Die GottorferHerzöge von Schleswig-Holstein-Gottorf |
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![]() Stammbaum der Gottorfer Herzöge. Ausschnitt aus einem Gemälde von Jürgen Ovens um 1655. Dargestellt sind (von unten) König Christian I. und die Herzöge Friedrich I., Adolf, Johann Adolf, Friedrich III. und Christian Albrecht |
Die Rivalität von königlicher und herzoglicher Macht in den
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Getrennt herrschen, gemeinsam regieren |
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![]() Herzog Adolf im Prunkharnisch. Gemälde eines unbekannten Künstlers, um 1586
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Mit Christian I. (1426 - 1481) wählten die Dänen 1448 den ersten Oldenburger zu ihrem König. Nach dem Tod des letzten
Die Brüder teilten die Herzogtümer 1544 und 1581 nach der Steuerkraft der einzelnen Ämter auf und achteten auch darauf, daß sich ihr Besitz gleichmäßig auf Schleswig und Holstein verteilte. So wurde die politische Landkarte ein bunter Flickenteppich. Neben dem königlichen und den herzoglichen Anteilen gab es dazu Güterdistrikte im Osten sowie Adelige Klöster, die gemeinschaftlich regiert wurden. König und Herzöge wechselten sich im Jahresrhythmus in der Führung der Gemeinschaftlichen Regierung ab. Das und die Schleswig und Holstein verklammernde Besitzstruktur führten dazu, daß die Ritterschaft die Teilung akzeptierte und auch Johann d. Ä. und Adolf als Landesherren anerkannten. Das galt jedoch nicht für den später von König Friedrich II. aus seinem Anteil abgefundenen Herzog Johann (Hans) den Jüngeren von Schleswig-Holstein-Sonderburg. Er war der erste
Die Herzöge von Gottorf nahmen keine weiteren Teilungen ihres Besitzes mehr vor. Sie versorgten die jüngeren Söhne standesgemäß dadurch, daß sie diese seit 1586 zu Fürstbischöfen von Lübeck wählen ließen. Auf Herzog Adolf folgten nach seinem Tod 1586 zunächst für jeweils nur sehr kurze Zeit seine beiden ältesten Söhne Friedrich II. (1568-1587) und Philipp (1570-1590) und dann sein dritter Sohn Johann Adolf (1575-1616). In dessen Regierungszeit und die von Johann Adolfs Sohn Friedrich III (1616-1659) fiel der Aufstiegs Gottorfs zu einem der kulturellen Zentren in Nordeuropa.
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Kleiner Staat ganz groß |
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![]() Plan von Friedrichstadt. Kolorierter Kupferstich von G. J. E. Coch. Man erkennt die Lage der Stadt zwischen den beiden Sielzügen , durch die die Treene (oben) seit ihrer Abdämmung im späten 16.Jahrhundert in die Eider entwässert sowie den regelmäßigen Grundriß nach niederländischen Vorbildern
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Die Wirtschaftskraft des Gottorfer
Staates beruhte vor allem auf den
Friedrich
III. versuchte nach seinem Regierungsantritt 1616 den Anschluß an den sich
entwickelnden Überseehandel zu finden. Diesem Zweck diente die Gründung
von
Die kulturelle BlütezeitTrotz ihres zerstückelten Staatsgebietes
bemühten sich die Herzöge darum, ein (früh)modernes Staatswesen zu
entwickeln, in dem der politische Einfluß der Ritterschaft durch den
Landesherrn und seine Beamten, vor allem Juristen bürgerlicher Herkunft,
immer mehr zurückgedrängt wurde. Am erfolgreichsten waren sie jedoch als
Förderer von Künsten und Wissenschaften. Das zeigten an erster Stelle
die Schloßbauten, dazu die Gottorfer Gartenanlagen, die die bedeutendsten
in Nordeuropa waren. Hinzu kamen die Sammlungen, die auf Gottorf
zusammengetragen wurden: die reichhaltige Bibliothek (heute größtenteils
in Kopenhagen), die "Kunstkammer" mit ihren künstlerischen,
kunsthandwerklichen und natürlichen Objekten (heute ebenfalls großenteils
in Kopenhagen), zwei seinerzeit berühmte astronomische Weltmodelle: die
"Sphaera Copernicana" (heute in Frederiksborg) und der "Gottorfer
Globus" (heute in St. Petersburg), die Noten der Hofkapelle (heute
teilweise in Berlin) sowie die Werke des Hofmalers Jürgen Ovens (um
1623-1678) und des Hofgelehrten Adam Olearius (1599-1671). Die
nachhaltigste Leistung ist die Gründung einer eigenen Universität in
Kiel, die schon von Friedrich III. betrieben, jedoch erst 1665 von
Christian Albrecht verwirklicht wurde (
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Spielball der Machtpolitik |
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![]() Herzog Friedrich III. Kupferstich von Johachim Sandrart, 1671 |
Die Regierungszeit Friedrichs III. war
der glanzvolle Höhepunkt der Geschichte der Gottorfer, aber in ihr begann
mit dem Eingreifen König
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Unter dem Schutz Schwedens |
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Als 1643 der von Christian provozierte
Die Gottorfer banden sich jedoch noch enger an Schweden. Christian Albrechts ältester Sohn, Herzog Friedrich IV. (1671-1702), heiratete eine Schwester König Karls XII. (1682-1718). An der Seite seines Schwagers zog er in den Großen Nordischen Krieg, in dem er 1702 fiel. Nach seinem Tod wurde sein jüngerer Bruder, Fürstbischof Christian August (1673-1726), "Administrator" des Gottorfer Staates für seinen minderjährigen Neffen Herzog Carl Friedrich (1700-1739). Er ließ seinem Ratgeber, dem Baron von Görtz, weitgehend freie Hand und deckte dessen Politik, im Krieg unter dem Anschein der Neutralität tatsächlich Schweden zu unterstützen. Damit war das Herzogtum faktisch nur noch ein Satellit Schwedens. Die Gottorfer Herzöge kostete diese Politik ihren Anteil am Herzogtum Schleswig: 1713 wurde dieser von dänischen Truppen besetzt und nach dem Ende des Großen Nordischen Krieges 1721 in den königlichen Anteil eingegliedert. So kam Schloß Gottorp in den Besitz der Könige von Dänemark. Regierungssitz des
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Gottorfs letzter Versuch: die russische Karte |
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![]() Gottorfer Herrschaftsbereiche in Holstein um 1770. Blau: die zum herzoglichen ("großfürstlichen") Anteil gehörenden Ämter; gelb: das Fürstbistum Lübeck, das seit dem Anfang des 18. Jahrhunderts in der jüngeren Linie des Gottorfer Fürstenhauses faktisch erblich geworden war. Wenn Sie diesen Plan in ganzer Größe sehen wollen, genügt ein Mausklick auf den Plan. |
Zu Beginn des 18. Jahrhunderts öffnete sich Rußland unter Zar Peter dem Großen nach Westen und beeinflußte seitdem die Politik der anderen europäischen Mächte. Hier suchte und fand Herzog Carl Friedrich nun Ersatz für die Schutzmacht Schweden und Hilfe in seinem Bemühen, seinen Anteil am Herzogtum Schleswig zurückzugewinnen. Er heiratete Peters älteste Tochter Anna Petrowna (1708-1728). Nachdem deren unverheiratet gebliebene jüngere Schwester Elisabeth Petrowna (1709-1761) im Jahre 1741 den russischen Thron bestiegen hatte, ernannte sie Herzog Carl Peter Ulrich (1728-1762), das einzige Kind aus der Ehe Carl Friedrichs mit ihrer Schwester, zum Thronfolger. Damit ging die regierende Linie des Hauses Schleswig-Holstein-Gottorf im Zarenhaus der Romanows auf. Großfürst Carl Peter Ulrich bestieg dann 1762 als Zar Peter III. den Thron, wurde aber schon nach einem halben Jahr gestürzt und ermordet. Danach übernahm seine Witwe Katharina (1729-1796), deren Mutter eine Tochter des Fürstbischofs Christian August war, für ihren minderjährigen Sohn Paul (1754-1801) die Regentschaft über den großfürstlichen Anteil am Herzogtum Holstein, während sie sich in Rußland zur Zarin krönen ließ. Während Peter III. als Thronfolger und in der kurzen Zeit seiner Regierung das Ziel verfolgt hatte, den Gottorfer Anteil am Herzogtum Schleswig mit militärischer Macht zurückzugewinnen, konnte unter der Regentschaft Katharinas II. ein friedlicher Ausgleich gefunden werden: in einem Vertrag, der auf Schloß Zarskoje Selo (heute: Puschkin) bei St. Petersburg abgeschlossen wurde, verzichtete Großfürst Paul 1773 zugunsten des Königs von Dänemark auf den großfürstlichen Anteil am Herzogtum Holstein und erhielt dafür die Grafschaften Oldenburg und Delmenhorst, die er sogleich an die jüngere Linie des Hauses Schleswig-Holstein-Gottorf, die Nachkommen von Fürstbischof Christian August, abtrat; zugleich verpflichteten sich beide Monarchen, sich beim Kaiser für die Erhöhung der beiden Grafschaften zum Herzogtum Oldenburg zu verwenden - womit sie 1774 Erfolg hatten. Mit dem Tauschvertrag von Zarskoje Selo verschwand der Staat der Herzöge von Gottorf für immer von der politischen Landkarte. Erst damit war die "Ruhe des Nordens" gesichert. Dieter Lohmeier (0103/0404) Literatur: Dieter Lohmeier, Kleiner Staat ganz groß, 1997, Heide, Boyens & Co, ISBN 3-8042-0793-6, Zum Lesen empfohlen: Die Gottorfer auf dem Weg zum Zarenthron. Russisch-gottorfische Verbindungen im 18. Jahrhundert, Ausstellungskstalog Schleswig: Landesarchiv 1997, ISBN 3-931292-54-1; Gottorf im Glanz des Barock, Kunst und Kultur am Schleswiger Hof 1544 - 1713, Ausstellungskatalog, hrsg. von Heinz Spielmann und Jan Drees, 4. Bände, 1997, Schleswig, besonders: Band 1: Die Herzöge und ihre Sammlungen; Band 2: Die Gotorfer Kunstkammer; Band 4: Felix Lühning, der Gottorfer Globus und das Globushaus im 'Newen Werck' Bildquellen: Vignette: Ausschnitt Titel "Kleiner Staat ganz groß" siehe Quellen, Foto:Pump; Stammbaum: Nationalhistorisches Museum Fredriksborg; Herzog Adolf: Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Schloß Gottorf; Schleswig-Holstein 1622: Erwin Raeth; Plan Friedrichstadt: Stadtarchiv Friedrichstadt; Aloe: Königliche Bibliothek Kopenhagen; Globius: Notionalhistorisches Museum Frederiksborg; Friedrich III.: Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Schloß Gottorf; Christian Albrecht: Königliche Bibliothek Kopenhagen; Karte 1770: Erwin Raeth. |