Der Große Nordische Krieg
|
|
| Der Dritte oder „Große
Nordische Krieg“ (
|
|
Vorgeschichte: die „Gottorfer Frage“ entsteht |
|
![]() Die politische Landkarte 1660: die grünen Flächen stellen die Gottorfer Gebiete dar, rote die Anteile des dänischen Königs an den Herzogtümern und gelb die schwedisch beherrschten Territorien |
Durch die
|
Christian V. contra Gottorf |
|
| Das änderte sich, als
Christian V. (1670-1699) König wurde. Er drängte darauf, die nun so genannte
„Gottorfer Frage“ zu lösen. Die Gelegenheit schien 1675 gekommen. In der
Schlacht von Fehrbellin wurde Schweden als Verbündeter Frankreichs
vernichtend geschlagen. Christian nutzte die Schwäche der Schutzmacht
umgehend: Er setzte Herzog Christian Albrecht (1641*/1659-1694) fest, zwang
ihn im „Rendsburger Rezeß“, die eigene Souveränität aufzugeben, sein Heer
aufzulösen und die
|
|
Der spanische Erbfolgekrieg |
|
| 1700 starb der spanische König Karl II.
(1665-1700) kinderlos. Damit war diese Linie der Habsburger erloschen. Die
Habsburger und das französische Königshaus Anjou meldeten Ansprüche an. Es
ging um viel: neben Spanien selbst gehörten zum spanischen Reich große Teile
Italiens, die spanischen Niederlande und große Teile Mittel- und
Südamerikas. Das rief zusätzlich zu den europäischen Festlandsmächten die
Seemächte England und die Niederlande auf den Plan. Nach wechselvollem
Kriegsverlauf endete der Erbfolgekrieg 1713 mit einer neugeordneten Welt:
Spaniens Thron ging an Philipp V., also an das französische Haus Anjou, die
italienischen Besitzungen fielen an Österreich, das 1704 eroberte Gibraltar
ging endgültig in englischen Besitz über, die südamerikanischen Kolonien
blieben zwar spanisch, das Monopol auf den lukrativen Sklavenhandel fiel
jedoch an Großbritannien. Die Engländer avancierten zum Herrn auf den
Ozeanen und zum Schiedsrichter in Europa.
|
|
Der Nordische Krieg beginnt ... |
|
![]() Der dänische König Friedrich IV. ... |
Seit 1699 regierte Friedrich
IV. (1699-1730) Dänemark. wie schon sein Vater wollte die „Gottorfer Frage“
lösen. Die Lage schien günstig: Der Kaiser und die Franzosen waren im Süden
beschäftigt, Schweden vermeintlich schwach. König Karl XII.
(1882*/1697-1718) wurde mit seinen erst 18 Jahren nicht zugetraut, die
schwedischen Interessen rund um die Ostsee zu schützen. Dänemark stellte
sich an die Seite von Rußland und Sachsen-Polen, denen es darum ging, den
schwedischen Einfluß auf die Festlandsküste von Vorpommern bis nach Finnland
zu beenden. Das Startsignal für Friedrich war der Einfall
sächsisch-polnischer Truppen in Livland März 1700. Er ließ daraufhin die
Gottorfer Anteile der Herzogtümer besetzen. Doch die Schweden und das mit
ihnen verbündete Kurhannover marschierten darauf von Seeland und von Süden
kommend in Dänemark und die Herzogtümer ein. England und die Niederlande
schickten Schiffe, um Kopenhagen von See anzugreifen. Eine Chance, die Karl
XII. gerne genutzt hätte. Doch seine Alliierten waren im Osten gebunden. So
kam es am 18. August 1700 zum Frieden von Traventhal, in dem Friedrich IV.
einlenken mußte. Die Rechte Schleswig-Holstein-Gottorfs von 1689 wurden
erneut bestätigt. Zudem wurde das Bündnis- und Befestigungsrecht
ausdrücklich fixiert. Damit war - staatsrechtlich gesehen - das höchste Maß
an Souveränität des Herzogtums erreicht.
|
... macht Pause |
|
![]() ... und sein Gegenspieler, der Gottorfer Herzog Friedrich IV. |
Das Kriegsgeschehen
verlagerte sich nach 1700 wieder ins Baltikum. Die Truppen des vermeintlich
schwachen Karl XII. besiegten noch im gleichen Jahr die Armee des Zaren,
zogen weiter gegen Polen und Sachsen. Erst als er 1709 einen Winterfeldzug
gegen Rußland wagte, verließ den jungen schwedischen König der Erfolg. An
der Seite des schwedischen Königs war der Gottorfer Herzog Friedrich IV.
(1671*/1694-1702) in den Krieg gezogen. Er hatte Ehrgeiz und wollte seine
Macht steigern. Um am schwedischen Feldzug teilnehmen zu können, wollte er
sogar sein Herzogtum verpachten. Doch es kam nicht so weit. Friedrich IV.
fiel im Juli 1702 in Polen während der Schlacht von Klissow. Sein Sohn
Karl-Friedrich war erst zwei Jahre alt. Friedrichs Witwe Hedwig Sophie und
sein Bruder Christian August (1673-1726), der spätere Lübecker Fürstbischof
(
|
.... und kehrt zurück |
|
![]() Dokument der Empfindlichkeiten: 1703 stimmte Herzog Carl Friedrich erst der Veröffentlichung eines gemeinsamen Patents mit dem dänischen König erst zu, als auch sein Name im gleichen Schriftgrad gedruckt wurde wie der des Königs – Der Frakturstreit |
1712 griffen die Schweden erneut an. Das
Heer unter Magnus Graf Stenbock (1664-1714) landete auf Rügen, es stieß nach
Mecklenburg vor und schlug im Dezember bei Gadebusch das dänische Aufgebot.
Verfolgt von Truppen der wiederbelebten Allianz Rußlands mit Sachsen-Polen,
fielen die Schweden Anfang 1713 in die Herzogtümer ein. Das holsteinische
|
Görtz’ Doppelspiel fliegt auf |
|
![]() Stich zur dänischen Belagerung Tönnings |
Die dänischen Truppen blieben
rund um Tönning, das weiterhin von den Gottorfern gehalten wurde. Erst
Februar 1714 waren die letzten Vorräte verbraucht, die Festung mußte
kapitulieren. Für die Gottorfer mehr als eine militärische Niederlage. Sie
verspielten auch ihr Ansehen. Den Siegern fiel nämlich der gesamte
Schriftverkehr in die Hände. Damit konnte das Ränkespiel Goertz’ entlarvt
werden: die Gottorfer hatten einerseits mit Dänemark einen
Neutralitätsvertrag geschlossen, gleichzeitig eng mit Stenbock
zusammengearbeitet. König Friedrich ließ die Dokumente umgehend drucken und
in Umlauf setzen, um an den europäischen Höfen gegen eine Wiederherstellung
des Herzogtums Gottorf Stimmung zu machen.
|
Frieden in zwei Raten |
|
![]() 1713: Von Schleswig-Holstein-Gottorf war nur noch Holstein-Gottorf übrig |
Nach den Friedensschlüssen am
Ende des Spanischen Erbfolgekrieges 1713/14 wurde die dänische Position
weiter gestärkt. Brandenburg-Preußen und Hannover schlossen sich nun einer
Koalition gegen Schweden an. Hannover erhielt das 1712 von Dänemark eroberte
Stift Bremen (zuvor seit 1648 schwedischer Besitz) und garantierte im
Gegenzug den Besitz von Schleswig. Erst nach dem Tod Karls XII. 1718 kam es
durch zweiseitige Verträge - in einer Art zweiten Rate - zum endgültigen
Frieden. Der Prozeß zog sich bis 1721 hin. Entscheidend für Dänemark und die
Herzogtümer wurde der Frieden von Frederiksborg vom 3. Juli 1720, den
Engländer und Franzosen vermittelten. Dänemark wurde zwar für seine Verluste
entschädigt, mußte jedoch Wismar und das von ihm besetzte westliche
Vorpommern den Schweden zurückgeben. Auch erhielt es die bereits 1658
verloren gegangenen Gebiete östlich des Öresunds nicht zurück. Doch Schweden
wurde nach 68 Jahren wieder verpflichtet,
|
Gewinner und Verlierer |
|
![]() Die Huldigung Königs Friedrich IV. – ein Bild von 1860. Das historische Ereignis von 1721 fand jedoch nicht vor, sondern im Schloß Gottorf statt
|
Mit dem Großen Nordischen
Krieg begann Rußlands Aufstieg zur Großmacht. Auch Brandenburg-Preußen wurde
nun nicht nur für die Ostseeregion bedeutend. Damit ging der Einfluß der
drei bisher dominierenden Ostseemächte Schweden, Dänemark und Polen weiter
zurück. König Friedrich IV. ließ sich am 22. August 1721 in den ehemals
gottorfischen Anteilen Schleswigs huldigen. Strittig ist in der
Geschichtsschreibung, ob er damit das Herzogtum Schleswig zum Teil des
dänischen Königreiches machte oder nicht: fraglich bleibt, ob die vom König
verkündete Absicht schon als deren Vollzug gewertet werden muß. Inzwischen
neigt man in der Diskussion dazu, die Huldigung als offiziellen Abschluß der
mit der Besetzung 1713 schon vollzogenen Übernahme der Macht im Herzogtum
Schleswig zu interpretieren.
|
PS: in Sache Goertz und Wedderkop |
|
| Die Kapitulation Tönnings
1714 war für Magnus Wedderkop ein freudiges Ereignis. 1709 hatte Goertz ihn
zurück auf Gottorfer Gebiet gelockt und ihn in Tönning festsetzen lassen.
Dort sollte er, im Fall einer Kapitulation, auf jeden Fall getötet werden.
Doch Goertz’ Befehl wurde nicht ausgeführt, Wedderkop kam frei und wurde
1719 vom inzwischen mündigen Gottorfer Herzog rehabilitiert und entschädigt.
Sein Rivale Goertz ging unterdessen nach Schweden, um dort für eine
Wiederherstellung der alten Gottorfer Rechte zu werben. Er gewann das
Vertrauen Karls XII. und stieg zu dessen Berater auf. Wie schon in seiner
Gottorfer Zeit versuchte er auch in Schweden durch eine rücksichtslose
Steuer- und Münzpolitik, den Krieg seines neuen Herrn zu finanzieren. Als
Karl XII. 1718 fiel, war auch das Ende von Goertz gekommen. Der in Schweden
verhaßte Baron wurde verhaftet, zahlreicher vermeintlicher oder
tatsächlicher Vergehen angeklagt und März 1719 enthauptet.
|
|
| -ju- (TdM 0804/0904) Quellen: Ulrich Lange (Hrsg.),Geschichte Schleswig-Holsteins - Von den Anfängen bis zur Gegenwart (SHG), 2. verbesserte und erweiterte Ausgabe, Neumünster 2003, Wachholtz Verlag, ISBN 3-529-02440-6, Zum Lesen empfohlen; Jörg Rathjen in Jann Markus Witt und Heiko Vosgerau (Hrsg.), Schleswig-Holstein von den Ursprüngen bis zur Gegenwart - Eine Landesgeschichte, Hamburg, 2002, Convent-Verlag, ISBN 3-934613-39-X, Zum Lesen empfohlen; Klaus-Joachim Lorenzen-Schmidt und Ortwin Pelc (Hrsg.), Schleswig-Holstein Lexikon, Neumünster, 2000, Wachholtz Verlag, ISBN 3-529-02441-4, Zum Lesen empfohlen; Hermann Kinder/Werner Hilgemann, dtv-Atlas zur Weltgeschichte, 2000, München, Deutscher Taschenbuchverlag, ISBN 3-423-03000-3 Bildquellen: Vignette/König Friedrich IV: Schleswig-Holsteinisches Landesmuseum, Gottorf; Karten 1660/1713: Erwin Raeth; Herzog Friedrich IV/Tönning/Huldigung: Schleswig-Holsteinische Landesbibliothek (SHLB), Kiel; Frakturstreit: Schleswig-Holsteinisches Landesarchiv, Schleswig (LAS) |