HolländerDie Niederlande und die Westküste Schleswig-Holsteins |
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![]() Niederländische Walfangschiffe im Nordmeer |
Die "Holländerwindmühlen",
”Holländergiebel” nicht nur in
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Die Friesen kommen |
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![]() Schematische Darstellung des Torfabbaus zur Salzgewinnung in den Utlanden |
Teile Schleswig-Holsteins
waren nach der
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Niederländer in den Elbmarschen |
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| Auch die Sicherung und
Erschließung der Elbmarschen wäre ohne Niederländer kaum denkbar. Sie
wirkten führend mit, als Anfang des 12. Jahrhunderts die Haseldorfer Marsch
bedeicht wurde. Es folgten die Wilster-, die Seestermüher sowie die Kremper
Marsch. Im Süden der Kremper Marsch bildeten die Niederländer ein fast
geschlossenes Siedlungsgebiet. Es wird sogar vermutet, die Holländer
stammten von der früheren Rheininsel "Krimperenward" östlich von Rotterdam.
Eindeutig belegt ist der niederländische Einfluß in den Orts- und Flurnamen
wie "Hollerdamm" oder "Hollerwisch". Den Niederländern in den Elbmarschen
wurde zugestanden, ihr eigenes Recht, das "Hollische", beizubehalten. Zwar
wurde es 1470 von Christian I. (1428*/1448-1481) aufgehoben, es bestand
jedoch in der Herrschaft Herzhorn bis in das 19. Jahrhundert fort.
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Weltmacht Niederlande |
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| Das 16. Jahrhundert in Europa
ist nicht allein durch die
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push and pull |
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| In den Herzogtümern wurde das
17. Jahrhundert großenteils von Niederländern geprägt. Widersprüchliche
Motive spielten dabei zusammen. Einerseits bewog das wirtschaftliche
Interesse vor allem an den fruchtbaren Marschen der Westküste
niederländische Unternehmer dazu, ihre in der Heimat erworbene Meisterschaft
im Deichbau und – immer wieder unterschätzt – in der
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Die Niederländer kommen |
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| In der zweiten Hälfte des 16.
Jahrhunderts kamen Niederländer erneut in die Elbmarschen. Die Wilstermarsch
war zu dieser Zeit so weit abgesunken und vernäßt, daß sie für den Ackerbau
kaum noch taugte. Niederländische Zuwanderer setzten nun Hunderte von
Entwässerungsmühlen ein, um das weitgehend unter dem Meeresspiegel liegende
Land wieder in "Kultur" zu bringen. Aus Ackerland wurde Weideland, auf dem
Kühe grasten. Die gewonnene Milch verarbeitete man zu Fettkäse, dem
berühmten Wilstermarschkäse. Die Bauern kamen dadurch zu solchem Wohlstand,
daß ihnen nachgesagt wurde, sie äßen mit goldenem Besteck von goldenen
Tellern. Ähnliches wurde über die Landschaft Eiderstedt berichtet. Auf der
Halbinsel, so hieß es, gebe es mehr Silber als Eisen. Gesichert ist: Die
Niederländer führten die Produktion von Käse in großem Stile ein. In weiten
Teilen der Marschen bewirkte das einen Umschwung der
Wirtschaftsverhältnisse. Der sprang später auch auf die adligen
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Technik .... |
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![]() Der in Eiderstedt bis heute prägende "Haubarg" geht auf niederländische Vorbilder zurück |
Auf der Höhe ihrer Zeit
exportierten die Niederländer eine ganze Reihe noch heute
landschaftsprägender Innovationen. So kam das Gulfhaus mit seinem inneren
Holzständerwerk als Barghaus in die Wilstermarsch und als Haubarg nach
Eiderstedt (siehe
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... und Oktroi |
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![]() 1651 zeichnete der Kartograph Johannes Mejer die Utlande. Der Ausschnitt läßt deutlich erkennen, daß Nordstrand noch nicht wieder bedeicht ist |
In der Nacht vom 10. auf den
11. Oktober 1634 zerstörte die zweite große Mandränke mit einem Schlag die
"Wohlfahrt" der Utlande. Die einst aus fünf
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Freie Religion als Lockmittel |
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![]() Die Kirche der Altkatholischen Gemeinde auf Nordstrand |
Der Wohlstand im Staat der
Gottorfer im ausgehenden 16. und beginnenden 17. Jahrhundert wurde
großenteils aus den Agrarüberschüssen der Marschen erwirtschaftet. Jeder
neue Koog mehrte die Einnahmen. Doch Deichbauten waren teure und technisch
anspruchsvolle Vorhaben. Wer für solche Risiken Kapital und Know-how werben
wollte, mußte mehr bieten als nur die Aussicht auf spätere Gewinne.
Wirtschaftliche Gründe führten deshalb zu religiöser Toleranz. Neben den
Zusagen für eine eigene Verwaltung, die Gerichtsbarkeit und den freien
Handel war die freie Religionsausübung wesentlicher Teil des Oktrois für die
Wiederbedeichung von Nordstrand. Da drei der vier Hauptpartizipanten
Katholiken waren, hatten sie sich das in jener Zeit ungewöhnliche Recht
einräumen lassen, auf Nordstrand eine katholische Gemeinde mit Kirche und
Priester zu gründen. Schon die Existenz einer katholischen Gemeinde im
protestantischen Norden war eine Besonderheit. Die Gemeinde spaltete sich
sogar noch. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts zerfiel sie in "Jansenisten" und
"Papisten". Die Jansenisten behielten die Kirche "St. Theresia" auf
Nordstrand. Sie gingen 1870 in der Altkatholischen Kirche auf. Diese lehnt
die Unfehlbarkeit des Papstes ab, läßt Frauen zum Priesteramt zu und kennt
kein Zwangszölibat. Heute hat die altkatholische Gemeinde noch 15 Mitglieder
und ist auf der Insel inzwischen kleiner als die der ”Papisten”.
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Toleranzstädte |
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![]() Friedrichstadt: Blick auf den Markt einer "holländischen" Stadt |
Auch der dänische König
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Niederländisch ist "schick" |
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![]() Das Tönninger Schloß entstand nach niederländischem Geschmack
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Rege war der kulturelle
Austausch mit den Niederlanden. Der in Blüte stehende Gottorfer Hof zog
viele Künstler an. Andererseits ließen sich Kunsthandwerker und Maler aus
Schleswig-Holstein in den Niederlanden ausbilden. Berühmt wurde vor allem
der 1623 in Tönning geborene Jürgen Ovens, der als Rembrandt-Schüler gilt
und zum Barockmaler von europäischem Rang aufstieg. Die holländische
Renaissance hinterließ ihre architektonischen Spuren nicht nur in
Friedrichstadt und Glückstadt. In vielen anderen Städten entstanden
Bürgerhäuser mit den typischen Sandsteinportalen. Geprägt vom
niederländischen Einfluß waren die Schlösser von Tönning, Tondern und
Glückstadt, die nicht mehr existieren, und sind das Schloß vor Husum sowie
der Herrensitz Hoyersworth in Eiderstedt. Vor allem als Kapitäne und
Seeleute fuhren viele Inselfriesen auf niederländischen Schiffen. Sie
brachten aus den Niederlanden Hausschmuck, Möbel, Delfter Keramik oder auch
chinesisches Porzellan mit. Millionenfach fanden die ”Fliesen” genannten
Fayenceplatten ihren Weg von den Niederlanden an die Westküste
Schleswig-Holsteins. Bis zu 3.000 Stück oder der Gegenwert von drei Ochsen
waren notwendig, um damit die Wände einer guten Stube - Döns oder Pesel -
auszukleiden. Die Fliesenstuben wurden zu "Friesenstuben" und stifteten
regionale Identität. Die ersten entstanden Anfang des 17. Jahrhunderts im
Raum Tondern/Hoyer sowie in Koldenbüttel, in Eiderstedt. In dieser Zeit kam
wahrscheinlich auch ein neuer Sport, das Boßeln, aus den Niederlanden an die
Westküste. Das Teetrinken und das Rauchen hielten hier wohl ebenfalls über
die Niederlande Einzug. Später fing man auf den nordfriesischen Inseln nach
niederländischem Vorbild Enten in
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Ende einer langen Beziehung |
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![]() Boßeln: eine niederländische Tradition, die bis heute in Nordfriesland überdauert hat |
Spätestens mit dem Beginn des
19. Jahrhunderts war das enge Band zu den Niederlanden zerrissen. Das hatte
einmal ganz praktische Ursachen. Die einstige Welthandelsmacht war zu einem
europäischen Mittelstaat abgestiegen. Was vordem nur in Amsterdam oder
Rotterdam möglich war, konnte nun einfacher in Hamburg erledigt werden. Die
kommerziellen Achsen hatten sich erneut gedreht. Auch die besseren
Verkehrswege führten dazu, daß der West-Ost-Handel übers Wasser durch
Nord-Süd-Verbindungen abgelöst wurde. Damit lagen die Niederlande für den
dänischen
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| Thomas Steensen (TdM 0504) Literaturhinweise: Albert Bantelmann, Rolf Kuschert, Albert Panten, Thomas Steensen, Geschichte Nordfrieslands, 2. Auflage,Nordfriisk Instituut, Heide 1996, Boyens, ISBN 3-8042-0759-6; Ernst Joachim Fürsen und Reimer Witt (Hrsg.), Schleswig-Holstein und die Niederlande, Aspekte einer historischen Verbundenheit, Schleswig 2003; Ernst George, Die wirtschaftlichen und kulturellen Beziehungen der Westküste Schleswig-Holsteins zu den Niederlanden, in Nordelbingen 1 (1923), S. 220-289; Klaus-Joachim Lorenzen-Schmidt und Ortwin Pelc (Hrsg.), Schleswig-Holstein Lexikon, Neumünster, 2000, Wachholtz Verlag, ISBN 3-529-02441-4, Zum Lesen empfohlen; Spuren der Niederländer in Norddeutschland. Ein Wegweiser. herausgegeben von der Deutsch-Niederländischen Gesellschaft e. V., Berlin 2001 Bildquellen: Vignette/Walfangfliesen: Kreisarchiv Nordfriesland; Salz: Nordfriesland, s.o; Haubarg/Fliesen: aus Kunz, Pingel, Steensen, Nordfriesland von A - Z , 1998, Bredstedt/Bräist, Nordfriisk Instituut, ISBN 3-88007-271-X; Nordstrand 1651/Tönninger Schloß: Schleswig-Holsteinische Landesbibliothek (SHLB); Altkatholische Kirche: Altkatholische Gemeinde; Friedrichstadt: Stadtarchiv; Boßler: Foto Gerhard Paul, Husum |