Land Schleswig-Holstein„Geburt“ des Landes Schleswig-Holstein |
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![]() Während „Blau-Weiß-Rot“ erstmals offiziell zur Landesflagge wurde, wurde das für die preußische Provinz entwickelte Wappen übernommen |
Am 23. August 1946 gab die britische Besatzungsmacht die
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“Hunger auf der „Arche Noah“ |
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![]() Schulspeisung in Kiel: Eine von den Briten angeordnete Notmaßnahme für Großstädte mit hohem Flüchtlingsanteil als sich Frühjahr 1946 die Hungersnot abzeichnete |
Der Zweite Weltkrieg in Europa endete in Schleswig-Holstein. Es
war im Norden das letzte unbesetzte Stück des Reiches, es war die letzte
Station der so genannten „Reichsregierung Dönitz“ und letzte Zuflucht für
den Strom der
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Der Weg zum Bundesland |
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![]() 26. Februar 1946: die Mitglieder der ersten ernannten Landtages kommen im „Neuen Stadttheater“ in Kiel zusammen
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Eines wussten die Alliierten sicher, als sie in Deutschland
einmarschierten: das im Deutschen Reich übermächtige Preußen musste
zerschlagen werden. Und: für den Aufbau demokratischer Strukturen brauchte
man politische Parteien. Sie zu gründen erlaubten die Briten schon Mitte
September 1945. Zwei Monate später setzten sie den ehemaligen Rendsburger
Landrat und Widerstandskämpfer Theodor Steltzer als Oberpräsident ein. Am
26. Februar 1946 wurde eine erste Landesvertretung ernannt. Am 14. Mai
genehmigten die Briten, dass dieses Gremium sich nun
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„Die Not eines Landes“ |
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![]() Bis 1953 wohnten Flüchtlinge mitten in Kiel auf dem Professor-Peters-Platz in den so genannten „Nissenhütten“
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Anders als in den anderen neuen Bindestrichländern in den
Westzonen existierte in Schleswig-Holstein ein historisches
Landesbewusstsein. Schließlich waren die beiden Herzogtümer seit dem
Mittelalter verbunden, hatten sich 1848 in Teilen gemeinsam gegen Dänemark
erhoben (
Wachwechsel an der Förde
Am 9. Juli 1950 wurde der zweite Landtag gewählt. Neu auf dem
Wahlzettel tauchte der BHE abgekürzte Bund der Heimatvertriebenen und
Entrechteten auf. Aus dem Stand brachte der BHE es auf 23,9 Prozent und 15
Mandate. 19 hatte die SPD als noch stärkste Fraktion. Damit blieb sie die
stärkste Kraft, hatte ihr Ergebnis jedoch im Vergleich zu den ersten Wahlen
mehr als halbiert. Ohne den BHE ging nichts mehr, doch die SPD wollte gerade
mit dem rechtskonservativen BHE keine Koalition. So bildete die CDU als
zweitstärkste Kraft gemeinsam mit der FDP, der Deutschen Partei (DP) sowie
eben dem BHE nach turbulentem Streit um das Amt des Ministerpräsidenten die
Regierung. Auf Drängen des BHE einigte sich die Mehrheit im zweiten Wahlgang
auf den politisch unerfahrenen Unternehmer Walter Bartram als
CDU-Ministerpräsidenten. Die neue Regierung legte gleich Hand an die neue
Landessatzung. Sie strich die von der SPD durchgesetzten Artikel, die eine
sechsjährige Grundschule vorschrieb, sowie den Artikel 8, der verbot, mehr
als 100 Hektar Land zu bewirtschaften. Damit waren die Ansätze für eine
Bodenreform in dem auch vom Großgrundbesitz geprägten Land beendet. |
„Entnazifizierung“ und „Renazifizierung“ |
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![]() Kabinettskollegen wider Willen: Innenminister Paul Pagel CDU (vorne), daneben Finanzminister Waldemar Kraft und dahinter Sozialminister Hans-Adolf Asbach vom BHE. |
Schon im Oktober 1947 hatten die britischen Besatzer die so
genannte
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Die Infrastrukturrevolution |
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![]() Anfang der 1960er Jahre hat das Autozeitalter endgültig begonnen: Es entstanden großzügige Straßenanlagen wie das Kreuz im Zuge der Rendsburger Ortsumgehung im Zuge der B 77 und E 3
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1950 war jeder zweite Einwohner des Landes nicht in Schleswig-Holstein
geboren. Noch wurden aus dem überfüllten Land Flüchtlinge und Vertriebene
umgesiedelt. Ziel war es, rund 2,2 Millionen Einwohner zu erreichen. 425.000
zogen deshalb in den Süden. Auch im Lande wurde gewandert. Die Klein- und
Mittelstädte wuchsen, vor allem im Hamburger Rand konzentrierte sich die
Vom Grenzkampf zum Modellfall |
![]() Wahlplakat 1948: im Norden gab es starke Tendenzen, den landesteil Schleswig an Dänemark anzuschließen |
Das „Programm Nord“ war auch eine politische Reaktion des
damaligen Ministerpräsidenten Friedrich Wilhelm Lübke auf die so genannte
„neudänische Bewegung“. Angesichts der Not im Lande, auch wegen der großen
Reibereien mit den einquartierten Flüchtlingen, erfuhr die
Hilfen für ein kleines Land |
![]() Festliche Eröffnung der Fehmarnsundbrücke im Zuge der „Vogelfluglinie“ am 30. April 1963 |
Gegen Ende der 1950er Jahre begann das Land eine Aufholjagd.
Mit tausenden von Neubauten wurde die Wohnungsnot behoben, Straßen ausgebaut
und etwa Fehmarn mit dem Festland verbunden (
Die Ära der CDU ...
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![]() Juni 1969: Während der Landtag über einen neues Ordnungsrecht für die Hochschulen diskutierte, machte sich der Unmut der Studenten Luft. Stacheldraht und 1.000 Polizisten mussten den Landtag schützen |
Erst acht Jahre nachdem die Union 1950 zur Regierungspartei
geworden war, überflügelte sie die SPD und stellte auch die stärkste
Fraktion. 1962 schließlich hatte die CDU es geschafft, sowohl den BHE als
auch den als Gegenpol zu den Heimatvertriebenen zeitweise im Landtag
vertretenen Schleswig-Holstein Block (SHB) zu integrieren. Zusammen mit der
F.D.P. festigte sie unter den Ministerpräsidenten Kai-Uwe von Hassel und
Helmut Lemke ihre Vorherrschaft im Lande. 1971 begann die Ära Gerhard
Stoltenberg mit der ersten absoluten Mehrheit der Union. Elf Jahre sollte
sie dauern. In diese Zeit fielen die Segelolympiade in Kiel (
... und die Kieler Affäre |
![]() Die „Ehrenwortpressekonferenz“ von Uwe Barschel am 18. September 1987 |
Mit ihrem strikten Kurs gegen die Atomkraft war die Landes-SPD
unter Klaus Matthiesen auf Konfrontationskurs zur Bundespartei gegangen. Um
glaubwürdig zu bleiben, wollte er deshalb nicht weiter Oppositionsführer in
Kiel bleiben. Der SPD-Bundespolitiker Björn Engholm kam so an die Förde und
wurde nach den Wahlen vom April 1983 Gegenspieler von Ministerpräsident
Barschel. Obwohl der neue Ministerpräsident Akzente setze indem er etwa mit
dem Nationalpark Wattenmeer das für die Union bis dahin kaum bestellte Feld
des Umweltschutzes besetzen wollte, fühlte Barschel in Engholm starke
Konkurrenz. Acht Monate vor den Landtagswahlen im September 1987 vermittelte
der Springer-Verlag Reiner Pfeiffer als „Medienreferenten“ für die
Staatskanzlei. „Als Mann für’s Grobe“ will er nach eigenem Bekunden in den
Folgemonaten Intrigen gegen Engholm initiiert haben. Einen Tag vor der
Landtagswahl am 13. September enthüllte der Spiegel die „Machenschaften“.
Barschel leugnete zunächst, zwang Mitarbeiter zu Meineiden, um ein Woche
später zurückzutreten. Am 10.Oktober 1987 verstarb Barschel im Genfer Hotel
Beau Rivage. Die
Schleswig-Holstein Rot und Rot-Grün |
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Ministerpräsident Engholm startete mit dem Anspruch, eine neue
politische Kultur aufzubauen und überfällige Reformen umzusetzen. Nachdem es
der SPD zum zweiten Mal gelungen war, die Alleinregierung zu sichern, begann
am 1. März 1993 der zweite Teil der Kieler Affäre. Sozialminister Günther
Jansen (SPD) gestand, nach den Wahlen von 1988 rund 40.000 Mark aus
„sozialen Gründen“ aus eigener Tasche an Reiner Pfeiffer gezahlt zu haben.
Weil er sie in einer Schublade gesammelt haben will, wurde der Vorgang als
Weniger Staat wagenSeit seinem Entstehen reicht die Steuerkraft des Landes nicht, um den strukturellen Rückstand zum übrigen Bundesgebiet aufzuholen. Die politische Erkenntnis der 1990er Jahre war, dass die Aufgaben des Landes nicht weiter über die Aufnahme von immer mehr Krediten finanziert werden könnten. Zinsen und Tilgung für den immer höheren Schuldenberg rauben inzwischen der Landespolitik fast jeglichen Spielraum. Wie dieses Dilemma zu überwinden ist, bestimmt seit über zehn Jahren die politische Debatte. Heide Simonis leitete den Verkauf von Landesbeteiligungen ein wie den der 1972 erworbenen 25,1 Prozent an der Werft HDW. Auch begann sie, Landesbehörden wie die Bauverwaltung zu privatisieren. Der Erfolg dieser Politik ist bis heute umstritten, der Vorwurf blieb im politischen Raum, es sei das Tafelsilber des Landes veräußert worden, ohne damit die Schulden nachhaltig abzubauen. Auch gelang es den beiden Rot-Grünen Regierungen nicht, die seit der Gebietsreform 1970 erstarrten Kommunalstrukturen zu modernisieren. Vor allem weil der Grüne Koalitionspartner kommunal unbedeutend war, scheiterten alle Versuche, den großen Apparat der Unter- und Mittelbehörden des Landes zu kommunalisieren. Die erste große KoalitionDie Union hat viele Jahre gebraucht, um sich von dem Barschel-Schock zu erholen. Nach vier Wahlperioden schien am 20.Februar 2005 wieder zusammen mit der FDP der Regierungswechsel an der Förde möglich. 40,2 Prozent für die Union und 6,6 für die FDP reichten jedoch nur für 34 Sitze im Landtag. SPD und Grüne kamen auf 33, der SSW wurde mit seinen zwei Sitzen zum Zünglein an der Waage. Rot-Grün gewann ihn, eine Minderheitsregierung mit zu tragen. Der Vertretung der dänischen Minderheit brachte das vor allem aus dem konservativen Lager viel Kritik ein. Am 17. März stellte sich Heide Simonis der Wiederwahl gegen ihren CDU-Herausforderer Peter Harry Carstensen. In drei Wahlgängen fiel sie durch. Das war rechnerisch nur möglich, wenn es innerhalb der SPD einen Abweichler gab. Im vierten Wahlgang schließlich setze sich Peter Harry Carstensen als Ministerpräsident durch. CDU und SPD verständigten sich darauf, eine große Koalition einzugehen. Sie hat sich den Schuldenabbau sowie Reformen des Landesdienstes sowie der Kommunalstrukturen als Ziele gesetzt.
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Werner Junge (TdM 0806) Auswahl benutzter Quellen: Ulrich Lange (Hrsg.), Geschichte Schleswig-Holsteins - Von den Anfängen bis zur Gegenwart (SHG), 2. verbesserte und erweiterte Ausgabe, Neumünster 2003, Wachholtz Verlag, ISBN 3-529-02440-6; Jann Markus Witt und Heiko Vosgerau (Hrsg.), Schleswig-Holstein von den Ursprüngen bis zur Gegenwart - Eine Landesgeschichte, Hamburg, 2002, Convent-Verlag, ISBN 3-934613-39-X; Ulrich Lange/ Ingwer E. Momsen/ Eckart Dege/ Hermann Achenbach, Historischer Atlas Schleswig-Holstein seit 1945, Herausgeber Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte, 1999, Neumünster, erschienen bei Wachholtz, ISBN 3-529-02445-7; Erich Maletzke, Klaus Volquartz, Der Schleswig-Holsteinische Landtag – Zehn Wahlperioden im Haus an der Förde, 1983 Kiel, herausgegeben vom Präsidenten des Schleswig-Holsteinischen Landtages Bildquellen: Vignette/Neues Stadttheater/1. Landtag /Demontage/ Kabinettskollegen/ Demo 1969 : aus „Der Schleswig-Holsteinische Landtag – Zehn Wahlperioden im Haus an der Förde (s.o.); Schulspeisung/Nissenhütten: Stadtarchiv Kiel; Autobahnkreuz: Pressestelle der Landesregierung; Vogelfluglinie: DB-Archiv; Ehrenwortpressekonferenz: Degenhard Appenrodt |