Institut für Weltwirtschaft |
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![]() Das erste Quartier des neuen Instituts am Schlossgarten in Kiel |
Das Institut für
Weltwirtschaft (IfW) an der Universität Kiel ist ein international
renommiertes Zentrum weltwirtschaftlicher Forschung und Dokumentation.
Das Institut in |
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Start als „Königliches“ Institut |
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![]() Das Siegel des neuen Institutes Die Büste von Bernhard Harms, dem ersten Direktor des IfW
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Das IfW wurde am
20. Februar 1914 im Schlossgarten 14 als "Königliches Institut für
Seeverkehr und Weltwirtschaft" eröffnet. Es zog 1920 ins Kruppsche
Anwesen an der Förde im Stadtteil Düsternbrook um. Januar 1934 bekam es
seinen heutigen Namen. Als ein selbstständiger Teil der
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Das IfW im Nationalsozialismus |
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![]() 1920 war das Institut in das Kruppsche Anwesen, das ehemalige Logierhaus des Kaiserlichen Yachtclubs umgezogen |
Mit der Machtübergabe an die
Nationalsozialisten wurde Bernhard Harms von seinem Lehrstuhl an der
Universität verdrängt. Er galt den neuen Machthabern als
"republikfreundlich". Er blieb erst noch Institutsleiter und konnte
sich der Vertreibung "jüdischer" und sozialdemokratischer Mitarbeiter
am IfW durch die SA widersetzen. Aber im Juni 1933 gab er die
Leitung des Kieler Instituts aufgrund massiven Drucks auf. Harms
wirkte 1933/34 als Honorarprofessor in Berlin. Einige Wissenschaftler
wurden durch tätige Mithilfe ihrer eigenen Kollegen vertrieben. Eine
Reihe der so am Institut aufgestiegenen beteiligte sich später aktiv an
der deutschen Vernichtungspolitik (Zwei Beispiele sind Helmut
Meinhold und Otto Ohlendorf). Nachfolger von Harms wurde der überzeugte
Nationalsozialist Jens Jessen. Trotzdem legte er sich mit Staat und
NSDAP an und wurde schon Januar 1934 an die Universität Marburg
strafversetzt. Ihm folgte vom Juli 1934 bis November 1945 der
langjährige Mitarbeiter von Bernhard Harms, Andreas Predöhl (Mitglied
der NSDAP seit 1937). Predöhl band das Institut stärker an die Diener der Kriegswirtschaft |
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![]() Blick in das Chefbüro des IfW – am Schreibtisch noch Bernhard Harms |
Das Institut wurde immer weniger durch private Spender und dafür zunehmend durch staatliche Fördermittel getragen. Hintergrund waren – ähnlich wie im Ersten Weltkrieg – wirtschaftliche Planungen und Analysen zur Lage der kriegsführenden Länder. Unter Predöhl folgten die Kieler Expertisen einem praxisorientierten völkischen Wissenschaftsbegriff. Volkswirtschaft wurde als Dienst am „Volkskörper“ begriffen. Im IfW wurde von 1939 an auf den „Großraum“ ausgerichteten Arbeiten zentrale Bedeutung zugemessen. Es war eine Konzeption, die sich auf Autonomie und Autarkie Deutschlands bezog und aus wirtschaftswissenschaftlicher Sicht die Grundlagen für ein von Deutschland beherrschtes Europa beschrieb. Die Gutachten des IfW bedurften keiner Ideologisierung im Sinne der Nationalsozialisten, denn wissenschaftliche Expertisen über die Wirtschaft bestimmter Länder, deren Infrastruktur, Rohstoffe und allgemeine Lage lagen im Interesse der NS-Politik. Im IfW wurden über 2.000 Geheimgutachten für Wehrmacht, Ministerien, Großbanken und Industrieunternehmen erstellt. Das IfW übernahm von 1942/43 an die führende Rolle in allen Auslandsfragen der Wirtschaftswissenschaften und erhielt das Monopol auf alle kriegswichtigen Forschungsarbeiten für das Feldwirtschaftsamt, das ehemalige Wehrwirtschafts- und Rüstungsamt. Die Gutachten waren ein unverzichtbarer Bestandsteil der NS-Kriegsführung. Sie erfolgten entweder kurzfristig aufgrund von aktuellen nationalsozialistischen Expansionsplänen oder dienten längerfristigen Plänen für eine „Großraumwirtschaft“ in den noch zu erobernden Gebieten. Gegen Ende des Krieges wurde das IfW nach Ratzeburg ausgelagert und Teile der Institutsgebäude sowie des Archivs in Kiel durch Bombentreffer zerstört. Der Neuanfang |
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![]() Das IfW heute mit seiner neuen Bibliothek ![]() Die neue Bibliothek bei Nacht |
Im November 1945
setzten die britischen Besatzungsbehörden Predöhl als Leiter ab. Sie
beließen ihn aber als Professor an der Universität. 1953 wechselte er
an die Universität Münster, wo er 1974 im Alter von 80 Jahren starb.
Nach Predöhl übernahm Friedrich Hoffmann die Institutsleitung
kommissarisch, gefolgt von Fritz Baade (1893*1974+). Er baute das IfW
zu einem bedeutenden Zentrum der Weltwirtschaftsforschung mit
umfangreicher Bibliothek und einem Wirtschaftsarchiv aus. In der frühen
Nachkriegszeit beförderten alle Verantwortlichen die Legende, dass sich
das Institut im Nationalsozialismus einer „unpolitischen
Weltwirtschaftsforschung“ verschrieben habe. Selbstkritik oder Bedauern
über das Handeln des Instituts gegenüber den 1933 vertriebenen
Mitarbeitern wurde nicht geäußert. Bis heute gibt es keine
Institutsgeschichte, die sich auf neuesten Forschungsstand mit der
eigenen Vergangenheit beschäftigt. Heute ist das IfW ein An-Institut der Universität und seit dem 1. Januar 2009 in eine unabhängige Stiftung des öffentlichen Rechts des Landes Schleswig-Holstein umgewandelt worden. Zum IfW gehört die Deutsche Zentralbibliothek für Wirtschaftswissenschaften (ZBW) sowie die neuerdings darin integrierte Bibliothek des Hamburgischen Welt-Wirtschafts-Archivs (HWWA). Das Institut beschäftigt heute rund 160 Mitarbeiter, unter ihnen 80 Wissenschaftler. Jährlich verleiht das Institut den „Weltwirtschaftlichen Preis“. |
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Bildquellen: sämtliche Abbildungen stammen aus dem Archiv des Institutes für Weltwirtschaft und wurden vom IfW zur Verfügung gestellt Literaturhinweise: |