Krabbenfang |
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![]() Heimfahrt des Holzkutters „Hus 38“ von Claus Laß jun. Möwen warten auf ihren Anteil am Fang. Die Backbord Baumkurre liegt an Deck |
Krabbenkutter im Wattenmeer,
deren weit ausholende Fanggeschirre mit den mächtigen, trichterförmigen
Netzen umkreist werden von einem Schwarm hungriger Möwen, wirken heute so
typisch, als sei es immer schon so gewesen. Doch der erwerbsmäßige Fang der
Sandgarnelen – biologisch: crangon crangon – begann an der Westküste
Schleswig-Holsteins erst nach der Mitte des 19. Jahrhunderts im Zuge der
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Von der Hand auf das Feld |
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![]() 1931: Die "Gliep" der Familie Hansen trocknet nach dem "Porrnstriek" im Watt auf der Warft Treuberg auf der Hallig Nordmarsch-Langeneß
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Die gesamte Fischerei war,
bis auf eine Blüte beim Heringsfang (
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Krabbenfang mit Gliep, Puk und Jall |
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![]() Mit Gliep und Korb kehrt Peter Hansen Norderhörn vom Krabbenfang zurück |
Gefangen wurden die Krabben
noch in Sperrnetzen oder bei Ebbe mit Schiebenetzen – auch Schiebehamen
genannt - in den flachen Gewässern und Prielen. Diese Schiebenetze werden
regional als Gliep (Nordfriesland), Puk (Pellworm) oder Jall (Dithmarschen)
bezeichnet. Pastor Lorenz Lorenzen (1720-1790) von der
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Wandel durch die Industrialisierung |
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![]() „Büsumer Krabbenfängerin“ auf einem Holzstich von 1860
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Menge und Qualität der
Krabbenfänge blieben auf Grund der Fangmethoden äußerst gering. Erst im Zuge
der Industrialisierung, die im Norden um die Mitte des 19. Jahrhunderts
einsetzte, begann der Wechsel von der Eigenbedarfs- zur Erwerbsfischerei.
Sie war nur wirtschaftlich zu betreiben, wenn die Fänge über den örtlichen
Bedarf hinaus gesteigert und vermarktet werden konnten. Grundlage dafür bot
vor allem der Ausbau der
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Ein neuer Beruf entsteht |
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![]() 1940 - Ein typisches Bild: Der Husumer Fischer Friedrich Rohde steuert seinen Kutter „Hus 22 – Annemarie“ aus dem „Pottloch“
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An der Westküste gab es zwar
Krabben, jedoch keine Berufsfischer. Sie wanderten erst Ende des 19.
Jahrhunderts ein. Der neue Erwerbszweig entstand ganz im Sinne der Politik
des jungen Kaiserreichs. Von 1880 an wurde die Fischerei durch den Staat
gefördert. Ziel war es, mehr Fisch als preiswertes Nahrungsmittel für die
wachsenden Industriezentren auf den Markt zu bringen. Büsum in Dithmarschen
wuchs so zum Beispiel durch zugewanderte Fischer aus Blankenese und
Finkenwerder sowie Ostpreußen zum größten Anlandeplatz an der Westküste. Es
war jedoch nicht allein die Aussicht auf ein neues, lukratives Geschäft, die
die Fischer an die Westküste umsiedeln ließ. Während die Hochseefischerei
weiter expandierte, brach die Elbfischerei zusammen, weil die Bestände in
der Niederelbe rapide abgenommen hatten. Der Stör als Hauptbeute war
überfischt. Mit immer engeren Maschen und schließlich auch Fängen während
der Laichzeit, hatten die Elbfischer versucht, sich der neuen Konkurrenz auf
der hohen See durch die Fischdampfer zu erwehren. Das Ende der Elbfischerei
hatte jedoch auch ökologische Gründe: Von Tschechien bis Brunsbüttel wuchsen
im Zuge der Industrialisierung die Städte. Nicht nur immer mehr Fäkalien
gelangten ungeklärt in den Strom, von der neuen Schwerindustrie in Böhmen
bis hin zu den Chromgerbereien in
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Der Krabbenkutter wird erfunden |
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![]() Seitenriß des ersten speziellen Krabbenkutters, den Gustav Junge baute |
Die erwerbsmäßige
Krabbenfischerei begann mit offenen Ruder- oder Segelbooten von fünf bis
acht Meter Länge. Sie wurden bald abgelöst durch größere Fahrzeuge, die
halb- oder ganz gedeckt waren. Zunächst gab es für die Garnelenfischerei
keine spezialisierten Schiffe. Das änderte sich erst kurz vor 1900. Gustav
Junge aus Wewelsfleth wurde zum Pionier des Baus von Krabbenkuttern. Auf
seiner Werft an der Störmündung entstand 1898/99 der zehn Meter lange und
3,75 Meter breite Kutter SH 3858 „Anna Margaretha“. Junge paßte damit einen
neuen Schiffstyp für die Hochseefischerei den speziellen Verhältnissen im
Watt an. Seine Kutter mit breitem Heck waren kleiner und hatten nur einen
Meter Tiefgang und damit weit weniger als die Hochseekutter. Die ersten
Kutter von Gustav Junge fuhren mit einem Giek- und einem Focksegel und waren
für zwei Mann ausgelegt, die vorn im Logis Unterkunft fanden. Der eiserne
Kessel mit Feuerung zum Kochen der Krabben stand auf dem Vorderdeck. Eine
entscheidende Innovation war auch die per Hand betriebene Winde zum Aufholen
des Netzes. Es konnte nun an Deck gehievt und entleert werden. Nicht mehr
länger mußten die Krabben mühsam aus dem „Steert“ genannten Netzende im
Wasser auf das Heck des Bootes gekeschert werden.
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![]() 1936 - Neubau eines Kutters auf der Tönninger Werft: Zu erkennen ist die typische Rumpfform und das Spiegelheck |
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Der Motor kommt an Bord |
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![]() Bis zum Zweiten Weltkrieg unterschieden sich die motorisierten Kutter kaum von den alten Segelkuttern
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Neben dem Kutter behauptete
sich anfangs die flachere und im allgemeinen kleinere Jolle, ein meistens
gedecktes, kutterähnliches Fahrzeug, das sich zum Befahren besonders flacher
Wasserrinnen vorzüglich eignete und vor Süderdithmarschen und im
nordfriesischen Wattenmeer vorherrschte. Vor dem Ersten Weltkrieg begann die
Motorisierung in der Krabbenfischerei. Als Antrieb verließen sich die
Fischer vorerst noch auf die Segel. Die Benzinmotoren wurde zuerst genutzt,
um die zwar vom Arbeitsablauf weit praktischere, aber ungemein anstrengende
Handarbeit an der Winde zu ersetzen. Erst im zweiten Schritt wurde der Motor
auch für den Antrieb einer Schraube genutzt. Die Benzinmotoren kamen jedoch
schnell in Verruf, weil sie im Wortsinn „brandgefährlich“ waren. Sie wurden
bald für den Betrieb mit Petroleum umgerüstet. Bis in die 1950er Jahre war
über dem Wattenmeer auch das ruhige „Blubb-Blubb“ der wirtschaftlichen und
grundsoliden Glühkopfmotoren zu hören. Doch setzten sich schlußendlich
Dieselmotoren als Antrieb der Kutter durch. Mit dem Motor veränderte sich
das Aussehen der Kutter. Wo der Skipper früher im Pottloch an Deck stand, um
die Pinne zu führen, war nun der Motor eingebaut. So wurde darüber ein
Ruderhaus gebaut und per Rad gesteuert. Die Motoren wurden im Lauf der Zeit
immer stärker. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die 100-PS-Marke
durchbrochen. Das war notwendig, weil die Kutter nun nicht länger nur ein
Netz schleppten, sondern an jeder Seite einen Baum mit Netzkurre fuhren.
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Krabbenfang mit „Baumkurren“ |
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![]() Das ostpreußische „Keitelnetz“ gilt als Vorläufer des „Trawls“ – des Grundschleppnetzes – der Nordsee
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Die Fischerei mit
Schleppnetzen ist seit dem 14. Jahrhundert in England bekannt. Wohl über
Holland hat sich ihr Gebrauch bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts an der
gesamten Nordseeküste durchgesetzt. So war bei den holländischen
Hochseefischern bereits Ende des 18. Jahrhunderts ein Netz in Gebrauch,
welches „Kurr“ hieß. Kenntnisse über die Schleppnetzfischerei gelangten
jedoch auch aus dem Osten Deutschlands nach Schleswig-Holstein, aus
Ostpreußen und Pommern. Der Keitel, ein Netzsack ohne Flügel, wurde von
einem schweren Fahrzeug mit zwei Mann Besatzung geschleppt und gilt als
Vorläufer des Trawls (Grundschleppnetz) der Nordsee. Für den Fang von
Krabben entwickelte sich daraus ein besonderes Fanggeschirr, die
„Baumkurre“. Sie arbeitet im Prinzip wie die Gliep, wird jedoch gezogen und
nicht geschoben und ist mit einer Breite von bis zu zehn Meter um ein
vielfaches größer. Das Netz wird durch einen Querbaum offengehalten, dessen
beide Enden auf einem dreieckigen, kufenartig gebogenen Gestell aufliegen,
„Bügel“ oder „Schlitten“ genannt. Das Netz ist, je nach Baumlänge, zehn bis
zwölf Meter lang. Etwa ein Drittel nimmt das feinmaschige Netzende, der „Steert“,
ein, der den Fang birgt. Die Oberkante des Netzes (Obersimm) ist am Baum
befestigt, die Unterkante (Grundtau) besteht aus einer Kette, an der etwa 40
Rollen aufgereiht sind, welche die Krabben aufscheuchen und in das Netz
treiben.
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Krabbenkochen an Bord |
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![]() Der Husumer Fischer Kurt Laß beim Keschern der gekochten Krabben. Im Hintergrund ist das Kühlsieb sichtbar
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Die Krabben wurden anfangs an
Bord nur gesiebt und roh an Land gebracht. Erst im Hafen oder zu Hause wurde
der Fang gekocht. Da Krabben nur lebend verwertbar sind, verdarb der Fang,
wenn der Rückweg unter Segeln zu lange dauerte. So versuchten Büsumer
Fischer, den Fang auf dem kleinen Herd im Mannschaftslogis zu verarbeiten.
Doch war diese Methode so zeitraubend, daß ein Großteil der Krabben vorher
abstarb und unbrauchbar wurde. Erfolgreicher war das Verfahren, große Kessel
oben an Deck zu installieren und darin die Krabben fangfrisch zu kochen. Auf
Tönninger Booten experimentierte man zunächst mit Backsteinherden, dann
wurden Waschkessel, umfunktionierte Brennstoffässer oder Kochkessel mit
einer Feuerstelle darunter genutzt, anfangs mit Kohle, später mit Öl
befeuert. Zu Beginn befand sich der Kochkessel mit im Pottloch, dem
Ruderstand des Fischers. Als die Kutter mit festen Ruderhäusern versehen
wurden, wanderte die Krabbenkessel für inzwischen 100 Liter dahinter auf das
Achterdeck. Die nach Größe ausgesiebten Krabben wurden darin mit Kochsalz in
Seewasser gekocht. Heute nimmt man nur noch Seewasser. Vor dem Ruderhaus
fand die neue Siebmaschine ihren Platz. Bis Anfang der 1950er Jahre wurde
der gesamte Fang mit Handsieben sortiert. Danach übernahm die
Schüttelmaschine alle Arbeitsgänge: Im Grob- oder „Schietsieb“ bleiben
Beifang wie Schollen oder Seesterne, jedoch auch Müll. Zwei weitere Siebe
trennen die Krabben in marktfähige Speisekrabben sowie Kleinkrabben. Sie
gelten zusammen mit Kleinfischen als „Gammel“. Der wurde früher zu
Tierfutter, also Fischmehl, verarbeitet. Das ist in Schleswig-Holstein seit
1975 verboten. Inzwischen bemühen sich die Fischer, das Absterben der
kleinen Krabben an Deck zu verhindern, und spülen sie zum Erhalt der
Bestände schnell zurück in die Nordsee. Unter anderem deshalb stehen
inzwischen Edelstahltrichter zwischen Großmast und Ruderhaus, aus denen der
Fang unter steter Wässerung mit Gummiraupen auf die Siebmaschine gefördert
wird. Nach dem Sieben wird gekocht. Schließlich kommen die Krabben auf Siebe
zum Kühlen, bevor sie verstaut werden. Ursprünglich wurden dafür Weidenkörbe
benutzt, dann Aluminiumkisten. Heute gibt es Plastikbehälter für bis zu 50
Pfund Krabben.
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Die Krabbe kommt in die Dose |
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![]() Wiegen, deckeln, verlöten: die Konserve machte die Krabbe zum Exportartikel
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Mit Zunahme der Fangmenge um
1890 veränderten sich Gebiete und Organisation des Absatzes. Einzelne
Fischer waren in der Lage, bis zu 250 Kilo am Tag abzuliefern. Von 1900 an
entstand in den Kutterhäfen wie Tönning, Friedrichskoog, Büsum sowie im
Hinterland in Heide und Marne eine leistungsfähige Fischindustrie. Um per
Bahn die neuen Märkte in den großen Städten beschicken zu können, reichte es
nicht, die Krabben nur zu kochen. Sie mußten zusätzlich konserviert werden.
Das notwendige Verfahren entwickelte der Tönninger Otto Freimöller. Das
entschälte Krabbenfleisch wurde durch Zusatz von Borsäure und durch
nachträgliches Erhitzen zu einer haltbaren Dosenkonserve verarbeitet. In
Heide und in Büsum entstanden weitere Fabriken, die nach dieser Methode
arbeiteten. Viele sogenannte „Versandfischer“, bei denen die Fischer ihre
Fänge ablieferten und die für sie den Weiterversand betrieben, übernahmen
ebenfalls dieses Verfahren. 1903 allerdings schon wurde Borsäure für
gesundheitsschädlich erklärt und als Konservierungsmittel für Krabben
verboten. Die Verarbeiter klagten, gewannen den Prozeß in Hamburg, mußte
jedoch die Dosierung des Mittels erheblich reduzieren. Die Säure blieb so
bis Anfang der 1960er Jahre im Gebrauch. Dann wurde sie endgültig verboten.
Benzoesäure ersetzte sie, wirkte jedoch weitaus schwächer. Deshalb wurde mit
erheblichem Aufwand auf Kühlen und Frosten der Krabben umgestellt. Mit der
Möglichkeit des Kühltransportes per LKW war auch das „Pulen“ genannte
Schälen der Krabben nicht mehr allein auf die Umgebung der Häfen beschränkt.
Da es ohnehin vor Ort immer schwieriger wurde, die ermüdende und schlecht
bezahlte Pulerei zu erledigen, begann man, die Krabben zum Schälen nach
Polen zu bringen. Heute fahren die Kühllaster bis nach Marokko, wo es große
Schälzentren mit bis zu 3.000 Arbeiterinnen gibt. 90 Prozent der Fänge
werden inzwischen exportiert, nur ein Zehntel kommen in Norddeutschland auf
den Markt. Seit Jahrzehnten werden auch Versuche unternommen,
Krabbenschälmaschinen zu entwickeln. Solche noch wenig ausgereifte Apparate
laufen bisher bei kleinen Unternehmen in Büsum und Friedrichskoog.
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Zukunftssorgen |
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![]() 1922: Rausgeputzt zur Kutterregatta im Büsumer Hafen. Nach dem Ersten Weltkrieg erreichte die Flotte eine beachtliche Größe
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Die Kutterflotte war nach der Wende vom 19. auf das 20. Jahrhundert rasch angewachsen. Der Fischerei-Almanach listete 1938 allein für Nordfriesland 136 Einheiten auf. Die Flotte umfaßte noch alle Typen vom einfachen Ruder- und Segelboot über Motorboote bis zu Motorkuttern mit 36 PS. Ihre Blütezeit erlebten die Kutterflotten nach dem Zweiten Weltkrieg. So gab es 1951 allein zwischen List und Tönning 210 Fischereifahrzeuge. 1957 waren noch 184 Kutter registriert. Die Gesamtzahl an der Westküste hat sich danach auf rund 100 (45 in Büsum und 54 in Husum/Pellworm/Friedrichskoog) reduziert. Das Sterben der Kutterbetriebe geht absehbar weiter. Parallel ändert sich die Struktur. Die alten bis zu 17 Meter langen Eichenkutter werden zunehmend durch leistungsfähigere Stahlschiffe ersetzt. Diese Kutter sind über 19 Meter lang, hochseetüchtig, um die 300 PS motorisiert, können pro Reise bis zu drei Tonnen verarbeiten und sind umrüstbar für den Fang von Plattfisch oder Kabeljau. Doch haben die Krabbenfischer große Existenzsorgen. Im Gegensatz zur übrigen Fischerei sind ihre Bestände dabei nicht überfischt. Die kleine Zehnfußkrabbe macht so ein Drittel der bundesdeutschen Fischfänge aus. Das ermöglichte es den Fischern an der Westküste über Jahre, den Preisverfall durch erhöhte Anlandungen auszugleichen. Diese Schraube ist nach Ansicht der Landesregierung überdreht. Während die Fänge laut Agrarbericht 2004 relativ stabil bei rund 6.000 Tonnen liegen (mehr als die Hälfte der gesamten deutschen Fänge), fielen die Erlöse der Fischer an der Westküste von 2002 auf 2003 um fast ein Drittel auf knapp 15 Millionen EURO. Die Krabbenfischer beklagen seit Jahren den dramatischen Preisverfall bei steigenden Betriebskosten. Zur Zeit liegt der Erzeugerpreis bei nur maximal 2,15 EURO pro Kilo, 2002 waren es noch 3,52 Euro. Auch die Absprache mit den dänischen und niederländischen Kollegen, freiwillig die Fangmengen zu reduzieren, hat das Problem nicht beseitigt. Die Hauptursache für die Not der Krabbenfischerei wird in der Konzentration des Handels in wenigen Händen gesehen. Allein die holländischen Großhändler beherrschen 85 Prozent des europäischen Krabbenmarktes und können deshalb die Preise weitgehend diktieren. Brigitta Seidel (TdM 0205)
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Literatur: Naschereyen der Londner. Pastetenbäcker-Laden. Fruchtladen. Orangenconsumtion. Austern. Garneelen, S. 294-298, in: London und Paris: eine Zeitschr. mit Kupfern. - Rudolfstadt: Verl. d. Hof-, Buch- u. Kunsth., Bd. 3 (1799); Gert Uwe Detlefsen, Krabben, Garnelen und Granate, 1984, Husum; Heinrich Mehl /Doris Tillmann (Hrsg.), Fischer, Boote, Netze. Geschichte der Fischerei in Schleswig-Holstein, 1999, Heide, Boyens & Co, www.boyens-medien.de; Brigitta Seidel, Küstenfischerei in Nordfriesland, in: Schriftenreihe des Nordfriesischen Schiffahrtsmuseums Husum 3, hrsg. von Klaus Lengsfeld, 1999, Husum, Husum Druck- und Verlagsgesellschaft; Brigitta Seidel, Fischerei in Nordfriesland, S.13-35, in: Heinrich Mehl/Doris Tillmann (Hrsg.), Fischer, Boote, Netze. Geschichte der Fischerei in Schleswig-Holstein, Heide 1999,; Brigitta Seidel, Fischereifahrzeuge in Schleswig-Holstein, S. 94-116, in: Historische Schiffe, hrsg. von Heinrich Mehl, 2002, Heide, Boyens & Co; Brigitta Seidel, Eingewanderte und heimatvertriebene Fischer und ihr Einfluß auf die Fischerei an der Westküste, S. 16-18, in: Schleswig-Holstein 7/8 2003, Husum Druck- und Verlagsgesellschaft, www.verlagsgruppe.de; Rüdiger Berghahn /Ralf Vorberg, Garnelenfischerei und Naturschutz im Nationalpark, Heide 1997 (Schriftenreihe Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer 6), zur Biologie S. 9ff Bildquellen: „Hus 38“- Foto: Hans Hoffmann, Familie Claus Laß; Hallig/Poornstriek/Werft/Büsum 1922 – Foto: Max Broders, Archiv Volquard Broder, Wedel; Riss Kutter – aus Herbert Karting, Schiffe aus Wewelsfleth, Band II, Frachtsegler der Junge Werft, Itzehoe 1981; Krabbenfängerin: Archiv Brigitta Seidel; Pottloch – Foto: Wilhelm Hansen, Husum; Kleiner Motorkutter - Foto: Jeje Ohrt, Pellworm; Keitelnetz – aus Kurzer Abriß der deutschen Seefischerei, Ein Führer durch die Fischereiabteilung des Altonaer Museums, Hamburg 1999; Kochen - Foto: Kurt Laß, Husum;Sieben – Kurt Laß, Husum; Konserven – Foto: Hans Hoffmann, Bildarchiv des Kreisarchivs Nordfriesland; Pulen – Foto: Walter Nehm, Bildarchiv des Kreisarchivs Nordfriesland; SU 12 – Foto: Bruno Hirsch, Husum |