Christian IV. (1577 - 1648) |
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![]() Christian IV. in Siegerpose. Das Bild von Pieter Isaacsz von 1625 soll an den Sieg Christians von Kalmar über die Schweden 1611 erinnern |
Zwei große Ziele hatte sich
der dänische König Christian IV. gesetzt: Er wollte gegen Schweden die
dänische Vorherrschaft in der Ostsee behaupten und südlich der Elbe Einfluß
im Deutschen Reich gewinnen. Beide Vorhaben waren gescheitert, als er
verbittert 1648 kurz vor dem Westfälischen Frieden verstarb. Der
unternehmende Renaissancefürst hatte 1596 ein nach 90 Jahren Frieden in
Wohlfahrt lebendes mächtiges Land übernommen und hinterließ eine von Kriegen
zerstörte und hoch verschuldete europäische Mittelmacht. Trotzdem wird kaum
ein anderer Herrscher in Dänemark so verehrt wie eben der Feldherr und
Städtegründer Christian. In der Geschichte der
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Der König und die Frauen |
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![]() Kirsten Munk mit fünf ihrer zwölf Kinder. Ausschnitt aus einem Gemälde von Jacob van Doordt, etwa 1623 |
Christian IV. wurde am 12.
April 1577 als erster Sohn König Friedrichsa II. (*1534/1559-1588) und
seiner Gattin Sophie von Mecklenburg-Güstrow (1557-1631) auf Frederiksborg
geboren. Nach dem frühen Tod seines Vaters 1588 führte zunächst der
Reichsrat die Regierung für den Elfjährigen. Der deutsche Kaiser erklärte
Christian schon mit 16 als "volljährig". 1593 huldigten ihm die Stände der
Herzogtümer Schleswig und
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Ein reicher Fürst |
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| Christian IV. war ein
unternehmender Renaissancefürst. Er hatte gewaltige Einkünfte. Sie speisten
sich aus den Lehenseinnahmen des in der
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Siegreich gegen Schweden |
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![]() Die Zeichnung von F.C. Lund zeigt den siegreichen König vor Kalmar
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Während der ersten Jahre
seiner Regierung wandte sich Christian IV. gegen Schweden. Er wollte die
damaligen dänischen Gebiete östlich des Sunds (Blekinge, Schonen und Halland)
schützen. Ihm half ein lange Phase der inneren Unruhen und damit der
Schwäche Schwedens. 1611 war die Gelegenheit günstig. Nach langem Zwist im
Hause Wasa regierte dort der erst 16jährige Thronfolger Gustav II. Adolf
(1594-1632). Der Streit ging nominell um den Titel "König der Lappen", den
sowohl der dänische als auch der schwedische König beanspruchte. Christian
IV. führte den sogenannten "Kalmarkrieg" bis 1613 vorwiegend mit deutschen
Söldnern. Im Mai 1612 wurde die Elfsborg am Götaelv, der einzige Zugang
Schwedens zum Kattegatt, erobert, im August Kalmar. Jetzt mischten sich die
Seemächte England und die Niederlande ein und vermittelten den Frieden von
Knærød. Elfsborg blieb bis 1619 in dänischer Hand, bis Schweden die
vereinbarten eine Millionen Reichstaler bezahlt hatte. Der Sieg im
Kalmarkrieg bescherte Christian IV. den Ruf eines strahlenden Kriegshelden.
Es war jedoch ein Pyrrhussieg, denn der junge Gustav II. Adolf sann mit
seinem 1612 berufenen Reichskanzler Axel Oxenstierna (1583-1654) auf
Vergeltung: Von 1613 an wurde das schwedische Militär von Grund auf
reformiert. Acht Jahre später war die erste Wehrpflichtarmee Europas und die
schlagkräftigste Truppe des später sogenannten
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Diplomatie südlich der Elbe |
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![]() Das Bild von Pieter Isaacsz zeigt Christians zweitgeborenen Sohn Friedrich um 1620 |
Im Zuge der Reformation waren
die großen geistlichen Herrschaften im Norden säkularisiert worden. Die
weltliche Herrschaft über sie war noch nicht gefestigt. Damit bot sich dem
reichen und unternehmenden Fürsten Christian IV. die Chance, seinen Einfluß
über die Elbe hinaus in den Niedersächsischen Kreis auszudehnen. Im Visier
hatte er das Erzbistum Bremen sowie die Bistümer Verden und Osnabrück. Dort
stellten, fußend auf Gewohnheitsrecht, die Welfen und die
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Auf dem Höhepunkt der Macht |
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![]() Das Bild des strahlenden Kriegshelden Christian IV. von Karel von Mander entstand 1643 |
1618 brach in Böhmen der erste einer
ganzen Reihe von Kriegen aus, die später als der Dreißigjährige Krieg
zusammengefaßt wurden. Christian IV. hielt sich nicht zuletzt wegen seiner
bis in katholische Fürstenhäuser hinein verwobenen dynastischen Interessen
zurück. Er unterstützte jedoch die protestantische Fraktion um Friedrich von
der Pfalz und das Heer der protestantischen Union unter den
Oberkommandierenden Grafen Ernst von Mansfeld und Christian von
Braunschweig-Wolffenbüttel. Gleichzeitig versuchte er auf diplomatischen
Wegen das niederländisch-schwedischen Bündnis zu zersetzen. Das gelang
schließlich 1621 durch Abschluß eines dänisch-niederländischen Bündnisses.
Nun standen ihm von Seiten der Niederlande keine Schwierigkeiten mehr ins
Haus, als er – wie wir sahen über seinen Sohn Friedrich – zwischen 1621 und
1624 Kontrolle über die geistlichen Territorien von Bremen, Verden, Schwerin
und Halberstadt gewann. Der ökonomisch schwache Herzog von
Braunschweig-Wolffenbüttel, war weitgehend von Subsidien seines dänischen
Verwandten abhängig und hatte ihm verschiedene Territorien verpfänden
müssen. Christian IV. war auf der Höhe seiner Macht in Norddeutschland und
ließ sich auf das Kriegsabenteuer, den
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Der Kaiserliche Krieg |
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![]() Kriegsepisode: Die Bleistiftzeichnung von Christian Rosenberg stellt einen Sturz Christians 1625 vor dem belagerten Hameln dar ![]() Albrecht Wenzel Eusebius Wallenstein (1583-1634) |
Nicht ohne Gegenstimmen war
Christian IV. im April 1625 zum Kriegsoberst des X., des Niedersächsischen
Kreises gewählt worden. Die Manöver seiner Truppen im mittleren
Niedersachsen endeten mit der Niederlage gegen die kaiserliche Streitmacht
unter Tilly bei Lutter am Barenberg im Harzvorland am 17. August 1626. Der
überstürzte Rückzug über die Elbe zog die kaiserlichen Truppen nach. Tilly
wurde bei Belagerung des Pinneberger Schlosses verletzt und schied aus;
Wallenstein übernahm als Oberbefehlshaber den jütischen Feldzug. Er
belagerte die
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Glückstadt gegen Hamburg |
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| Hamburg war eine
holsteinische Landstadt, also dem Herzog von Holstein als Landesherrn
unterworfen. Aufgrund seines bedeutenden wirtschaftlichen Aufschwungs hatte
sich die Stadt allerdings mehr und mehr aus der Landesherrschaft entfernt
und war seit etwa 1450 unverhohlen dabei, sich der weit entfernten
Herrschaft des Kaisers zu unterwerfen. Kurzum: Das Ziel des Hamburger Rates
war es, die Reichsunmittelbarkeit zu erreichen. Über lange Zeit hatten die
holsteinischen Herzöge diesem Treiben tatenlos zugesehen, nicht zuletzt weil
sie von der Finanzkraft der Stadt abhängig waren. So baute Hamburg seine
Position allmählich aus. Diese Politik findet bei Christian IV. ein Ende. Er
war ein Landesherr, der es sich leisten konnte, auf seine Rechte zu pochen.
1621 und 1643 nötigte er Hamburg, seine Landeshoheit anzuerkennen. Trotzdem
gelang es ihm nicht, die Stadt unter seine Botmäßigkeit zu zwingen oder gar
als Basis für seine südelbischen Ambitionen zu nutzen. Schon bevor er sich
auf den Streit mit der Hansestadt einließ, hatte Christian erkannt, daß er
ein Gegengewicht zu Hamburg schaffen mußte. Da die seit 1598 erneut
ausgebaute Festung Krempe zu weit vom Wasser lag, begann er 1615 mit dem
planmäßigen Aufbau von Glückstadt. Damit gewann er nicht nur Kontrolle über
die Elbe, sondern auch den einzige seeschifftauglichen Nordseehafen in
seinem Herrschaftsbereich, da Tönning und
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Streit mit "Eure fürstliche Gnaden" |
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![]() Christian IV. 1629 auf einem Stich von Simon de Passe |
Die Hansestadt hatte die
Notlage des Königs während des Kaiserlichen Krieges benutzt und sich von
Kaiser Ferdinand II. am 3. Juni 1628 ein Privileg ausstellen lassen, das
Hamburg die Hoheitsrechte auf der Unterelbe sicherte. Ohne Hamburgs
Erlaubnis durften an der Niederelbe keine Befestigungen an den Elbufern und
auf den Elbinseln angelegt werden. Niemand durfte Elbzoll erheben oder
Kriegsschiffe auf dem Strom stationieren. Hamburg durfte nach Belieben
Seezeichen auslegen und unterhalten. Königs Christians Werben um ein
kaiserliches Zollprivileg hatte der Kaiser abgelehnt. Trotz der Absage
begann Christian von Dezember 1628 an, von den Glückstadt passierenden
Schiffen Zoll zu erheben. Hamburg beachtete dies nicht, sondern ließ seine
Kauffahrer im Konvoi bis zur Elbmündung geleiten. Im Gegenzug erhob es seit
1629 Zoll und Verbrauchssteuern (Akzise) auf holsteinische Waren, die in
Hamburg eingeführt wurden. Auch verweigerte es König Christian den
Majestätstitel in der Anrede; er wurde nur mit "Eure fürstliche Gnaden"
tituliert, weil er für die Hamburger nur Herzog von Holstein war, wie die
Begründung lautete. Wegen des Elbzolls erhob die Stadt Beschwerde beim
Kaiser und bei Christian IV. - in beiden Fällen ohne Resultat. Deshalb griff
sie zur Gewalt. In der Nacht vom 27. auf den 28. April 1630 nahmen Hamburger
Kriegsschiffe die vor Glückstadt auf Reede liegenden dänischen Schiffe im
Handstreich. Die Prisen wurden nach Hamburg gebracht. Als besonderer Schimpf
ließen sie die dänische Kriegsflagge im Wasser nachschleppen. Es folgte ein
15jähriger, zum Teil blutig geführter Kampf um den
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Die Schmach von Brömsebro |
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![]() Christian IV. als Seeheld auf der "Trefoldigheden" (Dreifalitigkeit). Die Skizze von Wilhelm Marstrand entstand 1845 als Vorlage für die Ausmalung der Grabkapelle in Roskilde. Sie ist Teil der vor allem im 19.Jahrhundert beginnenden Glorifizierung Christians ![]() Auf der Rosenborg bei Kopenhagen verstarb Christian. Das Bild von Constatine Hansen ist eines von vielen, die im 19. Jahrhundert von Christians Schlössern gemalt wurde |
Der Erfolg über Hamburg 1643
war der letzte Triumph des Königs. Kurz darauf - und nur zwei Tage vor der
Hochzeit des Erbprinzen Friedrich - erklärte der schwedische Reichsrat
Christian IV. den Krieg. Der
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| Klaus-Joachim Lorenzen-Schmidt - LS
((TdM 0404/0904) Quellen: J.A. Fridericia, Danmarks ydre politiske Historie 1629-60, 2 Bände, København 1876, 1881; Johan Jørgensen, Det københavnske patriciat og staten ved det 17. Århundredes midte, København 1957; Svend Ellehøj, Christian 4‘s tidsalder 1595-1660, København 1964 (Politikens Danmarks Historie, Bd. 7); Gottfried Lorenz, Das Erzstift Bremen und der Administrator Friedrich während des Westfälischen Friedenskongresses, Münster 1969; Geoffrey Parker, Europe in Crisis 1598-1649, London 1980; Helge Gamrath u. Erland Ladewig Petersen, Tiden 1559-1648, København 1980 (Gyldendals Danmarks Historie, Band 2,2); Christian IV og Europa. Den 19. Europarådudstilling Danmark 1988 [Katalog] Bildquellen: Die Abbildungen sind entnommen dem Katalog: CHRISTIAN IV AND EUROPE, Foundation for Christian IV Year 1988, Kopenhagen, 1988; Vignette: Nationalmuseum Kopenhagen, Alabasterkopf von (wahrscheinlich) 1614 von Hans Steenwinckel; Sieger/Kalmar/C4 auf Pferd/Fall/ Wallenstein: Det Nationalhistoriske Museum på Fredriksborg; 1629: Hærens Officerskole, Fredriksberg Slot; Trefoldigheden: Roskilde Museum |