Displaced Persons |
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![]() Lagereingang des "DP"-Lagers Jägerslust, ehemaliger Landkreis Rendsburg. Der deutschen Polizei war der Zugang in den ersten Jahren vollständig untersagt und später nur unter erheblichen Auflagen möglich. |
Kriegsgefangene,
Eine immense AufgabeIn Schleswig-Holstein wartete auf die Briten eine immense Aufgabe. Tausende "DiPis" sollten sich in Sammelzentren einfinden. Dort galt es, sie ärztlich zu untersuchen, notdürftig unterzubringen, zu versorgen und für die Heimreise vorzubereiten. In SH dürfte ihre Zahl zum Ende des Krieges deutlich über 200.000 gelegen haben. Als die Briten am 18. Juli 1945 zählen ließen, gab es noch 130.255 "DPs". 75.972 davon waren Polen, 11.986 Italiener, 4.809 Jugoslawen, 4.629 Russen, 236 Niederländer, 159 Dänen, 129 Franzosen, 63 Belgier sowie 32.859 "Andere". Zur letzten Gruppe gehörten vor allem Esten, Letten, Litauer und Ukrainer. Die Momentaufnahme zeigt: Die vermutlich ursprünglich größten Gruppen der sowjetischen wie auch die der "DPs" aus westlichen Ländern waren zu diesem Zeitpunkt durch die Repatriierung bereits auf kleine Reste zusammengeschmolzen.
Furcht vor der HeimkehrDie schnelle Repatriierung löste bei den sowjetischen "DPs" keineswegs uneingeschränkte Freude aus. In den Dörfern war später häufig zu hören, die Russen seien ungern gezogen, weil sie sich im Lande trotz der Zwangsarbeit wohl gefühlt hätten. Der Grund war eher, daß den Frauen und Männer klar war, was sie in der Sowjetunion erwartete. Es drohten ihnen langjährige Lagerhaft, mindestens jedoch gesellschaftliche Ächtung, denn sie galten pauschal als Kollaborateure. Während der Konferenz von Jalta im Februar 1945 hatte Stalin gefordert, alle Sowjetbürger müßten in die Union zurückkehren. Die UdSSR wollte so die enormen Verluste an Menschen ausgleichen. Es ging auch darum, das Gesicht zu wahren, angesichts größerer Gruppen, von denen man wußte, daß sie nicht in die UdSSR zurückkehren wollten. Die Briten erfüllten die Vereinbarungen von Jalta, schickten die Russen trotz deren Proteste zurück und verstießen damit gegen das westliche Prinzip des Asyls. Sie wollten damit die Rückkehr der eigenen Soldaten sichern, die von der sowjetischen Armee befreit worden waren. Aus dem Umfeld des Lagers Jägerslust (ehemaliger
Polen ohne Heimat |
![]() Abiturfeier im "DP"-Lagergymnasium Lippstadt/Westfalen im Jahre 1946. Hinter der Rednerin Radomira Sawaryn hängt umkränzt das Bildnis Wladyslaw Sikorskis, der von 1939 bis zu seinem Tod beim Flugzeugabsturz im Juli 1943 bei Gibraltar Chef der polnischen Exilregierung in London war. Wie auch der gekrönte polnische Adler war Sikorski Symbol des Protestes gegen die Sowjetisierung Polens. |
Da die Kapazitäten des weitgehend zerstörten Schienennetzes nach Osten mit den Rücktransporten der sowjetischen "DPs" und ehemaligen Kriegsgefangenen über Monate ausgelastet waren, konnte erst im Spätherbst 1945 daran gedacht werden, die polnischen "DPs" zurückzuführen. Als die ersten Transporte zusammengestellt werden sollten, mußten die Briten feststellen, daß die Bereitschaft zur Rückkehr nur sehr bedingt vorhanden war. Churchill und Roosevelt hatten 1941 in der Charta Atlantica als Kriegsziel die Anerkennung des Selbstbestimmungsrechts der Völker bei der Wahl ihrer Regierungsformen und bei der Regelung ihrer territorialen Streitigkeiten festgelegt. Für die polnischen "DPs" in den Lagern der westlichen Besatzungszonen muß diese Aussage wie Hohn geklungen haben. Von einem Selbstbestimmungsrecht konnte weder hinsichtlich der Regierungsform noch der territorialen Ausgestaltung im Nachkriegspolen die Rede sein. Die Sowjetunion hatte eine von ihr abhängige Provisorische Regierung eingesetzt und Ostpolen in die UdSSR eingegliedert. Gleichzeitig wurde der polnischen Exilregierung, die seit 1940 ihren Sitz in London hatte, von den Westmächten die Anerkennung entzogen. Die Polen enttäuschte dies zutiefst, weil die Exilregierung mit den ihr unterstehenden Soldaten von 1939 bis zum deutschen Überfall auf die Sowjetunion 1941 der wichtigste Verbündete der Briten war. In ein freies Polen konnten die polnischen "DPs" also nicht reisen. Für diejenigen, die aus Ostpolen stammten, bedeutete die Rückkehr, sich in der Sowjetunion ansiedeln zu müssen. Keine verlockende Perspektive, wie die Ostpolen bereits in der Zeit von 1939 bis 1941 während der russischen Okkupation erlebt hatten, während der wahrscheinlich über eine Million Menschen in das Innere der Sowjetunion deportiert worden waren. Als im Frühjahr 1946 nach einer Winterpause die Transporte wieder aufgenommen werden sollten, war so die Bereitschaft der Polen zur Repatriierung weiter zurückgegangen. Ein Konflikt mit den Briten konnte nicht ausbleiben, denn die wollten sich der aufwendigen Verwaltung der "DP"-Lager entledigen und fürchteten weitere Reibungen mit der Sowjetunion. Auch Balten und Ukrainer wollten nicht in ihre sowjetisierte Heimat zurückkehren. Bei einer Befragung in den Lagern Schleswig-Holsteins sprachen sie sich zu fast einhundert Prozent gegen eine Repatriierung aus. Viele von ihnen waren erst mit der zurückweichenden Wehrmacht nach Deutschland gekommen.
Wartesaal-Atmosphäre |
![]() Logo der Hilfsorganisation, die nach 1947 für Repatriierung und Resettlement der "Displaced Persons" zuständig war.
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So richteten sich die "DPs" in den Kasernen und Holzbaracken ein. Lagerleitungen versuchten ihren Handlungsspielraum gegenüber den Briten auszudehnen. Es entstand ein Netz von Schulen in den nach Nationalitäten gegliederten Lagern. An Lagergymnasien konnten Abiturkurse belegt werden, für "DP"-Studenten wurden
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Ein Problem wird verdrängt |
"DP"-Resettlement mit dem Überseedampfer. Eine Postkarte aus den USA an in Schleswig-Holstein verbliebene "DPs". |
Von der deutschen Nachkriegsgesellschaft ist die Problematik dieser Menschengruppe bestenfalls am Rande wahrgenommen worden. Die Erinnerung bezieht sich meist ausschließlich auf die "DP"-Kriminalität, die an bestimmten Brennpunkten Probleme machte, aber nicht dem großen Echo der damaligen Presse entsprach. Ein Bewußtsein dafür, daß es sich "bei diesem Personenkreis um die bevölkerungs- und arbeitspolitische Hinterlassenschaft der nationalsozialistischen Herrschaft im Zweiten Weltkrieg handelte" (Jacobmeyer), war in der deutschen Bevölkerung kaum ausgeprägt. Erst die Diskussion um die Entschädigung der Zwangsarbeit hat Ansätze zur Revision der Einschätzungen gebracht. Karsten Dölger (TdM 0501/0303) Quelle: Karsten Dölger, "Polenlager Jägerslust" (Quellen und Forschungen zur Geschichte Schleswig-Holsteins, Bd. 110), Neumünster 2000, Wachholtz Verlag, ISBN 3 529 02210 1.
Zum Lesen
empfohlen. |