Juden in Schleswig-Holstein
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![]() Siegel der jüdischen Gemeinde Friedrichstadt
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Schon im vierten Jahrhundert lebten Juden in Köln. Bedeutende Gemeinden entwickelten sich etwa an Rhein, Main, Mosel, Neckar und Donau im Mittelalter. In den
Tür an Tür mit ChristenEin Geleit- oder Schutzbrief für Juden in Altona aus dem Jahre 1584 ist älteste überlieferte Quelle. Auch für Wandsbek gibt es Hinweise einer jüdischen Niederlassung aus dieser Zeit. Seit dem frühen 17. Jahrhundert ließen sich Juden in Glückstadt, Lübeck, Moisling, Friedrichstadt, Elmshorn, Rendsburg, Kiel, Burg auf Fehmarn, Segeberg und Ahrensburg nieder oder gründeten Gemeinden. Auch waren seit dem 18. Jahrhundert vereinzelte jüdische Familien in
Ausgrenzen und ReglementierenLübeck und
Zwei Toleranzstädte
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| Schleswig-Holstein ist ein
prägnantes Beispiel für die variable Judenpolitik der jeweiligen Obrigkeiten
in Deutschland. Während in Kiel die Landesherren gezielt versuchten, Juden
aus der Stadt herauszuhalten, luden sie seit Anfang des 17. Jahrhunderts in
die zu dieser Zeit in königlichen sowie
Das "tolerante" Neuwerk
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![]() Aufnahme von Friedrich Schröder der Synagoge in Rendsburg von 1934
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In
Altona als jüdisches ZentrumDie Altonaer Gemeinde bildete bis zum
Die Emanzipation
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Im frühen 19. Jahrhundert begann sich das Judentum zu modernisieren und zu liberalisieren. Das führte auch in Schleswig und Holstein zu einem innerjüdischen Streit zwischen Reformern und Gesetzestreuen. Jedoch hatte der bei weitem nicht solch umwälzende Folgen wie in den meisten der übrigen deutsch-jüdischen Gemeinden. Möglicherweise ist es auf den Einfluß des orthodoxen Altonaer Oberrabbinats zurückzuführen, daß sich keine einzige schleswig-holsteinische Reformgemeinde bildete. Es wurde eher der Weg in die Neoorthodoxie gesucht, die versuchte, religiöse Tradition mit der Offenheit für moderne säkulare Bildung zu verbinden. Mit dem Geist der Aufklärung und den freiheitlichen Ideen der Französischen Revolution einerseits, aber auch mit der fortschreitenden Integration der jüdischen Minderheit andererseits, wurden auch in Deutschland immer mehr Stimmen laut, die eine Emanzipation der Juden forderten. In Dänemark erreichten die Juden bereits 1814 die bürgerliche Gleichstellung - dies galt jedoch nicht für die übrigen Teile des dänischen Gesamtstaats. Die Petitionen jüdischer Persönlichkeiten und Gemeinden stießen bei den seit 1835/1836 bestehenden
Die Freiheit zu gehenDie Emanzipation hatte einschneidende Folgen für die Kleinstadtgemeinden. Viele Juden in Schleswig-Holstein nutzten die neue Freiheit, um zu gehen. Sie zogen vor allem in größere Städte außerhalb der Provinz, wo mit besseren Berufs- und Bildungschancen zu rechnen war. Die verbleibenden Kleinstgemeinden waren kaum noch in der Lage, ihre religiösen Aufgaben zu erfüllen. Einige Gemeinden wie die Glückstädter, die erst nach der Gleichstellung gegründete Schleswiger und die Gemeinde Burg auf Fehmarn mußten sich auflösen. Ohne die finanzielle und organisatorische Hilfe des 1912 als Notgemeinschaft gebildeten Schleswig-Holsteinischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden und der beiden Preußischen Landesverbände jüdischer Gemeinden hätte dieses Schicksal noch weitere Gemeinden getroffen. Während das Kleinstadtjudentum an den Rand der Existenzfähigkeit geriet, rückten jetzt die Städte Lübeck und Kiel zu den neuen jüdischen Zentren auf. Es entwickelten sich Gemeinden mit je um die 600 Mitgliedern. Repräsentative Synagogen spiegelten das inzwischen gewachsene Selbstbewußtsein der jüdischen Bürger. In Lübeck und Altona amtierten mit Dr. Salomon Carlebach und seinem Sohn Dr. Joseph Carlebach Angehörige einer der großen deutschen Rabbinerfamilien. Mit einer besonderen Konfliktsituation hatte die Kieler Gemeinde nach dem 1.Weltkrieg fertig zu werden. Seit der Jahrhundertwende und verstärkt in den Nachkriegsjahren waren Juden aus Osteuropa, auf der Flucht vor Verfolgung und Armut, zugewandert und machten die Hälfte der Gemeinde aus. Ihre wesentlich traditionellere “Jüdischkeit” befremdete die alt eingesessenen deutschen Gemeindemitglieder, die in den Augen der Zuwanderer wiederum sich viel zu weit von den religiösen Wurzeln entfernt hatten. Es war das Verdienst des Kieler Rabbiners, Dr. Arthur Posner, daß er die religiöse und soziale Kluft zwischen den beiden Gruppen um einiges zu mindern vermochte.
Holokaust und Neuanfang
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Mit der Schändung sämtlicher Synagogen in Schleswig-Holstein im November 1938, spätestens jedoch mit der Deportation vom 6. Dezember 1941 nach Lettland und den vielen weiteren Deportationen in die Ghettos und Lager endete das jüdische Leben in Schleswig-Holstein. Von den bisher bekannten 2.000 als Juden verfolgten Schleswig-Holsteinern (Zahl ohne Altona und Wandsbek) wurde mindestens die Hälfte Opfer des Holokaust. Im Juni 1945 kam es zur Neugründung einer kleinen Gemeinde in Lübeck und einer Gemeinschaft in Kiel. Die Lübecker Synagoge, durch die Nationalsozialisten umgebaut und mißbraucht, wurde wieder eingeweiht. 1968 schlossen sich die wenigen verbliebenen Juden der Hamburger Gemeinde an, jüdisches Leben in Schleswig-Holstein schien nun endgültig vorbei zu sein. Nach dem Zerfall der Sowjetunion wandern in jüngster Zeit jedoch wieder Juden zu. Zwei größere und zwei kleinere Gemeinden sind bisher gegründet worden: in Lübeck und Kiel, Bad Segeberg und Pinneberg. Daß diese Gemeinden auch 50 Jahre nach Kriegsende nicht ungefährdet sind, haben die zwei Anschlägen auf die Lübecker Synagoge 1994 und 1995 deutlich gemacht. Frauke Dettmer (TdM 0603) Tipp: Die Geschichte jüdischen Lebens in Schleswig-Holstein ist Thema des Jüdischen Museums in Rendsburg. Das Museum befindet sich seit 1985/1988 in den Gebäuden des ehemaligen Gemeindezentrums mit Synagoge, Ritualbad und Talmud-Tora-Schule aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Sammlungen: Geschichte des schleswig-holsteinischen Judentums (zur Zeit im Umbau), religiöses Leben, Werke von Künstlern, die 1933 – 1945 als Juden verfolgt wurden. Weitere Informationen: Jüdisches Museum Rendsburg und Dr. Bamberger-Haus, Prinzessinstraße 7-8 24768 Rendsburg, Telefon 04331- 2 52 62: jmuseumrd@t-online.de; www.juedisches-museum-rendsburg.de; Öffnungszeiten von Dienstag bis Sonntag, 12 bis 17 Uhr, Gruppen auch nach Vereinbarung. Tipps zum Weiterlesen: Miriam Gillis-Carlebach (Hg.), Memorbuch zum Gedenken an die jüdischen, in der Schoa umgekommenen Schleswig-Holsteiner und Schleswig-Holsteinerinnen, 1996, Hamburg, Dölling und Galitz, ISBN 3-930802-18-x, www.doellingundgalitz.com; Peter Guttkuhn, Die Geschichte der Juden in Moisling und Lübeck. Von den Anfängen 1656 bis zur Emanzipation 1852, 1999, Lübeck, Schmidt-Römhild, ISBN 3-7950-0468-3; Arno Herzig, Jüdische Geschichte in Deutschland. Von den Anfängen bis zur Gegenwart, 1997, München, Beck, ISBN 3-406-39296-2, www.beck.de; Michael A. Meyer unter Mitw. von Michael Brenner (Hg.), Deutsch-jüdische Geschichte in der Neuzeit, Bd 1- 4, 1996/97, München, Beck, ISBN 3-406-39705-0; Gerhard Paul, Miriam Gillis-Carlebach (Hg.), Menora und Hakenkreuz. Zur Geschichte der Juden in und aus Schleswig-Holstein, Lübeck und Altona, 1998, Neumünster, Wachholtz, ISBN 3-529-06149-2, www.wachholtz.de; Gerhard Paul/Bettina Goldberg, Matrosenanzug – Davidstern. Bilder jüdischen Lebens aus der Provinz, 2002, Neumünster, Wachholtz, ISBN 3-529-06144-1; Elke Steiner, Rendsburg Prinzessinstraße. Die Geschichte einer jüdischen Kleinstadtgemeinde, 2001, Bremen, Panel, ISBN 3-935146-31-0, www.edition-panel.de Bildquellen: Vignette/Grabstein/Synagoge/Boykott: Jüdisches Museum Rendsburg; Friedrichstadt: Stadtarchiv Friedrichstadt; Mikwe: Dieter Leistner, Mainz; Fenster / Volksbote: Gerhard Paul/Bettina Goldberg, Matrosenanzug – Davidstern - Bilder jüdischen Lebens aus der Provinz s. Quellen
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