Klöster in Schleswig-Holstein |
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![]() Ausschnitt aus einer Stadtansicht: Kloster und Klosterkirche von Segeberg um 1594 |
Das christliche Mönchtum
hatte bereits eine nahezu tausendjährige Geschichte hinter sich, als im 12.
Jahrhundert die ersten Klöster nördlich der Elbe entstanden. Zwischen
Hamburg und Lübeck bis hoch zur Königsau gab es rund 50 Klöster
verschiedener Orden beziehungsweise klosterähnliche Institute. Sie waren
späte Ableger einer südlich der Elbe entwickelten Glaubenskultur, die
übernommen wurde und im Norden keine besonderen Impulse erfuhr. Den Anfang
machten die Benediktiner, ihnen folgten erst dies Zisterzienser, dann die
Bettelorden und weitere Gemeinschaften. Die Zeit der Klöster endete im
Norden im 16. Jahrhundert mit der Reformation. Nur vier Häuser auf dem
Gebiet des heutigen Schleswig-Holstein wurden als Damenstifte weitergeführt.
So erinnern uns heute vor allem Baudenkmäler an die Zeit, in der Nonnen und
Mönche auch hierzulande ein fester Teil der
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Die Wurzeln des Mönchtums
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![]() Das Schreiben gehörte zu den typischen Tätigkeiten der Mönche. Abbildung eines Benediktiners aus einer verlorenen Notkerhandschrift |
Zu Beginn des 4. Jahrhunderts
stellte der Bischof, Theologe und Kirchenhistoriker Eusebius von Caesarea
(gestorben 339) fest, daß sich innerhalb der christlichen Kirche eine
eigenständige mönchische Lebensform herausgebildet habe. Diese “führt über
die Natur hinaus, hat nichts zu tun mit der gewohnten und normalen
Lebensweise. Sie gestattet die Ehe nicht noch das Zeugen von Kindern. Den
Erwerb von Eigentum duldet sie nicht. Sie verwandelt die Lebensgewohnheiten
der Menschen von Grund auf und macht, daß sie, von himmlischer Liebe
angespornt, nur noch Gott dienen. Diejenigen, die sich zu dieser Art von
Leben bekehrt haben, sind für die hergebrachte Lebensweise wie abgestorben
und leben nur noch mit dem Körper auf der Erde, da ihre Seele auf
geheimnisvolle Weise schon in den Himmel eingegangen ist”. Eusebius
schildert in idealisierter Form Züge des christlichen Mönchtums, die es bis
heute ganz wesentlich prägen: Askese, Armut und Abkehr von der “Welt”. Jesus
war zwar kein Asket, aber sein Leben wies asketische Züge auf und wurde
schon im frühen Christentum asketisch gedeutet. Seit der Mitte des 3.
Jahrhunderts suchten Einsiedler in der Nachfolge Christi die Askese
außerhalb der christlichen Gemeinden. Am bekanntesten sind die ägyptischen
Eremiten, die zunächst weitgehend allein lebten. Das Wort “Mönch” leitet
sich auch von griechisch “monachos” ab und bedeutet: “der, der allein oder
einzigartig lebt”. Bald aber entstand ebenfalls in Ägypten unter Pachomius
(ca. 290 - 346/7) das koinobitische Mönchtum (von griechisch “koinos bios”
für “gemeinsames Leben”), das sich auf lange Sicht als die eigentlich
mönchische Lebensform durchsetzen sollte. Im Abendland dominierte das
Koinobitentum gleichfalls die Entwicklung des Mönchtums. Früh entstanden
hier auch Frauenkonvente.
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Beten und arbeiten
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![]() St. Johannis in Schleswig: die einzige noch erhaltene Klosteranlage in Schleswig-Holstein: Im Zentrum der Kreuzgang, oben die Kirche, unterhalb des westlichen Eingangs der Kapitelsaal, unten rechts der Speisesaal - das Refektorium, an der linken unteren Seite das Amtshaus, rund um den Kreuzgang die Schlafräume - das Dormitorium |
Zunächst existierten viele
verschiedene Lebensformen mit eigenen Regeln nebeneinander. Erst zu Beginn
des 9. Jahrhunderts wurde unter Karl dem Großen und Ludwig dem Frommen die
Regel Benedikts von Nursia (gestorben um 560) die allein gültige. Nach der
Benediktregel sollen sich die Nonnen und Mönche “von allen weltlichen
Angelegenheiten fern halten” und gemeinschaftlich beten und arbeiten (“ora
et labora”). Der Tagesablauf im Kloster wird durch acht gemeinsame
Gebetszeiten genau geregelt. Über die Einhaltung der Ordnung haben die
Äbtissin oder der Abt, die mit umfangreichen Vollmachten ausgestattet sind,
zu achten. Vom Anfang des 9. Jahrhunderts stammt der St. Galler Klosterplan,
der als idealer Bauplan die Reform des Mönchtums auf der Grundlage der
Benediktregel ergänzte. Nach diesem Plan steht im Zentrum einer jeden
Klosteranlage die Kirche mit dem Klausurbereich (Kreuzgang mit den
Wohngebäuden der Mönche beziehungsweise der Nonnen). Bis heute prägen diese
Vorgaben die Klosterarchitektur und unser Bild davon, wie ein Kloster
auszusehen hat.Der Verfall der Regel BenediktsFür mehrere Jahrhunderte bildete die Benediktregel die Grundlage des abendländischen Mönchtums. Aber es gelang den Mönchen und Nonnen nicht immer, sich “von allen weltlichen Angelegenheiten fern zu halten”. Dies lag nicht nur an den nahezu unerfüllbaren Auflagen der Regel Benedikts. Die Klöster wurden von Königen, Adligen und Bischöfen gegründet, die dafür häufig Gegenleistungen erwarteten. Unverheiratete Töchter wurden in Klöstern untergebracht. Laien wünschten immer wieder das Grab im Kloster und ließen dort für ihr Seelenheil beten. Große Konvente hatten Aufgaben für König und Reich zu erbringen, mußten mitunter Truppen stellen und den König und seinen Hof beherbergen, wurden zur Mission herangezogen usw. Für diese Dienste wurden die Klöster beschenkt und privilegiert, sie wurden reich und zu feudalen Grundherrn. So verfiel oft das strenge Klosterleben und wurde Kritik an den Zuständen in den Konventen laut. Deshalb kam es wiederholt zu Reformen, insbesondere durch die Cluniazenser im 10. Jahrhundert und die Zisterzienser im 12. Jahrhundert. Auf der Basis der Benediktregel entwickelte sich daher eine Vielzahl von Lebensweisen und Orden. In diesem Zusammenhang sind auch die Augustiner-Chorherren zu erwähnen, die zwar Weltgeistliche waren, aber im 11. und 12. Jahrhundert die Regel des heiligen Augustinus (354 -430) annahmen und in ähnlicher Weise wie die Mönche lebten. Diese Regel befolgten auch die Augustinerinnen.
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Vorposten der Mission
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![]() Die ehemalige Franziskaner-Klosterkirche in Kiel |
Bis in das 8. Jahrhundert
hinein, blieben die Menschen nördlich der Elbe Heiden. Erst Karl der Große
unterwarf Anfang des 9. Jahrhunderts die Holsten und begann die
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Landesherren als Klostergründer
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![]() Klöster am Ende des Mittelalters: Vierecke: Männerklöster, Gelbe Punkte: Frauenklöster, rote Punkte: Frauenklöster oder Stifte, die nach 1581 verblieben sind |
Die älteste benediktinische
Anlage war um 1140 an der Michaeliskirche zu
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Die Bettelorden
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![]() Dominikanermönch auf der Kanzel: Das Wort Gottes in der Stadt zu verkünden, galt als eine der zentralen Aufgaben der Bettelmönche |
Die Bettelorden entstanden zu
Beginn des 13. Jahrhunderts. Mit ihnen orientierte sich das Mönchtum neu.
Die Bettelorden beriefen sich nicht auf die Regel Benedikts. Sie strebten
zwar ebenfalls nach Askese und Armut, radikalisierten jedoch das
Armutsgebot: Nicht nur die Mönche, sondern auch die Klöster und Orden
durften über keinen Besitz verfügen. Die Brüder sollten allein vom Betteln
leben. Die neuen Orden suchten auch nicht mehr die Abgeschiedenheit, die
Klausur, sie begaben sich in die “Welt”, ließen sich in den aufstrebenden
Städten nieder, um unter den Bürgern zu predigen und seelsorgerisch zu
wirken. Am bekanntesten sind die Dominikaner und Franziskaner mit ihren
Ordensstiftern Dominikus von Guzman (um 1170-1221) und Franz von Assisi
(1182-1226). Nördlich der Elbe gab es auf dem Gebiet des heutigen
Schleswig-Holstein im 12. Jahrhundert nur drei
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Adolf IV. - vom Grafen zum Bettelbruder
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![]() Der Kupferstich aus " Westphalens Monumenta ineddita" zeigt Lebensstationen von Adolf IV.: Der Graf als Sieger von Bornhöved 1227 und seinen Tod als Mönch in Kiel 1261 |
Auf dem Lande hatte Graf
Adolf IV. insbesondere die Zisterzienserinnen unterstützt. Er stiftete in
den wichtigsten Städten seiner Grafschaft, in Hamburg und
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Die "religiöse Frauenbewegung"
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![]() Das Kloster in Preetz ist bis heute als adliges Damenstift der schleswig-holsteinischen Ritterschaft erhalten
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Während des 12. und 13.
Jahrhunderts hatten die Zisterzienserinnen und die Nonnenkonvente der
Bettelorden einen so starken Zulauf, daß in der Forschung von einer
“religiösen Frauenbewegung” gesprochen wird. Im Unterschied zu der modernen
Frauenbewegung hatte die des Mittelalters zwar durchaus emanzipatorische
Züge, war aber vor allem religiös geprägt. Die Orden sahen sich bald
außerstande, alle Frauen, die Nonne werden wollten, auch aufzunehmen. Daher
begannen am Ende des 12. Jahrhunderts Frauen in Flandern, sich in Beginenkonventen zusammenzuschließen. Diese Konvente waren keine
klösterlicher Gemeinschaften im engeren Sinne, denn die Beginen legten kein
Gelübde ab, das sie zu dazu verpflichtete, für den Rest ihres Lebens
innerhalb eines Konvents oder Ordens zu verbleiben. Die Beginen führten ein
gemeinsames asketisches Leben, das aus Arbeit, Gebet und mystischer
Versenkung bestand. Die Konvente wurde Heimat für unverheiratete Frauen und
boten die Möglichkeit, ein selbstbestimmteres Leben zu führen, als dies in
dieser Zeit in der Rolle einer Nonne, Ehefrau oder Dienstmagd möglich war.
Mehrere Beginenkonvente sind seit 1255 in Hamburg und Lübeck überliefert,
wobei das Haus in Hamburg von den Schauenburger Grafen gegründet wurde. In
der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts fanden sich Anlagen der Beginen in
Lübeck, Plön, Neustadt und Neumünster, die nach der Augustinusregel lebten
und sich “Schwestern vom gemeinsamen Leben” nannten.
Das SpätmittelalterDer Zeit des Spätmittelalters (14. und 15. Jahrhundert) fehlen die großen Reformbewegungen wie die der Zisterzienser und Bettelorden im 12. und 13. Jahrhundert. Aber der häufig erhobene Vorwurf, das Spätmittelalter sei unfähig zur Reform gewesen und habe damit der Einführung der Reformation Vorschub geleistet, trifft nicht zu. Gewiss, Missachtung der klösterlichen Regeln und ein Verfall der monastischen Lebensformen wurden insbesondere im 15. Jahrhundert beklagt. Es sind aber auch neue Orden entstanden und entwickelten sich Reforminitiativen in den bestehenden. Die neuen Orden breiteten sich allerdings nicht so weit aus wie die Zisterzienser oder die Bettelorden. In Schleswig-Holstein entstanden nur wenige neue Klöster: Mohrkirchen (Antoniter), Ahrensbök (Kartäuser), Kuddewörde (Wilhelmiten) und das Lübecker St. Annenkloster (Augustinerinnen) gehörten zu Reformorden des 12. Jahrhunderts. In Marienwohlde gründeten Bischof Detlef von Ratzeburg und Herzog Erich V. von Sachsen-Lauenburg ein Birgittenkloster. Der Birgittenorden war die bedeutendste Neugründung eines Klosterverbundes im 14. Jahrhundert. Er geht zurück auf die schwedische Mystikerin und Visionärin Birgitta von Vadstena (1301/03-1373). Als Beispiele für Erneuerungsbewegungen der älteren Orden seien unter den Benediktinern die Bursfelder Kongregation (seit 1434) und die franziskanischen Observanten (seit etwa 1350) genannt. Die Bursfelder Reformbestrebungen erreichten in Schleswig-Holstein Cismar und Preetz, die Observanz wurde seit dem Ende des 15. Jahrhunderts in Lunden, Husum, Schleswig, Flensburg und Tondern eingeführt.
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Die Reformation und das Ende der Klöster
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![]() Die ehemalige Klosterkirche in Segeberg ist steinerner Zeuge der Zeit der Klöster in Schleswig-Holstein |
Die
Thomas Hill (TdM 0803) Quellen: Luise Siemen: Die schleswig-holsteinischen Frauenklöster in ihrer geschichtlichen Entwicklung und geistigen Struktur, Kiel 1940; Günter Peters: Norddeutsches Beginen- und Begardenwesen im Mittelalter, in: Niedersächsisches Jahrbuch für Landesgeschichte 41/41 (1969/70), S.50-118; Erwin Freytag: Die Klöster als Zentren kirchlichen Lebens, in: Schleswig-Holsteinische Kirchengeschiche, Bd.1, Teil I, Neumünster 1977, S.147-202; Wolf-Dieter Hauschild: Kirchengeschichte Lübecks, Lübeck 1981, bes. S.105-128; Ulrich Faust (Bearb.): Germania Benedictina, Bd.6, 11 und 12, St. Ottilien 1979, 1984 und 1994; Thomas Hill: Könige, Fürsten und Klöster. Studien zu den dänischen Klostergründungen des 12. Jahrhunderts, Frankfurt/M.-Bern-New York-Paris 1992 (Kieler Werkstücke, Reihe A 4); Georg Schwaiger (Hg.): Mönchtum, Orden, Klöster. Von den Anfängen bis zur Gegenwart, München 1993; Thomas Hill: Königtum und Bettelorden im mittelalterlichen Dänemark, in: Dieter Berg (Hg.): Könige, Landesherren und Bettelorden. Konflikt und Kooperation in West- und Mitteleuropa bis zur frühen Neuzeit, Werl 1998 (Saxonia Franciscana 10), S.175-206; Reimer Hansen: Die Klöster des Landes Dithmarschen. Einrichtungen für das Heil und zum Schutz der spätmittelalterlichen Bauernrepublik, in: Franz J. Felten, Nikolas Jaspert (Hg.): Vita Religiosa im Mittelalter. Festschrift für Kaspar Elm zum 70. Geburtstag, Berlin 1999, S.563-579; Enno Bünz: Zwischen Kanonikerreform und Reformation. Anfänge, Blütezeit und Untergang der Augustiner-Chorherrenstifte Neumünster-Bordesholm und Segeberg (12.-16. Jahrhundert), Paring 2002; Gudrun Gleba: Klöster und Orden im Mittelalter, Darmstadt 2002 (Geschichte kompakt). Bildquellen: Segeberg: Kreisarchiv Plön; Schreibender Mönch: aus Leben im Mittelalter, Büchergilde Gutenberg 1986; Plan Schleswig: Richard Haupt; Kiel: Landesamt für Denkmalpflege; Übersicht: Entwurf Wolfgang Prange, Grafik von Erwin Raeth, aktualisiert 2003 nach Hill; Dominikaner: Niedersächsische Landesbibliothek Hannover; Preetz: Kreisarchiv Plön; Trunkener Abt: Graphische Sammlung Albertina, Wien aus Katalog: Martin Luther und die Reformation in Deutschland, 1983; Segeberg: Landesamt für Denkmalpflege |
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