
Kieler Stadtwappen
Lageplan von 1652 mit der neuen Schreibweise
"Kiell"

Am Kleinen Kiel 1945
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Ins 13. Jahrhundert, in die Zeit der Stadtgründungen, fällt auch die Anlage Kiels. Seit 1238 wurde der Ort auf einer etwa 17 Hektar großen Halbinsel tom Kyle
mit einem planmäßigen Grundriß in der Nähe der landesherrlichen Burg angelegt. 1242 erhielt Kiel die
Stadtrechte vom
Schauenburger Grafen Adolf IV. verliehen. 1301 war die neue Stadt befestigt und seit 1329 mit einem Mauergürtel umgeben. Sie gehörte vom Spätmittelalter an zur
Hanse. Zu einem ernsthaften Konkurrenten für
Lübeck
konnte sich die Stadt an der
Förde nicht entwickeln. Sie schied schon 1518 wieder aus der Hanse aus. Nicht nur der Fernhandel rund um die Ostsee hatte nicht den gewünschten Erfolg. Die Wirtschaft der
Stadt litt unter dem starken Eigenhandel der die Stadt umgebenden Güter. Belebend wirkte sich dagegen aus, daß Kiel zu einem zentralen Ort des politischen Lebens in
Holstein wurde. 1460 wurde dort die "tapfere Verbesserung" des
Privilegs von Ripen unterzeichnet. Um den Einfluß Lübecks zu begrenzen, wurde 1496 das
Vierstädtegericht gegründet und nach Kiel verlegt. Seit dem 15. Jahrhundert war Kiel der häufigste Tagungsort der
Landtage und der Geldumschlagplatz des holsteinischen
Adels. Der
Kieler Umschlag
in der Woche nach dem Dreikönigstag am 6. Januar blieb bis in die Neuzeit ein bedeutender Termin vor allem für Kreditgeschäfte. 1544, nach der
Landesteilung, wurde die Stadt Herzog Adolf von
Gottorf zugeschlagen. Der Adel baute in den folgenden Jahren zahlreiche Palais in der Stadt. Die Burg wurde in der 1580er Jahren umgebaut zu einem Renaissanceschloß. Versuche jedoch, Kiel am Fernhandel teilhaben zu lassen, schlugen fehl. 1665 wurde die
Christian-Albrechts-Universität gegründet. Nach dem Verlust der schleswigschen Besitzungen des Hauses Schleswig-Holstein-Gottorf wurde Kiel 1721 zur deren Hauptresidenz. Sie verfiel jedoch, nachdem Karl Peter Ulrich als russischer Thronfolger (später: Zar Peter III.) nach St. Petersburg ging. Kiel blieb für viele Jahre ein Verwaltungszentrum mit schwacher Wirtschaftskraft. Daran änderte auch der 1784 vom dänischen
Gesamtstaat in Betrieb genommene
Schleswig-Holsteinische
Canal wenig.
Aufschwung durch die Eisenbahn
Erst die 1844 eröffnete erste Bahnlinie in den Herzogtümern von
Altona nach Kiel belebte Handel und Gewerbe in der Kleinstadt. Danach setzte rasch die
Industrialisierung
ein. Während der schleswig-holsteinischen
Erhebung 1948 bis 1851 spielte Kiel durch seine Universität, als zeitweiliger Regierungssitz und als Heimathafen der
schleswig-holsteinischen Flottille ein Schlüsselrolle. Schon zwei Jahre vor der Annexion der Herzogtümer Schleswig und Holstein durch Preußen wurde Kiel 1865 dessen Flottenstation. Später wurde die Stadt Sitz des Marine-Oberkommandos Ostsee des Reiches (was sie bis 1945 blieb). Zahlreiche Werften entstanden und gaben der Stadt ein industrielles Gepräge. Die Zahl der Einwohner entwickelte sich rasant (1840: 12.300, 1871: 31.000, 1890: 70.000, 1910: 212.000). Die Stadt wuchs über ihre Grenzen hinaus, und zahlreiche umliegende Gemeinden gingen in ihr auf.
Matrosenaufstand und Olympiade
Nach dem Ersten Weltkrieg verlangsamte sich vor allem durch eine schwere Krise im Schiffbau die Bevölkerungszunahme. Der von zahlreichen sozialen und infrastrukturellen Problemen begleitete Aufschwung der Stadt ließ es angemessen erscheinen, Kiel zur Hauptstadt der Provinz zu machen. Doch der Oberpräsident residierte nur von 1867 bis 1879 und danach erst wieder ab 1917 in Kiel. November 1918 begann in Kiel der
Matrosenaufstand, der die Revolution in Deutschland auslöste, die zum Ende des Kaiserreiches und zur Gründung der Weimarer Republik führte. 1936 wurden die olympischen Segelwettbewerbe vor Kiel (
Olympiade) ausgetragen. Durch die Aufrüstung während der
nationalsozialistischen Zeit erholte sich der Schiffbau wieder. Die Werften und der Marinestützpunkt machten Kiel im Zweiten Weltkrieg zum Ziel von 90 Bombenangriffen der Alliierten, die 2.600 Tote forderten und 36.000 Wohnungen in Schutt und Asche legten. Da zusätzlich ein enormer Zustrom an
Flüchtlingen einsetzte, wurden die ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg für alle Bewohner der zerbombten Stadt zu einer Zeit der bitteren Not.
Wiederaufbau als "Landeshauptstadt"
Obwohl Lübeck zur damaligen Zeit größer war, wurde Kiel 1949 zur Hauptstadt des nach der Auflösung Preußens durch die Briten neugeschaffenen Bundeslandes Schleswig-Holstein. Ob der Wiederaufbau der neuen "Landeshauptstadt" nach dem Krieg als gelungen bezeichnet werden darf, darüber streiten sich die Geister. Die Werftindustrie wurde nach dem Krieg wieder aufgebaut und ist bis heute prägender Faktor des Wirtschaftslebens. Kiel entwickelte sich zu einer Einkaufsstadt mit einem große Einzugsgebiet. Während es Kiel trotz der günstigen Lage und des
Nord-Ostsee-Kanals nie schaffte, zum Universalhafen aufzusteigen wie Lübeck, liegt die Stadt bei den von den Skandinaviern eingeführten Ro-Ro-Fährlinien (roll-on-roll-off) mit zwei Millionen Passagieren (1999) vor der Hansestadt. Neben der Christian-Albrechts-Universität beherbergt die Stadt zahlreiche bedeutende Landes- und Bundesbehörden und Banken. 1972 wurde Kiel zum zweiten Mal seit 1936 Austragungsort der olympischen Segelwettbewerbe. Die Stadt gilt seit der ersten
Kieler Woche 1894 als die Segelhauptstadt Deutschlands. Als "sailing City" bewirbt sie sich inzwischen für eine dritte Segelolympiade 2012. Kiel hat heute 240.000 Einwohner und ist eine der vier kreisfreien Städte im Bundesland Schleswig-Holstein. Aktuelle Informationen zur Landeshauptsadt unter
www.kiel.de.
-ju- (0301/0203)
Quellen: Stadt Kiel; Klaus-Joachim Lorenzen-Schmidt und Ortwin Pelc (Hrsg.), Schleswig-Holstein Lexikon, Neumünster, 2000, Wachholtz Verlag, ISBN 3-529-02441-4,
Zum Lesen
empfohlen; "Kiel Journal" zum 750jährigen Stadtjubiläum 1992, 1991 Kiel, (Hrsg.) Stadt Kiel, verlegt bei i.deStampe, Stampe 1991
Bildquellen: Stadt Kiel; Stadtarchiv;
WappenLAS |