Gebietsreform |
|
| Mit über 1.100 Gemeinden und
119 Ämtern gilt die kommunale Struktur Schleswig-Holsteins heute als zu
kleinteilig. Die Chance für eine Gebietsreform, wie sie in anderen
Bundesländern nach dem Zweiten Weltkrieg gemacht wurde, galt lange als
verpaßt. Nicht zuletzt durch die über Jahrhunderte gepflegte Kleinteiligkeit
gibt es besonders auf dem flachen Land ein ausgeprägtes Regional- und
Gemeindebewußtsein. Beispiele von freiwilligen Zusammenschlüssen von
Gemeinden in der Vergangenheit (etwa Groß- und Kleinkollmar in den
Elbmarschen) sind selten. Erbitterter Widerstand gegen solche Pläne sind die
Regel. Sind dennoch Gemeinden zusammengefaßt worden, werden über
Generationen die alten Herkunftsbezeichnungen beibehalten. Fragt man jemand
aus der Gemeinde Bordelum bei Bredstedt (Amt Stollberg), woher er stamme,
wird er selten Bordelum angeben, sondern meist Dörpum, Uphusum, Büttjebüll
sowie West- oder Ostbordelum nennen.
... ist wieder ein ThemaWeil eine kommunale Gebietsreform lange als
nicht durchsetzbar galt, hatten die Kommunalverbände in die Diskussion
gebracht, darüber zu diskutieren, wie die Stadt-Umland-Beziehungen auf einer
Ebene unterhalb von Eingemeindungen neu geordnet werden könnten. Diese
Debatte läuft weiter. Seit 2002 ist das Thema Gebietsreform jedoch nicht
mehr tabu. Den entscheidenden Anstoß gab der freiwillige Zusammenschluß der
Gemeinden und der Stadt Burg auf der Insel Fehmarn zur "Stadt Fehmarn" mit
den Jahresbeginn 2003. Ausgangspunkt war die von den Bürgern als unsinnig
erkannte Situation, daß in Burg Amt- und Stadtverwaltung in unmittelbarer
Nachbarschaft arbeiteten. Diese Konstellation gibt es in über 30 weiteren
Orten in Schleswig-Holstein. Sie könnte nach dem Willen der Landesregierung
erster Ansatz für weitere freiwillige Zusammenschlüsse sein. Auch vor dem
Hintergrund der Absicht, zum Prinzip zurückzukehren, Aufgaben so nah am
Bürger wie möglich erledigen zu lassen (Subsidarität), gelten die vielen
ehrenamtlich verwalteten Gemeinden nicht mehr als "europatauglich". Eine
Idee ist, die noch 118 Ämter, die bisher als "Schreibstuben" der Gemeinden
gelten, zu demokratisch legitimierten Großgemeinden aufzuwerten. Daß dieser
Weg funktioniert, beweist ein Beispiel im Lande. Im
-ju- (1003) Quellen: Alfons Galette, Seite 7 ff., in :”125 Jahre Kreise in Schleswig-Holstein”, herausgegeben vom Schleswig-Holsteinischen Landkreistag, 1992, www.wachholtz.de, Neumünster, ISBN 3-529-02724-3; diverse Mitteilungen der Kommunalverbände, des Landtages sowie der Fraktionen und des Innenministeriums |