SH von A bis Z
     A B C D E F G H I J
     K L M N O P Q R S
     T U V W Y Z
So lebte man in SH um …
     1150, 1350, 1650,
     1800, 1830, 1900,
     1925, 1955

Quickborn

quickborn1Das niederdeutsche „Quickborn“ steht für „lebendiger Brunnen“. Als im November 1852 unter diesem Titel Klaus Groth (1819 bis 1899) seinen ersten plattdeutschen Lyrikband herausgab, sollte dieser Name Programm sein. Die „Welt“-Sprache der Hanse hatte sich bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts in viele mündliche Dialekte aufgelöst. Bis zu Groth Neuanfang war zuletzt im 17.Jahrhundert bedeutende niederdeutsche Literatur entstanden. Auf dem Lande, in den unteren und mittleren Schichten in den Städten oder in wenigen Fachsprachen wie der der Seefahrt wurde platt gesprochen. In der Kirche und damit auch in der Schule wurde Niederdeutsch durch die hochdeutsche Schrift- und Kirchensprache verdrängt. Seit den 1830er Jahren wurde nachweislich vor dem Plattdeutschen gewarnt, weil die Menschen auf dem Lande dadurch gesellschaftlich ausgegrenzt würden. Groth wollte dieser Entwicklung entgegentreten.

An den Anfang des "Quickborn" setzte Klaus Groth sein Gedicht "Uns Modersprak", das gleichsam programmatisch für das Niederdeutsche werben sollte

An den Anfang des „Quickborn“ setzte Klaus Groth sein Gedicht „Uns Modersprak“, das gleichsam programmatisch für das Niederdeutsche werben sollte

Der „Quickborn“ ist eine Sammlung von Gedichten und Texten in Dithmarscher Platt. Mit diesem Buch und vielen theoretischen Schfriften wurde Groth zum Vater der niederdeutschen Bewegung, der „Niederdeutschmoden“. Er wollte in seiner Heimatstadt Heide und später in Kiel als Professor an der Christian-Albrechts-Universität für das Plattdeutsche als ältere, edlere Schwestern (gegenüber dem Hochdeutschen) Partei ergreifen. Groth ging es darum, zu verdeutlichen, daß die plattdeutsche Sprache zu allen Zwecken fähig ist. Allerdings – so betont er – tauge sie nicht zu leeren Formeln und zu Wortgeklingel. Was ihr an Fähigkeit zur Abstraktion fehle, stünde ihr an großer sinnlicher Sicherheit zu Gebote. Ziel von Groth war es, Niederdeutsch als eigene Sprache wieder aufzuwerten. Er verfolgt damit einen anderen Ansatz als Fritz Reuter (1810 bis 1874). 1853 erschienen dessen „Läuschen un Riemels“, die volkstümlich und heiter sind. Reuter ging es darum – und dies klarer in seinen großen Erzählungen – die Sache des Volkes mit dessen Sprache zu verbinden. Beide Bücher bahnten dem Plattdeutschen wieder einen Weg unter die Literatursprachen Deutschlands. Der „Quickborn“ weckte über die Grenzen Deutschlands hinaus wieder das Interesse an niederdeutschem Schrifttum.

Willy Diercks (0902)

Tipp: Leben und Werk von Klaus Groth werden in seiner Heimatstadt Heide im Klaus-Groth-Museum, Lüttenheid 48, Telefon 0481 / 6 37 42, http://www.groth-gesellschaft.de/museum, dargestellt und durch zahlreiche Veranstaltungen am Leben erhalten. Die Texte des „Quickborn“ sind auf gutenberg.spiegel.de/groth/quikborn/quikborn.htm nachzulesen.

Bildquellen: Erstausgabe des Quickborn: Schleswig-Holsteinische Landesbibliothek