
Von 1954 bis 1976 war das
"Haus der Landwirte" in Kiel Sitz der Landgesellschaft

Bis zum Zweiten Weltkrieg
nahm die Landgesellschaft die regionaltypischen Bauformen auf. Das Bild
zeigt so eine Weiterentwicklung des Geesthardenhauses, wie sie 1938 im
nordfriesischen Osewoldter Koog realisiert wurde

Der Gewinn neuer
Wirtschaftsflächen durch das Urbarmachen von Moorgebieten wurde lange Zeit
betrieben. Das Bild entstand 1940 im trockengelegten Gruber-See-Koog
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Am 2. August 1913 wurde in
Kiel für die Provinz
Schleswig-Holstein die "Landgesellschaft" gegründet. Sie ist heute in
Deutschland die älteste noch bestehende. Bis 1936 firmierte sie als
"Schleswig-Holsteinische Höfebank". Ziel der öffentlich kontrollierten
Gesellschaft war es, durch Landkauf, Landtausch und Hilfen für
landwirtschaftliche Investitionen, die Lebens- und Arbeitsbedingungen auf
dem flachen Lande zu verbessern. Der Anstoß war im Deutschen Reich bereits
1886 aus zunächst nationalpolitischen Motiven heraus gegeben worden. Um den
Anteil Deutscher in den Landgebieten Westpreußens und Posens zu erhöhen,
wurde ein Ansiedlungsgesetz erlassen. Es führte schließlich dazu, daß auch
in den übrigen Gebieten Siedlungsgenossenschaften (Schleswig-Holstein 1909)
entstanden. Aus ihnen entwickelten sich die Landgesellschaften. Eine
wichtige Rolle bekamen sie nach dem Ende des Ersten Weltkrieges. Durch die
Verluste im Osten sowie den der Kolonien mußte für 1,2 Millionen Menschen im
verbliebenen Reichsgebiet eine Lebensgrundlage geschaffen werden. In
Schleswig-Holstein wurden von der Landgesellschaft bis 1939 6.600 neue
Siedlerstellen mit 91.000 Hektar geschaffen. Dieselbe Aufgabe stellte sich
in einer ungleich größeren Dimension nach dem Zweiten Weltkrieg erneut:
Allein nach Schleswig-Holstein strömten in kurzer Zeit über eine Million
Flüchtlinge und
Vertriebene. In ihrer Mehrzahl
kamen sie aus der Landwirtschaft. Bis 1960 schuf die Landgesellschaft 14.000
neue Siedlungsstellen. Allerdings waren die mit durchschnittlich nur noch
gut drei Hektar Fläche auf Dauer wirtschaftlich nicht überlebensfähig (
Höfesterben). Den Wandel in
der Landwirtschaft spiegelt auch die zentrale Rolle der Landgesellschaft,
die sie im Zuge der Flurbereinigung (
Programm Nord) bekam. 1973
mußte sich das Institut erneut neu ausrichten. Mit dem von Bund und Land
gemeinsam getragenen neuen Instrument der Gemeinschaftsaufgabe "Verbesserung
der Agrarstruktur und des Küstenschutzes" erweiterte sich die Aufgabe der
Landgesellschaft. Sie war nicht länger allein auf die Landwirtschaft
ausgerichtet, sondern wurde zu einem Instrument des umfassenden
Flächenmanagements. Damit fällt ihr seitdem auch die Aufgabe zu, Land für
Infrastrukturmaßnahmen und den Naturschutz bereitzustellen. 1996 ging die
Landgesellschaft als eigenständiger Teil in der landeseigenen
Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) auf. Die LEG wurde 2001 zu gut 49
Prozent privatisiert und soll zum 1. Januar 2004 vollständig veräußert
werden. Die Landgesellschaft soll danach als eigenständige GmbH in der LEG
unter maßgebenden Einfluß des Landes erhalten bleiben. Sie hat heute 60
Mitarbeiter und verfügt über einen Landbesitz von rund 5.000 Hektar.
-ju- (0903)
Quellen:
LEG-Schleswig-Holstein; Landesregierung SH
Bildquellen:
Traulsen, Becker, Kiekebusch, 50 Jahre Schleswig-holsteinische
Landgesellschaft, 1963, Schmidt & Klaunig; 75 Jahre Schleswig-Holsteinische
Landgesellschaft, 1988, Neumünster, Wachholtz Druck |