Hindenburgdamm |
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![]() Der Hindenburgdamm bei Sturmflut
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Sylt litt wegen seiner exponierten Lage im Wattenmeer von jeher unter schwierigen Verkehrsverhältnissen. Besonders nach der Gründung des Seebades Westerland 1855 waren gute Verkehrsanbindungen gefragt. Der Chronist C. P. Hansen schlug deshalb mehrfach Dammbauprojekte zwischen Insel und Festland vor, "wodurch das alsdann stromlose zeitliche Wattenmeer bei Sylt ohne Zweifel bald zum größten Theil in fruchtbares Marschland verwandelt werden würde". 1876 folgte der Geologe Ludwig Meyn (1820 -1878) nach einer Untersuchung des Wattbodens mit einem positiven Befund für einen Dammbau. Im Ostteil der Insel, vor allem in Archsum und Morsum, erhob sich ein Sturm der Entrüstung. Es gab Stimmen, die sich wegen einer drohenden Überfremdung und nachteiliger Veränderungen der jahrhundertealten sylterfriesischen Kultur große Sorgen machten. 1913 wurde das Vorhaben vom preußischen Landtag genehmigt, doch verhinderte der Erste Weltkrieg zunächst den Bau.
Die Abtrennung Nordschleswigs ( Die Sohlenbreite des Bauwerks beträgt 50 Meter, die Breite der Dammkrone elf Meter und die Gesamthöhe rund zehn Meter. Unter der Leitung von Wasserbauingenieur Hans Pfeiffer mußten 3,6 Millionen Kubikmeter Erde (ein Würfel mit einer Kantenlänge von 153 Metern) und über 400.000 Tonnen Steine, Kies, Busch und Pfähle bewegt werden. 25 Millionen Reichsmark kostete der komplette Eisenbahndamm. Seit 1932 verkehrt der Autozug, seit 1962 mit Doppelstockwagen. 1973 wurde ein zweites Gleis verlegt. Für die Sicherheit in den Verkehrsspitzenzeiten sorgte eine Station auf dem Damm, die im Volksmund "Villa Meeresblick" genannt wurde. Moderne Überwachungstechnik gewährleistet, daß heute bis zu 120 Züge täglich den Hindenburgdamm befahren können. Der Damm setzt den Meeresströmungen ein erhebliches Hindernis entgegen, so daß es seither zu erhöhten Hochwasserständen im Sylter Watt kommt. Es wurde deshalb mehrfach angeregt, Schleusen oder ein Gezeitenkraftwerk in den Damm einzubauen. Für einen wirtschaftlich rentablen Betrieb ist der Tidenhub allerdings zu gering. Die durch den Damm geförderte Verschlickung des Watts ermöglichte jedoch 1954 die Eindeichung des rund 1.400 Hektar großen Friedrich-Wilhelm-Lübke-Kooges ( Andere Nebeneffekte des Dammbaus werden mehr oder weniger begrüßt. Einerseits dient der Damm heute vielen Freizeitpiloten als Peilobjekt bei ihrem Anflug auf den Westerländer Flughafen. Andererseits gelangen über das Bauwerk Maulwürfe, Dachse, Füchse und Maikäfer auf die Insel, mit enormen Folgen für die Vogelwelt. Zur größten Bedrohung des Insellebens aber wurden die vielen Fahrzeuge, die Zersiedelung der Landschaft, eine steigende Kriminalitätsrate und die Zerrüttung sozialer und familiärer Strukturen. Harry Kunz (1102) Tipp: Das Stichwort ist dem neuen "Sylt Lexikon" von Harry Kunz und Thomas Steensen entnommen und für www.geschichte-s-h.de eingerichtet worden. Das Lexikon bietet mit 1.400 Stichworten einen umfassenden und kompetenten Überblick über alle Bereiche der Geschichte und Gegenwart der größten der nordfriesischen Inseln. Das Buch kostet 35 Euro und ist bei Wachholtz erschienen. Hinweise unter www.wachholtz.de Quellen: Hans Bock, Die Marschbahn von Altona nach Westerland, Heide 1989; Margarete Boie, Dammbau, Stuttgart 1930; Gerhard Eckert und Hans-Jürgen Stöver, Auf Schienen durchs Watt: Der Damm, der Sylt veränderte, Hamburg 1977; Thomas Steensen, Nordfriesland im 19. und 20. Jahrhundert. In: Geschichte Nordfrieslands, 2. Aufl., Heide 1996a, S. 205-435 u. 441-454; Harald Voigt, 50 Jahre Hindenburgdamm, Münsterdorf 1977; Manfred Wedemeyer, Ein unbekannter Brief von C. P. Hansen. In: Die Heimat 92 (1985), S. 24-27. Bildquelle: Sylter Archiv
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