Eisenbahn... das "mächtigste Verkehrsmittel"
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![]() Die Lokomotive "Holstein" auf der Medaille zur Eröffnung der "Christian VIII.-Eisenbahn" 1844 |
1825 ging zwischen Stockton und
Darlington in England der erste mit Dampf betriebene Zug auf die Reise. Die
"Dampfrösser mit qualmenden Schloten" begeisterten die Menschen in Europa
und den USA. Im Dezember 1835 "brauste" mit fast unvorstellbaren 24
Kilometern pro Stunde die erste Bahn in Deutschland von Nürnberg nach Fürth,
1844 war es schließlich auch im
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Ein königlicher Start |
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![]() Die Eisenbahn aus Altona erreicht nach 105 Kilometer Kiel |
Schon 1831 war die
Eisenbahneuphorie auf den Norden übergeschwappt. Konkret wurde es
schließlich, als zwischen den Städten
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Das Eisenbahnfieber grassiert ... |
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![]() Sechzig Bauern aus der Gegend von Segeberg, bewaffnet mit "jungeicheichenen Knüppeln", geführt von Advokat Koch, warteten am Morgen des 24. März 1848 auf dem Bahnhof von Neumünster, um die schleswig-holsteinischen Truppen zu verstärken, die mit dem Zug die dänische Festung Rendsburg nehmen wollten
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Bereits während des Baus der
Altona-Kieler Eisenbahn hatte sich im März 1844 die
Glückstadt-Elmshorner-Eisenbahn-Gesellschaft etabliert. Für den Hafen von
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... und überspringt die Eider |
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![]() Kreuzungspunkt zwischen Kleinbahn und der Strecke Kiel-Flensburg: Der Bahnhof Sörup in Angeln 1915 |
Bereits 1837 lag der Plan zum
Bau einer Bahnlinie von
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Die Eisenbahn ändert das Leben |
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![]() Das Militär nutze die Bahn von Anbeginn: Österreichische Truppen 1864 auf dem Marsch vom Hamburger zum Altonaer Bahnhof
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Mehr als ein Dutzend Menschen
kann ein Pferdefuhrwerk nicht transportieren. Ein Zug bewegt Hunderte und
das schon von Anbeginn preiswerter und mit mehrfacher Geschwindigkeit. Die
Eisenbahn steigerte die Transportkapazität seit Mitte des 19. Jahrhunderts
in bis dahin unvorstellbare Dimensionen. Die Kosten pro Tonnenkilometer
sanken auf ein Zehntel der Kosten vom Transport mit Pferdefuhrwerken. Damit
wurden industriell hergestelltes Baumaterial wie Zement (
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Ein Kapitel für sich: Lübeck |
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![]() Die Doppelstockzüge der LBE waren 1936 eisenbahntechnisch eine Sensation und allemal wert, auf Postkarten gedruckt zu werden
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Ein Kapitel für sich ist die
als LBE bekannt gewordene "Lübeck-Büchener Eisenbahn". Zwischen den
Hansestädten Lübeck und Hamburg lag holsteinisches Gebiet. Ein erster
Vorstoß, die beiden Hafenstädte zu verbinden, scheiterte 1831. Die dänische
Regierung fürchtete, eine solche Bahn könne dem Gesamtstaat nur schaden.
Immer wieder wurden deshalb Anträge abgelehnt. Erst als Rußland und Schweden
intervenierten und der Frankfurter Bundestag Druck machte, lenkte Dänemark
1847 ein. Doch eine direkte Strecke wurde nicht erlaubt. Über Ratzeburg und
Mölln wurde Lübeck 1851 in Büchen an die fünf Jahre zuvor fertiggestellte
Strecke Hamburg-Berlin angeschlossen. Erst ein Jahr, nachdem der Sundzoll
aufgehoben war und Dänemark nicht länger an jeder Tonne Fracht, die den
Öresund auf dem Weg zwischen den Meeren passierte, verdiente, gab es 1858
schließlich die Erlaubnis, eine direkte Trasse nach Hamburg zu bauen. 1865
war sie geschaffen und das Provisorium mit Umsteigen in Büchen beendet.
Eisenbahntechnisch wurde die LBE unvergeßlich, weil sie 1936 erstmals in
Deutschland den Wendezugbetrieb einführte, der es erlaubte, ohne Umspannen
der Zugmaschinen auf einer Strecke zu pendeln. Dieser Betrieb lief zunächst
mit Dampftriebwagen und später dann mit den damals aufsehenerregenden
Doppelstockwagen. Erst nachdem die Selbständigkeit Lübecks mit dem
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Ungehindertes Tempo |
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![]() Entwicklung des Eisenbahnnetzes in Schleswig-Holstein von 1844 bis 1999 auf Grundlage des Historischen Atlas 1864 - 1945 der GSHG (siehe Atlasprojekt). Durch klicken auf die Fläche erscheint die Animation groß in einem neuen Fenster. Um zum Text zurückzukehren, das Fenster bitte schließen. |
Mitte des 19. Jahrhunderts
forcierte die dänische Regierung den Plan, den jütischen Fischerort Esbjerg
als seeschifftiefen Nordeseehafen auszubauen. Sie gab deshalb den Bau einer
Strecke von Flensburg über Kolding nach Esbjerg in Auftrag. Abzweigungen und
Stichbahnen - also kurze Strecken mit einem Sackbahnhof - sollten
Fredericia, Apenrade, Hadersleben und Tondern anbinden. Den Auftrag zu Bau
erhielt die "Nordschleswigsche Eisenbahngesellschaft". Begonnen wurde mitten
im Zweiten
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Durch die Marsch |
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![]() Das machte Schlagzeilen: Eisenbahnunfall bei Glückstadt am 25. Oktober 1857
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Um den dünn besiedelten und
wirtschaftlich schwachen Westen des Landes nicht völlig ohne
Verkehrsanbindung zu lassen, versuchte die
Altona-Kieler-Eisenbahn-Gesellschaft ihre unrentable Strecke
Glückstadt-Elmshorn zu verlängern. Itzehoe wurde so am 15.Oktober 1857 an
das Eisenbahnnetz angeschlossen. Der schwierige Baugrund in der Marsch, das
Ausscheiden der Strecken 1863 aus der Verwaltung der
Altona-Kieler-Eisenbahngesellschaft sowie Geldmangel verzögerten den
Weiterbau bis 1876. Dann griff der Preußische Staat ein und unterstützte den
Ausbau der nun schon "Marschbahn" genannten Strecke massiv. Am 1. November
1878 erreichte sie Heide, das schon ein Jahr davor mit Neumünster verbunden
worden war. Von der Marschbahn führten bald zahlreiche Stichbahnen in die
fruchtbaren Köge. Über diese Nebenstrecken konnten die in den wachsenden
industriellen Zentren dringend benötigten Lebensmittel nach Süden
transportiert werden. Fast zehn Jahre dauerte es danach, bis die Marschbahn
über Husum in Etappen bis zur damaligen Grenze des dänischen Königreiches in
Hvidding fertiggestellt war. Der Bau des
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Die Bahn wird staatlich |
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![]() Mit der Eisenbahn durchs Wattenmeer: Zug auf dem 1927 vollendeten Hindenburgdamm
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Zwischen 1884 und 1903 wurden
alle Strecken in der Provinz Schleswig-Holstein, die nicht zu den meist von
den
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Der Niedergang |
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![]() Fahrdienstleiter in Rendsburg |
Bis 1932 wuchs das
Eisenbahnnetz wieder auf eine Länge von 2.200 Kilometer. Gut 40 Prozent
davon waren sogenannte Kleinbahnen. Sie waren - technisch oft mit
einfachsten Mitteln - gebaut worden, um das flache Land zu erschließen.
Gerade dort wirkte sich jedoch schon früh die neue Konkurrenz von Omnibus
und Lastwagen aus. So begann schon in der Zeit zwischen den Weltkriegen der
Niedergang der Bahn. Bis 1945 wurden bereits 200 Kilometer stillgelegt,
seitdem weitere 660. Im und kurz nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte die Bahn
nicht zuletzt durch den Benzinmangel und den hohen Bedarf für den Transport
von Soldaten,
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Die Bahn kommt zurück |
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![]() Elektrifizierungsarbeiten |
Als letztes Flächenland
begann Schleswig-Holstein in den 1990er Jahren die Elektrifizierung der
Bahn. Den Anfang machte die Strecke Hamburg-Kiel-Flensburg. Damit die
Bundesbahn diesen Schritt überhaupt wagte, mußte sich das Land an den Kosten
beteiligen. Zur Zeit laufen die Vorbereitungen, um auch die Linie
Hamburg-Lübeck zu elektrifizieren. 1996 schließlich übertrug der Bund den
Regionalverkehr wieder den Ländern. Schleswig-Holstein bekommt seitdem in
jedem Jahr gut 200 Millionen Euro sogenannter "Regionalisierungsmittel" vom
Bund überwiesen. Schleswig-Holstein setzt seitdem auf den Wettbewerb und
schreibt mehr Strecken aus als jedes andere Bundesland. Um den Öffentlichen
Personennahverkehr koordiniert weiterzuentwickeln, wurde eine "Landesweite
Verkehrsservice Gesellschaft" (LVS) gegründet. Neben der Deutschen Bahn AG
und der AKN (steht für: "Altona-Kaltenkirchen-Neumünster") fahren inzwischen
erfolgreich weitere Anbieter auf Strecken, die von der DB schon lange als
unrentabel abgeschrieben waren. Die besseren Angebote und immer besser
"vertaktete" Fahrpläne haben die Passagierzahlen wieder um ein Fünftel
steigen lassen. Mit dem Fahrplanwechsel am 14. Dezember 2003 wird das
Angebot erstmals wieder zurückgefahren. Der Grund liegt in der Finanznot des
Landes, das nicht mehr in der Lage ist, seine Zuschüsse für den
Schülerverkehr aufzubringen.
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| Sven Bracke (TdM 1203) Quellen: Erich Staisch, Der Zug nach Norden - 150 Jahre Eisenbahnverkehr in Schleswig-Holstein. Hamburg 1994, Ernst Kabel Verlag, ISBN 3-8225-0298-7; Ulrich Lange (Hrsg.),Geschichte Schleswig-Holsteins - Von den Anfängen bis zur Gegenwart (SHG), 2. verbesserte und erweiterte Ausgabe, Neumünster 2003, Wachholtz Verlag, ISBN 3-529-02440-6, Zum Lesen empfohlen Bildquellen: Medaille: Altonaer Museum; Kiel: Landesbildstelle; Unfall: ZSHG 83, 1959 Rudolf Irmisch, 100 Jahre Eisenbahn Glückstadt-Itzehoe; Freiwillige: aus Detlev von Liliencron (Hrsg.), Up ewig ungedeelt, 1898; Lokomotive No. 9: aus "100 Jahre Eisenbahn - 1884 bis 1984 - Direktion Hamburg; Sörup: Landesbildstelle; Altona: Sammlung Erich Staisch; Wilster: Dithmarscher Landesmuseum; Doppelstockzug: Sammlung Verkehrsfreunde Lübeck; Doppelstockwagen: Foto Burkhard Hessler; Animation: Björn Hansen auf Grundlage des Historischen Atlas 1864 bis 1945 der GSHG, Zum Lesen empfohlen; Kontrolle: DB-Archiv; Hindenburgdamm: Foto Pförtner, Sylter Archiv; Elmshorn 1945/Fahrdienstleiter/Elekrifizierung: DB-Archiv |