Friedrichstadt |
|
![]() Plan von Friedrichstadt. Kolorierter Kupferstich von G. J. E. Coch.
|
Fünf Jahre nachdem der
dänische König
Die Niederländische KarteRemonstranten siedelten sich in Friedrichstadt (und übrigens auch in Glückstadt) an. Sie bestimmten in der Treenestadt das Geschehen im 17. Jahrhundert. Neben Glaubensflüchtlingen kamen auch Kaufleute aus rein wirtschaftlichen Interessen. Als „Seele des Projekts“ in Friedrichstadt galt der Antwerpener Kaufmann Wilhelm van Hoven. Die Niederländer planten die neue Stadt auf dem Reißbrett und bauten sie auch weitgehend auf. Streng rechtwinklig angelegt wurde die neue Stadt durch künstlich angelegte Kanäle, die Burggräben, erschlossen. Das Baumaterial für die ersten Häuser kam aus den Niederlanden, darunter auch die dort üblichen kleinformatigen Ziegel oder bunte Hausmarken für die Giebel. Holländisch wurde zur Amtssprache in der Stadt. Ihre Verfassung orientierte sich wesentlich an den Vorbildern Amsterdam und Leiden. „Neptun begünstigt die Stadt durch die Wogen der Eider, auf deren Rücken vom ganzen Erdkreis die Waren herangeführt und die reichen Früchte des Landes verschifft werden.“ - mit solchen Luftschlössern wurde in den Niederlanden um neue Siedler geworben. Aber es zeigte sich, daß die großen Pläne des jungen Fürsten mit den äußerst bescheidenen Machtmitteln des kleinen Herzogtums nicht zusammenpaßten. Als Wilhelm van Hoven 1634 völlig verarmt in die Niederlande zurückkehrte, war sein Ruin gleichbedeutend mit dem Scheitern der großen Ideen, die an die Neugründung geknüpft worden waren.
Ein Plan scheitertDie Hoffnungen des Herzogs erfüllten sich
so nicht. Die Spanier erschwerten den Handel durch allerlei Auflagen. Auch
wurden wenige Jahre nach der Stadtgründung die Remonstranten wieder in ihrer
Heimat geduldet. Der gewünschte weitere Zustrom holländischer Siedler blieb
deshalb aus. Der Aufbau Friedrichstadts hatte in einer Phase des Friedens
und der “Wohlfahrt” (des Wohlstands) in den Territorien
Schleswig-Holstein-Gottorfs begonnen. Der 90jährige Frieden endete jedoch
1626, als Christian IV. den Norden in den
Die ToleranzstadtFriedrichstadt blieb so eine Kleinstadt,
wenn auch eine besondere. Die religiöse Toleranz, die Herzog Friedrich III.
aus wirtschaftlichen Gründen den Niederländern bewiesen hatte, wurde auch
auf andere Glaubensgemeinschaften ausgedehnt. So lebten hier neben den
Remonstranten zeitweise Lutheraner, Mennoniten, Katholiken, Quäker und
Angehörige verschiedener kleiner Gruppen friedlich nebeneinander. Friedrich
III. hatte auch versucht, die als hochgebildet und weltgewandt geltenden
iberischen Juden, die
Der Krieg erreicht die Stadt |
![]() Die Lithographie von P.J. du Ferrang: Flucht der Bürger aus dem brennenden Friedrichstadt am Abend des 4. Oktober 1850 |
Heute erinnern vor allem die neun
Treppengiebelhäuser am Markt an die Erbauer der Stadt. Sie haben die fast
völlige Zerstörung der Stadt im Oktober 1850 überdauert. Während der
Friedrichstadt heuteFriedrichstadt hat heute knapp 2.500 Einwohner. Die Stadt lebt fast ausschließlich vom Tourismus. Im Zuge der Stadtsanierung wurden in den 1970er und 1980er Jahren viele Gebäude aus der Gründungszeit restauriert. Noch feiern hier Remonstranten, Lutheraner, Mennoniten und dänische Lutheraner regelmäßig Gottesdienst. Remonstranten und Mennoniten bilden heute nur noch sehr kleine Gemeinschaften. Gerade noch jeden Monat hält ein niederländischer Pastor in der Remonstranten-Kirche Gottesdienst, seit Mitte des 19. Jahrhunderts in deutscher Sprache. Aber das Vaterunser wird weiterhin auf niederländisch gebetet. Die katholische Kirche wurde im Jahr 2003 profanisiert. Die ehemalige Synagoge, 1941 zu einem Wohnhaus umgebaut, wird heute als Kulturzentrum und Ausstellungsraum zur Geschichte der jüdischen Gemeinde genutzt. Christiane Thomsen (0304/0904)) Tipp: Mehr zur Geschichte Friedrichstadts unter www.museum-friedrichstadt.de und www.stadtgeschichte-friedrichstadt.de Literatur: Nils Claussen, Friedrichstadt, 2.Auflage, Heide, 1993, Boyens; Christiane Thomsen, Friedrichstadt - ein historischer Stadtbegleiter, Heide, 2001, Boyens, www.buecher-von-boyens.de; Vortrag Professor Thomas Steensen, Klein Holland an der Westküste, Nordfriisk Instituut, Bredstedt/Bräist, am 020404 vor dem Nordstrander Heimatverein Bildquellen: Stadtarchiv Friedrichstadt, Vignette: Martin Reißmann, Die Wappen der Kreise, Ämter, Städte und Gemeinden in Schleswig-Holstein, Veröffentlichungen des Schleswig-Holsteinischen Landesarchivs, 1997, Schleswig, Husum Druck- & Verlagsgesellschaft, ISBN 3-88042-815-8
|