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Robbenschlag

Seit dem Mittelalter wurde in Europa Walfang betrieben. Erst Mitte des 17. Jahrhunderts nahmen an der inzwischen „Grönlandfahrt“ genannten Jagd nach den Meeressäugern auch Seeleute aus den Herzogtümern teil. Bedeutend wurde die Waljagd vor allem für die nordfriesischen Inseln. Dort herrschte nach der zweiten großen Mandränke 1634 (Sturmflut) wirtschaftliche Not. So heuerten viele Männer aus den Utlanden vor allem auf niederländischen Walfängern an. Der dänische König Christian IV. (1577*/1596-1648) erkannte die große wirtschaftliche Chancen des Walfangs und vergab 1644 an einen Reeder niederländischer Herkunft in Hamburg das Privileg, eine „Societas Groenlandiae“ zu gründen. Bis 1675 war die Fangflotte der Hansestadt auf 83 Schiffe angewachsen. Die dort erzielten Gewinne führten dazu, daß in Altona (1685) und in Glückstadt (1671) die Grönlandfahrt aufgenommen wurde. Auch wenn die Erfolge im 17. Jahrhundert schwankten, hatte Glückstadt neben Altona den größten Anteil am Walfang in den Herzogtümern. Weitere Orte folgten, auch wenn sie keinen kontinuierlichen Walfang betrieben. Der große Einbruch kam mit den Napoleonischen Kriegen und der in deren Rahmen verhängten Kontinentalsperre. Erst nach dem Frieden von Wien 1814 konnte die Grönlandfahrt wieder aufgenommen werden. Da die Walbestände inzwischen stark dezimiert waren, löste der Robbenschlag zunehmend den Walfang ab.

Grausame Jagd auf dem Eis

Im 19. Jahrhundert wurde der Robbenschlag zur Haupteinnahmequelle der Grönlandfahrt. Neben dem Speck, der wie beim Walfang vorwiegend Öl für die Lampen lieferte, wurden nun die Felle wirtschaftlich interessant. Die Jagd verlagerte sich vom offenen Nordmeer auf die Eisfelder des sogenannten „Westeises“ zwischen Jan Mayen und der Nordostküste Grönlands. Dort werfen die Robbenweibchen im Spätwinter ihre Jungen. Sie werden nur wenige Wochen gesäugt. Danach lösen sich die Kolonien wieder auf. Vor dem Beginn der Wanderschaft mußte deshalb die Jagd beendet sein. Im Gegensatz zum Walfang gab es für den Robbenschlag deshalb nur eine wesentlich kleineres Zeitfenster. Auch die Jagdmethode änderte sich. Die großen Tiere wurden nicht harpuniert, sondern mit Robbenknüppeln geschlagen. Das waren Holzknüppel mit einem eisernen Haken. Den in großer Zahl getöteten Sattelrobben – nur vereinzelt wurden auch die größeren Klappmützen „geschlagen“ – wurde das Fell mit der dicken anhängenden Fettschicht abgezogen. Die Kadaver ließen die Robbenschläger auf dem Eis liegen. Nur die Häute und das anhängende Fett wurden zu den an der Eiskante liegenden Fangbooten geschleift. Weil die Zeit knapp war, wurden die Beute erst einmal nur in die Laderäume der Schiffe geworfen. Die Mannschaften jagten weiter. Erst auf der Heimreise wurden Häute und Fett getrennt. Der Speck wurde in Fässer eingeschnitten, die Häute gesalzen, mit Sägespänen bestreut und in Säcken gestaut. Erst nach der Rückkehr wurden die Felle gegerbt und der Speck zu Tranöl „ausgebrannt“. Der Robbenschlag wurde 1836 in Altona, in Glückstadt und Flensburg 1863 sowie in Elmshorn erst 1872 aufgegeben. Grund war nicht allein der Rückgang der Robbenbestände: Mitte des 19. Jahrhunderts begann die Zeit des Erdöls. Das erst im geringen Umfang in Niedersachsen und in Hemme bei Heide in Dithmarschen gewonnene Petroleum kam von 1865 preiswert und in großen Mengen aus den USA und brannte sehr viel leichter und heller als das blakende Tranöl in den neuen Lampen.

-ju- (1005)

Quellen: Peter Danker-Carstensen in Klaus-Joachim Lorenzen-Schmidt und Ortwin Pelc (Hrsg.), Schleswig-Holstein Lexikon, Neumünster, 2000, Wachholtz Verlag, ISBN 3-529-02441-4