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Während beider Schleswigschen
Kriege hatte es Seegefechte bei Helgoland gegeben. 1870 kamen französische
Flottenverbände in die Deutsche Bucht. Nach der Reichsgründung 1871 wuchs deshalb der
Wunsch, das seit 1807 britische Helgoland müsse wieder deutsch werden. 1884 unternahm
Reichskanzler Otto von Bismarck auf Rat der Admiralität einen ersten Versuch, Helgoland
zu erwerben. Er scheiterte. 1889 wuchs der Wunsch der Briten, sich von Helgoland zu
trennen. In Unterhaus und Presse wurde die Meinung vertreten, man unterhalte "nur ein
Seebad für die Deutschen". Doch Bismarck wollte nun auf günstigere Bedingungen
warten. Als die britische Seite Mai/Juni 1890 einen ernsthaften Vorstoß machte, war
Bismarck entlassen. Der junge Kaiser Wilhelm II. erfüllte sich einen Herzenswunsch. Am 1.
7. 1890 wurde in Berlin der "Helgoland-Sansibar-Vertrag" geschlossen, am 9.
August wurde die Insel feierlich übergeben um am 2. Dezember schließlich Teil der
preußischen Provinz Schleswig-Holstein zu werden. Gegenstand des Vertrages war nicht der
Tausch von Sansibar gegen Helgoland, wie bis heute immer wieder zu hören ist. Er regelte
vielmehr umfassend die deutschen und englischen Einflußgebiete in Afrika. Sansibar und
seine Nebeninseln waren zu jener Zeit ein selbstständiges Sultanat. Die Deutschen hatte
jedoch einen schmalen Streifen Festlandsküste von Sansibar gepachtet und verstanden sich
als Schutzmacht. Diese Position übernahmen die Briten mit dem Vertrag. Ihr Interesse galt
jedoch vor allem den von Deutschen beanspruchten Gebieten in Tanganjika und am
Viktoriasee, sowie in Witu- und Somalialand. Sie wurden an die Briten abgetreten, der
Bestand von Deutsch-Ostafrika im Gegenzug bestätigt und auch Grenzfragen in Westafrika
geklärt. Der Helgoland-Sansibar-Vertrag stieß auf ein geteiltes Echo. Kaiser Wilhelm II.
verteidigte ihn damit, daß dem Reich einerseits an guten Beziehungen zum Empire gelegen
sei, zum anderen die deutsche Insel auch angesichts des 1887 begonnenen Bau des Nord-Ostsee-Kanals
erheblichen strategischen Wert habe. Sozialdemokraten und Linksliberale befürworteten den
Vertrag aus eine antikolonialistischen Haltung heraus ("Je weniger Afrika, desto
besser"). Die Kolonialenthusiasten auf der rechten Seite waren empört. Bismarck
äußerte sich öffentlich, Helgoland sei zu teuer erworben worden, doch nun habe der
Kaiser seinen Willen. Die Kritiker in Deutschland fühlten sich bestärkt durch den Spott
des englischen Afrikaforschers Sir Henry Morton Stanley, der feststellte, Deutschland habe
einen neuen Anzug für einen alten Hosenknopf hergegeben. -ju-Quelle: Christian Degn, Schleswig-Holstein eine Landesgeschichte, 1994,
Wachholtz Verlag, Neumünster, ISBN 3 529 05215 9, www.wachholtz.de) |