
"Gestiftet von den Frauen und Jungfrauen
Othmarschens 1998" - Doppeleiche aus einem Stamm

Festschrift zur 50-Jahr-Feier der Erhebung 1898

Die Doppeleiche 1913 auf einem Jugendstilkalender
von Johann Holtz

"Pflanzt Doppel-Eichen" - Zeitungsanzeige von 1898
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Die Eiche war schon in den
antiken Kulturen Griechenlands und Italiens ein heiliger Baum. Im 18. und
19. Jahrhundert beanspruchten sie Engländer und Franzosen als
"Nationalbaum", den Dänen gilt sie bis heute als Symbol ihres Reiches. Die
sprichwörtliche "Deutsche Eiche" wurde schon von den Germanen verehrt. Bis
heute findet man im ganzen Land "Friedenseichen", die nach dem
Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 gepflanzt wurden sowie "Kaisereichen",
aus Anlaß des 100.Geburtstags von Kaiser Wilhelm I. 1897. Die "Doppeleiche"
- zwei Stämme aus einer Wurzel oder zwei Eichen in einem Pflanzloch - ist
ein spezifisch schleswig-holsteinisches Symbol. Es wurde in den 40er Jahren
des 19. Jahrhunderts zu einem Sinnbild der engen Zusammengehörigkeit der
Herzogtümer Schleswig und Holstein.
Es illustrierte griffig das von dem Apenrader Arzt Wilhelm Neuber 1841
plakativ aber falsch aus dem
Privileg von Ripen
von 1460 abgeleitete "Se schölln tosamen blieben / Op ewig ungedeelt". In
der letzten Strophe des
Schleswig-Holstein Liedes
von 1844 findet sich der Bezug mit der Zeile ”Theures Land, Du Doppeleiche”.
Sie avancierte dadurch vor und während der Schleswig-Holsteinischen
Erhebung
(1848 – 1850) vor allem in Drucken zum Symbol der Unteilbarkeit der
Herzogtümer. Es wurden in dieser Zeit allerdings nur wenige Doppeleichen
auch gepflanzt. Zwischen Erhebung und dem zweiten
Schleswigschen Krieg
achtete die dänische Herrschaft darauf, daß dieses Symbol des "Oprør"
(Aufruhr) in den Herzogtümern nicht auftauchte. Nach der Annexion durch
Preußen 1867 bekam das Lied für viele Schleswig-Holsteiner einen neuen Sinn.
Mit der Zeile ”Theures Land, Du Doppeleiche” wurde über viele Jahre auch die
Enttäuschung über die verlorene Eigenständigkeit ausgedrückt. Am Ende des
19. Jahrhunderts schlug das in einen verklärten nationalen Stolz auf die
Zeit der Erhebung um. Die meisten Doppeleichen wurden deshalb 1898 aus Anlaß
ihres 50. Jahrestages gepflanzt. Unter ihnen setzte man häufig Denksteine
mit der Aufschrift up ewig ungedeelt.
Die große Popularität der Doppeleichen hatte ihre Ursache auch im geringen
Preis. Damit war es auch kleinen Gemeinden möglich, ein Denkmal des
nationalen Stolzes zu setzen. So wurde das Pflanzen von Doppeleichen zur
Mode. Clevere Gärtner wie etwa der Westerländer Albrecht Beck erkannten
diese Chance und boten per Annonce Doppeleichen an. Um dafür zu werben,
verschenkte Beck Freiexemplare an die (aus dem Hause Augustenburg stammende)
Kaiserin und Bismarck und bot gleich noch für die heimische Anrichte Modelle
mit "reizendem kleinen Gärtchen" als Nippes an. Die inzwischen über
100jährigen Erinnerungsbäume gelten heute als Naturdenkmale. Es gibt von
ihnen noch etwa 100 im Lande. Bedingt durch die politische Geschichte, sind
sie in
Dithmarschen, im Oldenburger
Fürstentum Lübeck,
sowie im Kreisherzogtum
Lauenburg eher selten zu finden.
(0201/1203) Quellen:
Jörg Matthies, Unter einer Krone Dach - Die Doppeleiche als
schleswig-holsteinisches Unabhängigkeitssymbol, Heft 13 Geschichte und
Kultur. 2003, herausgegeben von der Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische
Geschichte, erschienen im Wachholtz Verlag, Neumünster,
www.wachholtz.de ,
ISBN 3-529-02363-9; Klaus-Joachim Lorenzen-Schmidt und Ortwin Pelc (Hrsg.),
Schleswig-Holstein Lexikon, Neumünster, 2000, Wachholtz Verlag, ISBN
3-529-02441-4, Zum
Lesen empfohlen
Bildquellen: Vignette - "Patriotische Landschaft" Zeichnung von Wilhelm
Selk, 1848, Stiftung SH Landesmuseen Schleswig; Othmarschen: Jörg Matthies;
Festschrift: SH Landesbibliothek (SHLB); Kalender: Jörg Matthies |