Festungen in Schleswig-Holstein |
|
![]() Plan der Festungsstadt Rendsburg von Johannes Meyer aus dem Jahr 1649: Die unregelmäßig angelegte mittelalterliche Stadt ist in ein frühneuzeitliches Festungskorsett gezwängt. Das Schloß im Norden ist durch Schanzen gesichert. Erst später wurde das Neuwerk im Süden und das Kronwerk im Norden angelegt. |
Vor allem im 15. und 16. Jahrhundert wurden überall in Europa Festungen angelegt. Sie übernahmen die militärische Funktion der Burgen. Mit ihrem Bau reagierten Landesherren und Städte auf das Aufkommen der Artillerie. Gegen Kanonenkugeln boten Mauern und Palisaden nur unzureichend Schutz. Burgen waren gebaut worden, um im Nahkampf zu trotzen und hatten Fernwaffen wie Kanonen und Mörsern nichts entgegenzusetzen. Um das leisten zu können, entstanden die Festungen. Sie erfüllten ihre Funktion bis in das 19. Jahrhundert. Wenige von ihnen sind noch erhalten. In Schleswig-Holstein finden sich nur noch Spuren. Am besten kann man heute noch Reste der alten Anlagen in
|
Das Konzept der Burg |
|
![]() Sicherheit durch Höhe: das Beispiel Segeberg mit der einzigen Höhenburg in den Herzogtümern macht es anschaulich
|
Im Hochmittelalter kam es militärtechnisch vor allem darauf an, befestigte Stützpunkte dem Zugriff von Fußkriegern und Reitern zu entziehen. Das mußte mit möglichst geringem Aufwand effektiv bewerkstelligt werden. Die Burgen dieser Zeit waren deshalb räumlich meistens dicht zusammengedrängte Baulichkeiten. Sie bestanden - wenigstens im Norden - oft nur aus einem Wohn-Verteidigungsturm. Bot das Gelände keine Erhebung, entstanden die Anlagen auf einem künstlichen Hügel, der mit einer Palisade und möglichst auch einem breiten Wassergraben umgeben war. Die meisten spätmittelalterlichen Burgen Holsteins waren so errichtet worden (Beispiele: Steinburg, Hatzburg, Pinneberg, Barmstedt und Wohltorf). Diese Form löste die ältere der Ringwallburg ab (Beispiele dafür: Itzehoe und Hamburg). Nur die Segeberger Burg war eine Höhenburg, weil sie den Kalkberg (siehe Festungsbauer sprechen FranzösischAnfang des 14. Jahrhunderts begannen Kanonen die Kriegstechnik zu revolutionieren. Als Geschütze eingesetzt werden konnten, die eine größere Reichweite und erheblich mehr Durchschlagskraft als Bogen, Armbrust und Steinschleuder hatten, waren die aufragenden Wehrtürme und die hohen Stadtmauern mit ihren Mauertürmen eher von Nachteil. Sie hatten für die modernen Pulvergeschütze keinen Platz. Das Feuer der Angreifer konnte so nicht erwidert werden, während die hoch aufragenden Anlagen leicht zu treffen waren. So mußte eine neue Technik entwickelt werden, um feste Plätze zu verteidigen. An die Stelle der hohen Mauern traten nun relativ flache, stark abgeböschte und mit einer Brustwehr versehene Wälle. An denen konnten die gegnerischen Stein- oder Eisenkugeln keine allzu großen Schäden anrichten. Durch die Anlage von runden oder eckigen Vorsprüngen - Runddelen oder niederländisch-französisch korrekt: Rondelen beziehungsweise Bastionen - konnten großflächige Geschützstandorte geschaffen werden. Von ihnen aus ließ sich sowohl die Artillerie der Angreifer beschießen als auch flankierend die eigenen Wälle (Kurtinen) schützen. In der frühen Phase des Festungsbaus wurden häufig noch gemauerte Geschütztürme mit sehr dicken Mauern errichtet. Sie setzten sich jedoch nicht durch, weil ihre aus Schutzgründen notwendigerweise engen Geschützpforten die Artillerie der Verteidiger stark einschränkten. Zum Schutz gegen Fußtruppen umgab man die Anlagen mit einem breiten, im Idealfall mit Wasser gefüllten Graben. Palisaden und Dornenhecken am Fuß der Wälle und auf der außen liegenden Grabenseite sollten das Vordringen des Gegners erschweren. Schwachpunkte waren die Tore solcher Anlagen, die fast immer aus hochgemauerten Türmen mit Durchlässen bestanden. Sie wurden daher oft durch vorgelagerte Schanzen (Ravelins) besonders geschützt. Für diese neue Form der Befestigung hat sich die Bezeichnung Festung durchgesetzt. Dient sie allein militärischen Zwecken, wird sie auch Schanze, Fort oder Zitadelle genannt und kann als Nachfolger der mittelalterlichen Burg betrachtet werden. Es kann auch eine ganze Stadt von einer Festungsanlage umgeben sein, wie dies im späteren 16. und im 17. Jahrhundert oft zu beobachten ist. Die Entwicklung der Festungstechnik stand in engem Zusammenhang mit dem Aufkommen der stehenden Heere, denn alle Arten von Festungen benötigten größere Mannschaften als die mittelalterlichen Burgen. So sind die Festungen des Landes dann zumeist auch die wichtigsten Garnisonsorte geworden. Theoretische Grundlagen und architektonische Anregungen zu der neuen Militärtechnik kamen zunächst aus Italien, wurden im 16. Jahrhundert in den Niederlanden weiterentwickelt und erreichten im 17. und frühen 18. Jahrhundert ihren Höhepunkt in Frankreich. Von dort trat auch die lange Zeit gültige Terminologie des Festungsbaus (zum Beispiel: ravelin, contre-escarpe, lunette) ihren Siegeszug durch Europa an. Festungstädte und FortsIn den Herzogtümern Schleswig und Holstein gab es sowohl Festungsstädte wie Tönning, Rendsburg, Krempe und Glückstadt wie auch Schanzen und Forts, von denen beispielsweise Christianspries (das heutige Friedrichsort in Kiel), die Steinburger Schanze (bei Krempe) oder die Hetlinger Schanze (bei Haseldorf an der Elbe) zu nennen sind. Auch adlige Herren bauten ihre ehemaligen Burgen und Schlösser zu festungsartigen Anlagen aus; so etwa Heinrich Rantzau sein Hauptschloß Breitenburg (bei Itzehoe). Auch Hamburg - zu Beginn des 17. Jahrhunderts nominell und de iure noch holsteinische Landesstadt - und die Reichsstadt |
Glückstadt, Christianspries und Tönning |
|
Neuzeichnung des Planes der Festungsstadt Glückstadt von 1628. Deutlich wird die ursprüngliche Idee, eine sechseckige Anlage mit inneren Radialstraßen zu bauen, die die Naturgegebenheiten abgeändert wurde. Die Festung hat drei Tore im Norden, Osten und Süden.
|
Christian IV. (1588 bis 1648) hatte große Pläne. So wollte er auch seinen Machtbereich in Norddeutschland über Hamburg hinaus nach Süden ausdehnen. Obwohl er nominell auch Landesherr über Hamburg war, konnte er sich auf die Loyalität der Hanseaten nicht verlassen. So gründete er elbabwärts an der Mündung des Rhins Glückstadt. Dessen von 1616 bis 1624 erbaute Festungsanlage orientierte sich an einem sechseckigen, radial gegliederten Idealstadtgrundriß, von dem allerdings nur das östliche Halbsechseck verwirklicht wurde, während der westliche Teil sich am Lauf der Mündung des Rhins orientierte. Die Festung hielt 1628 der Belagerung durch das kaiserliche Heer unter Wallenstein stand. Sie wurde in den folgenden Jahrhunderten mehrfach verstärkt und kapitulierte 1814 im sogenannten Nach den Erfahrungen im Der Schleswig-Holstein-Gottorfer Herzog ließ das 1590 zur Klaus-Joachim Lorenzen-Schmidt (TdM 0502) Hinweis: Siehe auch Literaturtipps: Paul Menne, Die Festungen des norddeutschen Raumes vom 15. bis zum 19. Jahrhundert, Northeim-Hannover, 1939; Friedrich Schröder, Rendsburg als Festung, Neumünster, 1935 Bildquellen: Mattheus Merian, Johannes Meyer, Schleswig-Holsteinische Landesbibliothek (SHLB) |