Schleswig-Holstein von A bis Z

Kieler Schloß


Rekonstruktion der Fassade des Renaissancebaus des Kieler Schlosses von Deert Lafrenz


Zeitgenössische Darstellung des Brandes des Kieler Schlosses in der Nacht vom 15. Auf den 16.3.1838


Wappen- und Audienzsaal des Haupthauses des Schlosses vor dem ersten Weltkrieg


Die Ruine des Kieler Schlosses 1957 gesehen von der Kattenstraße (heutiger Standort des Konzertsaales) auf einem Gemälde von Franziska Hamann


Dieser Entwurf der Hamburger Architekten Sprotte und Neve für den Wiederaufbau des Kieler Schlosses siegte 1957 im Architektenwettbewerb und wurde realisiert

Beim Aufbau von pfeil.gif (852 Byte) Kiel in den 1230er Jahren ließ Stadtgründer Graf Adolf IV. von Schauenburg auf der in der Förde gelegenen Halbinsel auch eine Schutzburg für den Handelsplatz pfeil.gif (852 Byte) "tom Kyle" anlegen. Nach 1502 ließ Herzog Friedrich I. von Holstein-Gottorf diese mittelalterliche Burg niederlegen und durch einen ersten Schloßbau, das "Neue Haus", ersetzen. Es wurde 1512 vollendet und 1558 bis 1568 durch den prächtigen Renaissancebau Herzog Adolfs ergänzt. Außen durch einen Kranz von zwölf aufwändigen Ziergiebeln und zwei hochragende Treppentürme geprägt, barg das Innere zahlreiche gewölbte Säle und Kabinette sowie die überaus kostbar ausgestattete Schlosskapelle. 1763 beseitigte Ernst Georg Sonnin, der Baumeister der Hamburger Michaeliskirche, die inzwischen baufälligen Giebel und ersetzte sie durch ein gewaltiges Mansarddach. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Schloß bei mehreren Bombenangriffen bis auf die Außenmauern zerstört. Der Wiederaufbau Kiels als Großstadt wurde durch Stadtbaurat Herbert Jensen geprägt. Er sah für die Altstadt die Erhaltung des mittelalterlichen Stadtgrundrisses und somit auch des Schloßstandortes vor. Der Wiederaufbau des Schlosses sollte zunächst umfangreiche Teile der historischen Mauern mit einbeziehen. Am Ende blieb nur der sogenannte Rantzaubau, also der Westflügel der barocken Schlosserweiterung von 1697, übrig. Den bundesweiten Architektenwettbewerb zum Neubau des Schlosses gewannen 1957 die Hamburger Architekten Sprotte und Neve. Sie ließen sich bei ihrer Planung vom historischen Gebäude inspirieren und schufen in den Jahren 1961 bis 1963 einen strengen Backsteinkubus mit knapper Dachzone und angesetztem Turm. Haupthaus und historischer Westflügel wurden durch einen auf Stützen gestellten, mit weißem Marmor verkleideten Riegel verbunden, der die Stelle des alten Südflügels einnimmt.

Noch auf der alten Burg huldigte am 4. 4.1460 der holsteinische Adel dem dänischen König Christian I. In einer "Tapferen Verbesserung" präzisierte der König das kurz zuvor ausgestellte pfeil.gif (852 Byte) Privileg von Ripen. Das neue Schloß des 16. Jahrhunderts wurde überwiegend als Witwensitz, später auch als Verwaltungssitz genutzt. 1665 feierte man dort die Gründung der pfeil.gif (852 Byte) Christian-Albrechts-Universität. Im Nordischen Krieg verloren die pfeil.gif (852 Byte) Gottorfer Herzöge den Schleswiger Anteil ihres Herrschaftsgebietes, und Kiel wurde in der Folge anstelle von pfeil.gif (852 Byte) Schleswig Residenzstadt. 1725 heiratete Herzog Carl Friedrich in Petersburg Anna Petrowna, die älteste Tochter Zar Peters des Großen. Am 26. August 1727 hielt das Herzogspaar unter großem Jubel der Bevölkerung einen glanzvollen Einzug in die Stadt und das Schloß Kiel. Der einzige Sohn aus dieser Ehe, Carl Peter Ulrich, wuchs nach dem frühen Tod seiner Eltern in Rußland auf und gelangte als Peter III. für kurze Zeit auf den Zarenthron. Seine Ermordung machte den Weg frei für seine Gemahlin, die spätere Zarin Katharina die Große. Sie rettete das inzwischen marode Schloß vor dem Verfall. 1773 wurde dort der Gottorfer Reststaat an den dänischen König übertragen und damit der dänische pfeil.gif (852 Byte) Gesamtstaat vollendet. Zu Beginn der schleswig-holsteinischen pfeil.gif (852 Byte) Erhebung 1848 konstituierte sich im Schloß die Landesversammlung. Ein Jahr nach der Annexion der Herzogtümer Schleswig und Holstein nahm der preußische König dort seine neue Provinz Schleswig-Holstein förmlich in Besitz. Von 1888 bis 1918 hatte Prinz Heinrich von Preußen, der Bruder des letzten deutschen Kaisers, seinen Dienstwohnsitz als Großadmiral und zeitweiliger Chef der Hochseeflotte auf dem Schloß. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Idee aus den 1930er Jahren wieder aufgegriffen, das Schloß zu einem Haus der Landeskultur zu machen. Bis zum Frühjahr 2002 waren im Neubau unter anderem die Landesbibliothek und das Landesamt für Denkmalpflege untergebracht. Sie mußten in den umgebauten Sartori & Berger-Speicher an der Förde umziehen. Das Land versucht derzeit, das Schloß zu verkaufen. Sein künftiger Zweck ist umstritten. Nachdem der Plan, dort ein Spielcasino anzusiedeln, fehlgeschlagen war, stand der Hauptbau des Schlosses zur Disposition, um Platz für eine Seniorenresidenz zu schaffen. Auch dieses Projekt ist inzwischen gescheitert. Die Debatte um die Zukunft des Schlosses dauert an. Nach Ansicht der Kritiker ist es schwer zu ertragen, wenn das Schloß nach fast 700 Jahren seine zentrale Funktion für das Land verlieren sollte, nachdem es wie eine beliebige Landesimmobilie verramscht worden ist.

Deert Lafrenz/-ju- (0902)

Quellen: Deert Lafrenz, Statement Denkmalpflege, in Workshop zum Kieler Schloß, 1/2001; Johannes Habich, Ein geschichtsschwerer Ort, in Wege ins Land, Kulturmagazin der Kieler Nachrichten, 1/2002

Bildquellen: Landesamt für Denkmalpflege

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