
Das Lübecker Rathaus in einer Aufname von 1904

Luftansicht auf das zerstörte Lübeck. Das Bild ist undatiert und muß
zwischen 1942 bis 1944 entstanden sein.

|
Lübeck ist die einzige Stadt des
Bundeslandes Schleswig-Holstein mit einer internationalen historischen Bedeutung, die vor
allem in seiner ehemaligen Funktion als "Haupt der Hanse" wie auch
dem im Mittelalter weit verbreiteten Lübischen Recht liegt. Die historische
Altstadt mit ihren fünf Kirchen ist seit 1987 als UNESCO-Weltkulturerbe eingetragen. Die
Marienkirche gilt als Hauptbau der norddeutschen Backsteinarchitektur und war Vorbild für
viele Kirchenbauten im Ostseeraum. Lübeck entstand nach der Eroberung Wagriens
durch die Holsten aus einer schon bestehenden Niederlassung deutscher Kaufleute auf einer
von der Trave und der Wakenitz umflossenen Halbinsel. 1143 erhielt die Siedlung vom Grafen
Adolf II. die
Stadtrechte verliehen. Der Name "Lubeke" nahm den des slawischen
Liubice auf, eines traveabwärts gelegenen Handelsortes, der 1138 zerstört worden war.
Die neue Stadt entwickelte sich rasch. Heinrich der Löwe erzwang die Übergabe Lübecks
an ihn. 1159 ließ er sie nach einem Brand wieder aufbauen, 1160 verfügte er, den
Bischofssitz von Oldenburg nach Lübeck zu verlegen. Drei Jahre später wurde der erste
Dom geweiht. Im 12. und 13. Jahrhundert entwickelte sich Lübeck rasant (1300: 20.000
Einwohner). Die Entwicklung zu einer mittelalterlichen Großstadt wurde auch durch zwei
Stadtbrände 1251 und 1276 nicht nachhaltig gestört. Politisch war Lübeck unter Heinrich
dem Löwen zunächst Zentrum der Landesherrschaft. Nach dessen Absetzung unterwarf sich
die Stadt 1181 Kaiser Friedrich I. und wurde eine kaiserliche Stadt. Nach kurzer
dänischer Herrschaft erreichte Lübeck 1226 das sogenannte
"Reichsfreiheitsprivileg" von Kaiser Friedrich II. Als freie Reichsstadt war
Lübeck nun direkt dem Kaiser unterstellt und keinem benachbarten Territorialherrn mehr
unterworfen. Im Mittelalter verlieh diese starke politische Eigenständigkeit auch die
Möglichkeit, die Wirtschaft zu entwickeln. Seine geographische Lage sicherte Lübeck eine
zentrale Rolle im Fernhandel im nördlichen Europa. In der Stadt wurden die Güter aus der
Region und des Fernhandels veredelt (Gerber, Kürschner, Rosenkranzmacher, Metallgewerbe),
Transit und Umschlag liefen über seine Speicher. Lübeck war die Drehscheibe für
Luxuswaren wie Pelze und Wachs, die gegen Tuche und Metall getauscht wurden, für
Massengüter wie Getreide, Flachs, Hanf, Holz sowie Produkte der Viehwirtschaft zwischen
Skandinavien und Nordosteuropa einerseits sowie West- und Mitteleuropa andererseits. Rund
150 Jahre, etwa von 1200 bis 1350, mußten diese Waren über Lübeck gehen. Dazu baute die
Stadt ihre beherrschende Stellung im Handel mit
Hering von Rügen und Schonen sowie Salz
aus Lüneburg aus. Seit Mitte des 13. Jahrhunderts wurde Lübeck von den anderen
niederdeutschen Handelsstädten aufgrund seiner weitverzweigten Handelsinteressen und
seiner politischen Handlungsfreiheit immer häufiger mit der Interessenvertretung aller
betraut. Die Stadt wurde so zum "Haupt der Hanse", deren
Anfänge bis 1161 zurückreichen. Der Erfolg der Hanse beruhte auf gemeinschaftlich
erreichte Handelsprivilegien in Russland, Schweden, Dänemark, Norwegen und England sowie
auf einem innerhansischen System gegenseitig gewährter Vorteile. Es blieb bis in das
15.Jahrhundert stabil. Bis 1669 wurde die gemeinsamen Probleme auf Hansetagen beraten, die
meist in Lübeck stattfanden. Der Verfall der Hanse begann im 16. Jahrhundert. Im Zeitalter der Entdeckungen orientierte sich Europa neu. Die Seefahrt löste die Küstenfahrt ab. Auch der bis dahin durch Privilegien geschützte hansische Handel rund um die Ostsee begann die Konkurrenz der Niederlande als aufsteigende erste Welthandelsmacht zu spüren. Der in Folge der inneren Unruhen nach der
Reformation 1533 als erster Protestant zum Bürgermeister aufgestiegene Jürgen Wullenwever stürzte Lübeck 1533 in die
Grafenfehde. Der Krieg gegen Dänemark hatte zum Ziel, die Niederländer vom Ostseehandel auszuschließen. Nach anfänglichen Erfolgen endete er für die Hansestadt 1536 in einem Fiasko. Wullenwever hatte schon 1535 abgedankt und wurde zwei Jahre später in Wolfenbüttel hingerichtet. Die große Zeit Lübecks ging ihrem Ende entgegen. Weil der Handel nun zu einem zunehmend transatlantischen wurde, begann der Aufstieg Hamburgs zum führenden deutschen Hafen. Lübeck konnte weder die erforderlichen Mengen an Waren noch die nun gefragten Produkte wie Kupfer und Silber liefern. Die Funktion der Hansestadt fiel damit zurück auf die eines Verteilers im nun regionalen Markt des Ostseeraumes.Die Geschicke Lübecks lenkte seit dem
12. Jahrhundert der Rat. Trotz insgesamt sechs Konflikten zwischen ihm und (Teilen) der
Gemeinde und der erst 1669 nach dem letzten Streit schriftlich fixierten
Kollegienverfassung im sogenannten "Bürgerrezeß" blieb der Rat bis 1848 ein
sich selbst ergänzendes Gremium. Er wurde durch die von den Bürgern nach gleichem
Wahlrecht bestimmte Bürgerschaft abgelöst. Bis 1851 hatten Rat beziehungsweise Senat
sowohl die Verwaltung wie auch die Rechtsprechung unter sich. Grundlage der Rechtsordnung
war das Lübische Recht. Der allgemeine wirtschaftliche Aufschwung im 18.
Jahrhundert endete für das seit 1806 von französischen Truppen besetzte Lübeck abrupt
durch die im gleichen Jahr von Napoleon verhängte Kontinentalsperre.
Obwohl die Stadt 1814 ihre staatliche Eigenständigkeit wahren konnte, dauerte es noch bis
Mitte des 19. Jahrhunderts, bis die Wirtschaft sich erholte. Nach der Aufhebung
rechtlicher Beschränkungen für Handel und Gewerbe begann besonders mit der
Reichsgründung 1871 der industrielle Aufschwung der Stadt. Als einzige mittelalterliche
Großstadt Deutschlands war Lübeck bis ins 19. Jahrhundert in seinen Stadtmauern
geblieben. Erst 1864 wurde der sogenannte "Torzwang" aufgehoben, ab 1875 durften
sich Gewerbebetriebe nur noch in den neu wachsenden Vorstädten ansiedeln. Seit der Wende
vom 19. zum 20. Jahrhundert wandelte sich Lübeck von einer Handels- in eine
Industriestadt. Belebte die Eisenbahn ab 1851 das Wirtschaftsgeschehen in der Travestadt,
so verschlechterte sich deren verkehrsgeographische Lage mit dem Aufkommen von Dampfern
mit Schraubenantrieb und durch den 1895 eröffneten Nord-Ostsee-Kanal. Daran
konnte auch der Elbe-Trave-Kanal (seit 1921 Elbe-Lübeck-Kanal) nichts ändern. Die Stadt
geriet zusehends in eine Randlage. Im 19. Jahrhundert wuchs die Zahl der Einwohner von
29.000 (identisch mit der Einwohnerzahl zum Ende des Dreißigjährigen Krieges) 1840 auf
116.000 im Jahre 1910. Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges blieben die Grundbedingungen
für Lübeck weitgehend unverändert. Allerdings endete mit dem Groß-Hamburg-Gesetz
1937 die staatliche Eigenständigkeit Lübecks, das zu einem Teil der preußischen Provinz
Schleswig-Holstein wurde. Am 28. / 29. 3. 1942 wurde die Altstadt zu einem Viertel vom
ersten alliierten Luftangriff auf ein deutsches Wohngebiet zerstört. Danach blieb die
Stadt verschont, da Lübeck und Göteborg 1944 als Austauschhäfen für Gaben an
Kriegsgefangene bestimmt worden waren. Mit der Teilung Deutschlands nach dem Krieg verlor
Lübeck sein traditionelles Hinterland. Durch Heimatvertriebene verdoppelte sich die
Einwohnerzahl fast (1936: 136.000; 1946: 236.000). Ihre Integration, der Wiederaufbau der
drei stark zerstörten Innenstadtkirchen sowie der Ausbau des Hafens zählen zu den
großen Leistungen der Nachkriegszeit. Seit den 1970er Jahren erfolgte der Wandel von
einer Industrie- zu einer Dienstleistungstadt. Heute entfallen 70 Prozent der
Wertschöpfung auf diesen Bereich. Doch in Lübeck ist das produzierende Gewerbe mit 111
gewerblichen Betrieben noch stark vertreten. Führende Branchen sind hier die Medizin-,
Meß-, Steuer- und Regeltechnik sowie die Ernährungsindustrie und der Maschinenbau. Als
einzige Stadt Schleswig-Holsteins verfügt Lübeck über einen Universalhafen, der nach
wie vor der größte deutsche Ostseehafen ist und mit 19 Fährlinien (Stand 1998) über
die meisten festen Seeverbindungen verfügt. Die Öffnung der Innerdeutschen Grenze 1989
brachte Lübeck nicht die erhofften Impulse.
-ju- (1002) Quellen: Rolf Hammel-Kiesow in Klaus-Joachim Lorenzen
Schmidt, Ortwin Pelc (Hrsg.), Schleswig-Holstein Lexikon (SHLEX), Neumünster, 2000, Wachholtz Verlag, ISBN 3-529-02441-4,
Zum Lesen
empfohlen, SHG
Bildquellen: "Illustrierte Weltgeschichte" O.Mertens, Verlag Peter
J.Oestergaard, Berlin; Rathaus und Luftansicht vom Landesamt für Denkmalschutz Schleswig-Holstein aus Bildarchiv zur Kunst und Architektur in
Deutschland; WappenLAS
Tipp: www.luebeck.de/stadt_politik/geschichte/index.html |