Bauernhaus |
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Schleswig-Holstein hat seit jeher eine Brückenfunktion. Dies hat sich auch in der Hauslandschaft niedergeschlagen. Die vorindustriellen Bauernhäuser dokumentieren das Zusammentreffen verschiedener Traditionen. Mit 18 Grundformen gibt es Vielfalt, die kein anderes deutsches Bundesland heute bietet. Alle lassen sich auf drei Typen zurückführen: das Niederdeutsche Fachhallenhaus, das Jütische quergeteilten Geesthardenhaus sowie das Gulfhaus (Haubarg und Barghus). Vom Süden Holsteins bis etwa zu einer Linie von Husum nach Kappeln dominierte das Niederdeutsche Fachhallenhaus. Die Groot Döör dieser Häuser liegt zur Straße. Man betritt das Haus durch die Diele (Däl). Rechts und links liegen in niedrigen Seitenteilen die Ställe für das Vieh, oben liegt über die gesamte Länge des Hauses unterm Reetdach der Boden, auf dem Ernte- und Futtervorräte gelagert wurden. Am Ende der Diele mit ihrem gestampften Lehmboden liegen das gepflasterte, durch Fenster an den Hausseiten erhellte "Flett" mit zentralem Herd, der Eßplatz sowie der Arbeitsplatz der Hausfrau. Quer im letzten Drittel liegen hinter Diele und Flett die Wohn- und Schlafräume, die im Gegensatz zum Bereich davor im heutigen Sinne Zimmer sind. |
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Nördlich des Verbreitungsgebietes des Niederdeutschen Fachhallenhauses war das Jütische quergeteilte Geesthardenhaus verbreitet. "Quergeteilt" bedeutet, daß die Häuser nicht durch eine Grootdöör am Giebel erschlossen werden, sondern an der Längsseite. Wohnbereich, Dreschdiele, Stall und Scheunenraum sind jeweils durch eigene Türen und Tore zugänglich. |
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Das Gulfhaus ist im Westen Schleswig-Holsteins verbreitet. In der Wilstermarsch bezeichnet man diesen Haustyp als Barghaus, auf Eiderstedt als Haubarg. Charakteristisch ist ein fast quadratischer Grundriss. Im Zentrum liegt nicht die Diele, sondern ein ebenfalls fast quadratischer "Gulf" oder "Barg". Dort wurde vom Fußboden (und nicht wie bei den anderen Typen auf dem Dachboden) Stroh und Heu bis unter das Dach gestapelt. Um diesen zentralen Raum liegen Dreschdiele, Ställe und der abgetrennte Wohnbereich. Für alle traditionellen Bauernhäuser gilt: "Form folgt Funktion". An der Konstruktion der Haubarge wird dies besonders augenfällig. Haubarge entstanden im rauhen, aber fruchtbaren Eiderstedt in einer Zeit, als der Weizenanbau dominierte. Der Haustyp entwickelte sich wahrscheinlich aus offenen Feldscheunen. Ihre überdachten Ständer wurden zum Zentrum des Hauses, zum Gulf. Er bot, besser geschützt als in der offenen Feldscheune, den notwendigen Platz für große Erntemengen. Um den schweren Marschboden zu pflügen, brauchte man große Gespanne. Die Haubarge haben deshalb ungewöhnlich geräumige Pferdeställe. Entsprechend dem notwendigen Gerät und der großen zu dreschenden Ernte ist auch die Däl geräumig. Im abgeteilten Wohnbereich spiegelt sich der Wohlstand der Marschbauern. Mit niedrigen Mauern und hohem Dach gelang es beim Haubarg, mit relativ wenig Baumaterial viel Raum zu schaffen. Während Ziegel und Holz (bis zu 100 Großbäume für ein großes Bauernhaus) in die baumarme Marsch transportiert werden mußten, war das Reet vor Ort vorhanden. |
| Obwohl viele Funktionen und Konstruktionsdetails der
alten Bauernhäuser bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts noch die landwirtschaftlichen
Nutzbauten bestimmten, hat die Bildquellen: Schleswig-Holsteinischen Freilichtmuseum Molfsee |