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Sundzoll

Der niederländische Stich war eine Satire auf die politischen Verhältnisse im Norden. Er zeigt Christian IV. und (wahrscheinlich) den schwedischen Kanzler Axel Oxenstierna beim Würfeln um den Sundzoll

Der niederländische Stich war eine Satire auf die politischen Verhältnisse im Norden. Er zeigt Christian IV. und (wahrscheinlich) den schwedischen Kanzler Axel Oxenstierna beim Würfeln um den Sundzoll

Um 1425 hatte Dänemark in der Regierungszeit König Erik VII. von Pommern (1382*/1396-1439) als handelspolitische Maßnahme den sogenannten „Sundzoll“ eingeführt. Zollpflichtig waren alle Schiffe, die Helsingör passierten und durch den Öresund in die Ostsee einliefen oder sie verlassen wollten. Ergänzt wurde der Sundzoll später durch sogenannte Akzisen, also Abgaben auf den Wert der mitgeführten Waren. Zoll und Akzise waren über Jahrhunderte eine wichtige Einnahmequelle für den dänischen Staat. König Christian IV. (1577*/1596-1648) setzte von 1628 an parallel einen Elbzoll durch, der vor Glückstadt erhoben wurde. 1643 griffen die Schweden Dänemark und die Herzogtümer an. Der Schwedisch-Dänische Krieg fällt zwar in die Zeit des sogenannten Dreißigjährigen Kriegs, war jedoch ein Wirtschaftskrieg. Den Schweden, offen unterstützt von den Niederländern und unter der Hand von Hamburg, ging die Zollpolitik Christians zu weit. Er verlor den Krieg und mußte 1645 im Frieden von Brömsebro akzeptieren, daß der Elbzoll ganz aufgehoben und zumindest die Schweden keinen Sundzoll mehr zu entrichten hatten. Von diesem Vorteil profitierte der schwedische Seehandel 68 Jahre. Er wurde am 3. Juli 1720 im Frieden von Frederiksborg wieder aufgehoben, auf einer von mehreren Konferenzen – und für Dänemark die entscheidende – durch die der Große Nordische Krieg beendet wurde. Bis 1857 wurde vor Helsingör der Sundzoll erhoben. Noch im 19. Jahrhundert war er für den dänischen Gesamtstaat so bedeutend, daß er die seit 1831 bestehenden Pläne für eine Eisenbahn von Lübeck nach Hamburg immer wieder verhinderte. Erst 1847 stimmte Kopenhagen nach russischer und schwedischer Intervention zu, Lübeck über Büchen an die Linie Berlin-Hamburg anzuschließen und damit eine indirekte Verbindung der beiden großen Hafenstädte zu erlauben. Die direkte Linie wurde erst genehmigt, als der Sundzoll abgeschafft wurde. Das geschah nach Verhandlungen mit den am Ostseehandel beteiligten Staaten sowie gegen Entschädigung durch einem Vertrag vom 14. März 1857. In dem gleichen Papier wurde auch vereinbart, die Transitzölle in den Herzogtümern zu senken. Was vom Sundzoll blieb, sind die umfangreichen Register, die heute als Quelle zur Wirtschaftsgeschichte des Ostseeraumes für die historische Forschung von großem Wert sind.

-op- (0404/0804)

Quelle: Klaus-Joachim Lorenzen-Schmidt und Ortwin Pelc (Hrsg.), Schleswig-Holstein Lexikon, Neumünster, 2000, Wachholtz Verlag, ISBN 3-529-02441-4; Ulrich Lange (Hrsg.),Geschichte Schleswig-Holsteins – Von den Anfängen bis zur Gegenwart (SHG), 2. verbesserte und erweiterte Ausgabe, Neumünster 2003, Wachholtz Verlag, ISBN 3-529-02440-6

Bildquelle: Die Abbildung ist entnommen dem Katalog: CHRISTIAN IV AND EUROPE, Foundation for Christian IV Year 1988, Kopenhagen, 1988, Der Stich stammt aus den Beständen des Nationalhistoriske Museum på Fredriksborg