Pionierpflanze wird immer wieder unterstellt, sie schaffe es, zum Anwachsen des Vorlandes beizutragen, indem sie große Mengen von Schlick und Sand binde. Das stimmt so nicht. Das gelingt meist erst, wenn Andelgras und andere Vorlandpflanzen sich ausbreiten können. Seit den 1930er Jahren kommt in der Quellerzone auch das aus England stammende Schlickgras (Spartina) vor.Junger Queller kann als Gemüse auch gegessen werden. Die Asche von Queller enthält 75 Prozent Salz, zehn Prozent Kalium sowie Jod und Brom. Sie wurde deshalb lange genutzt, um bei der Produktion von Glas den Schmelzpunkt herabzusetzen und deshalb „Glasschmalz“ genannt.

-ju-(1002)

Quelle: Landelijke Verening tot Behoud van de Waddenzee, Übersetzung von Uwe Muuß, Wattenmeer, 1977, Neumünster, Wachholtz Verlag, ISBN 3 529 05304 X; Schutzstation Wattenmeer; Nationalparkamt Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer, Tönning

Bildquelle: Martin Stock, Nationalparkamt Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer, Tönning