Kanalisation |
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![]() Aus einem Katalog von 1910: Gußeisernes Spülklosett der Carlshütte |
Aus der Zunahme der zentralen Wasserversorgung ( |
Späte Klärung |
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![]() Fäkalbeseitgung mit "Goldeimern" durch die Firma Klöckner in Kiel um 1915 |
Um 1900 war die Klärung der Abwässer so ein nachrangiges Problem. Es blieb vielfach eines bis in die 1970er Jahre. Die Anfänge der Vollkanalisation selbst in den Großstädten waren mühsam: Dafür steht als Beispiel Kiel. In den 1880er Jahre begann die Stadt mit der planmäßigen Kanalisation. 1906 wurde genehmigt, die Abwässer bei Bülk am Eingang der Förde in die Ostsee zu leiten. 1925 war erst jeder dritte Kieler Haushalt an die Kanalisation angeschlossen. Erst 1972 begann man, die Abwässer mechanisch zu klären, drei Jahre später folgte eine biologische Stufe. Seit Anfang der 1970er Jahre ging man auch in den Umlandgemeinden und auf dem Land dazu über, Abwässer zentral zu reinigen. Dahinter stand politischer Zwang. Im Sinne des Umweltschutzes sollte die Qualität der bis dahin stark belasteten Gewässer verbessert werden. Erste entsprechende Erlasse des Landwirtschaftsministeriums stammen aus dem Jahre 1974. Ende der 1980er Jahre wurde die Belastung der Gewässer durch Nährstoffe, die zur sogenannten Überdüngung (Eutrophierung) führen, erkannt und eine weitere Klärstufe (Denitrifizierung) vorgeschrieben. Folge der immer besseren Klärung ist jedoch auch eine Zunahme der Klärschlämme. Da sie zum Teil mit Schadstoffen belastet sind, ist inzwischen auch strittig, ob es weiter Sinn macht, Klärschlämme weiter durch den Einsatz als Dünger in der Landwirtschaft zu entsorgen. 70.000 Tonnen Klärschlämme von den insgesamt 116.000 Tonnen wurden 1998 auf Feldern ausgebracht. Inzwischen sind 92 Prozent aller Haushalte an das 21.000 km lange Kanalisationsnetz angeschlossen. 827 kommunale Kläranlagen klärten 1998 an die 210 Millionen Kubikmeter Abwässer. Aus etwa 80 Prozent werden dabei auch schon Phosphor und Stickstoff geklärt (Denitrifzierung). |
![]() Bau der Kieler Kläranlage in Bülk |
Trotz beeindruckender Erfolge bleibt ohnehin die Fracht an Nährstoffen aus der Landwirtschaft ein fortdauerndes Problem für die Gewässer. Die wachsenden Viehbestände sowie die Umstellung von Fest- auf Flüssigmist (Gülle) haben durch die steigenden Mengen dazu geführt, daß der einst begehrte Dünger zu einem Umweltproblem geworden ist. Mit einer Gülleverordnung versucht man seit den 1990er Jahren des Problems Herr zu werden. Allerdings kamen die Vorschriften zu spät. Inzwischen gilt als sicher, daß ein nicht unerheblicher Teil der Grundwasserreserven bedroht ist. Schuld ist vor allem der über Jahre im besten Glauben betriebene exzessive Einsatz von Gülle für Futtermaisflächen auf den sandigen Böden der Geest. Die nicht verwerteten, wasserschädlichen Nährstoffe, die dadurch in den Boden gelangten, sickern inzwischen durch zu den Grundwasserreservoiren. Bis sie dort ankommen, wird es noch viele Jahre dauern, doch der Prozeß ist unumkehrbar. Ulrich Lange -ulla- (TdM0401) Quellen: "Geschichte Schleswig-Holsteins - Von den Anfängen bis zur Gegenwart", Herausgeber Ulrich Lange, 719 Seiten, Leinen gebunden, erschienen im Wachholtz Verlag, Neumünster, 1996, ISBN 3-529-0440-6, Zum Lesen empfohlen; U.Lange in "Dünger und Dynamit", herausgegeben von M. Jakubowski-Tiessen, K.J.Lorenzen-Schmidt, 1999, Neumünster; "Frisches Wasser" Katalog zur Ausstellung "kulturgeschichtliche Aspekte der häuslichen Wasservbersorgung in Schleswig-Holstein seit dem Mittelalter", Schleswig-Holsteinisches Landesmuseum 1987; Zahlen zur Abwasserbeseitgung 1998 aus: Statistische Kurzinformationen, # 39, 27.3.2001, Statistisches Landesamt SH Bildquellen: WC: aus einen Katalog der Carlshütte von 1910; Goldeimermänner: Repro. Kieler Stadtarchiv, Vorlage Firma Klöckner; Bülk: Kieler Stadtarchiv |