Mühlen |
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![]() Bauer, Müller und Bäcker – Das Eindruckblatt vom Ende des 15. Jahrhunderts zeigt eindringlich, das die Müllerei das einzige Gewerbe war, das seit dem Mittelalter über eine Maschine verfügte |
Mühlen prägen Landschaften. Um gut im Wind zu stehen,
beanspruchten sie bis weit in die Zeit der
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Die erste Fabrik |
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![]() Ein steinzeitlicher Mahltrog: Die Getreidekörner werden auf die Fläche des größeren Steines (meist Granit oder Quarz) gegeben und dann mit einem runden oder ebenen härteren Stein (meist Feuerstein oder Trachyt) zerquetscht oder zerrieben. |
Die Anfänge sind bescheiden. Um den Mehlkörper von den für Menschen unverdaulichen Frucht- und Samenschalen zu trennen, wurden die Getreidekörner per Hand zwischen Steinen zerrieben oder in Mörsern zerstoßen. Mahlen war - wie backen - Hausarbeit. Das änderte sich erst, als die Menschen begannen, die Kräfte von Wasser und Wind zum Mahlen einzusetzen. Der Aufwand für und die Effizienz der neuen Maschinen war so groß, dass sie das Korn vieler Bauern verarbeiten konnte und musste. Die Mühle war damit die wohl erste Lebensmittelfabrik.
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Wasser treibt wenig ... |
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![]() Querschnitt durch eine oberschlächtige Wassermühle aus Böcklers „Schauplatz der mechanischen Künste“ von 1661 |
Der flache Norden ist zwar reich an Wasser aber arm an Gefälle. Deshalb mussten häufig große Mühlteiche angelegt werden, um durch Aufstauen für eine ausreichende Fließgeschwindigkeit und oder Fallhöhe für den Betrieb einer Mühle zu sorgen. Deshalb blieb die Zahl der Wassermühlen nördlich der Elbe überschaubar. Bei den stehenden Wasserrädern (deren Achse also horizontal gelagert ist) wird zwischen unter-, mittel- oder oberschlächtigen Rädern unterschieden. Der Begriff ist von „schlägig“ abgeleitet, was in übertragenem Sinn „vom Wasser geschlagen“ meint.
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... Wind mahlt viel |
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![]() Die Süderholmer Bockmühle in Dithmarschen Anfang des 20. Jahrhunderts. Um 1909 wurde sie abgebrochen. Das Vorhaben, dort eine mit Dampfkraft betriebene Mühle einzurichten, wurde jedoch nie verwirklicht. |
Im windreichen Küstenland dominierten die Windmühlen. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts herrschte der Typus der Bockmühle vor. Merkmal ist ihr kastenförmiger Bau mit quadratischem Grundriss. Mit dem bis zum Erdboden reichenden „Steert“ muss das ganze Gebäude um den senkrecht stehenden Hausbaum in den Wind gedreht werden. Im Erdboden sind im Radius des Steerts in regelmäßigen Abständen so genannte „Kroipfähle“ eingerammt. Mit der am unteren Ende des Steertes befestigten Steertwinde, einer hölzernen Winde mit Kettenzug, wird die Mühle von Pfahl zu Pfahl bewegt. Das Flügelkreuz besteht aus zwei Ruten: Der näher zum Gebäude liegenden Haus- und der äußeren Feldrute. Bockmühlen tragen meist Segelgatterflügel. Auf das gatterförmige Lattengestell, Hecken oder Heckerei genannt, werden die leinenen Segel gespannt.
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Von der Bock- zur Turmmühle |
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![]() Schnitt durch eine Bockmühle: Auf dem Bockgerüst und dem Hausbaum (rot) gelagert, wurde das gesamte Mühlenhaus (rosa) mit dem Steert in den Wind gedreht. Das Kammrad (gelb) war fest mit dem Getriebe des Mahlgangs verbunden (blau), der von unten gedreht wurde. |
Bockmühlen haben zwei Nachteile: Zum einen können in dem drehbaren Mühlenhaus höchsten zwei der schweren Mahlgänge untergebracht werden. Das bedeutet nicht nur, die Menge des Mahlgutes ist begrenzt: Es können in einer Mühle auch nur maximal zwei verschiedene Produkte hergestellt werden. Rutenspitzen, Haus, Getriebe, Mahlgänge sind trotzdem sehr schwer und ruhen unten nur in einem Punkt, dem „Sattel“, auf dem Bock. Deshalb wurden diese Mühlen bei Sturm immer wieder umgeweht. Die Aufgabe war also, eine Windmühle zu finden, die mehr leistete und stabiler war.
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Die Königswelle |
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![]() Skizze von Leonardo da Vinci für eine Turmmühle mit drehbarer Kappe.
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Standfester war eine Windmühle, wenn man darauf verzichtete, mit dem Flügelkreuz das gesamte Mühlenhaus zu drehen. So zeichnete schon Leonardo da Vinci einen Turm mit einer drehbaren Kappe. Doch wie sollte die Kraft der horizontalen drehenden Flügelachse auf die Mahlgänge übertragen werden? Die überlieferte Skizze da Vincis lässt dieses zentrale technische Problem offen. Gelöst wird es schließlich durch die „Königswelle“. Die leicht geneigte Achse der Flügel in der drehbaren Turmkappe gibt ihre Drehung über das große Kammrad weiter. Sie treibt nun nicht mehr direkt nur einen Mahlgang, sondern die senkrecht über drei Mühlenstockwerke reichende „Königswelle“. Im untersten, wo sie gelagert ist, dreht sich mit der Welle das große Stirnrad. Und dort können die Antriebswellen für die im Stockwerk darunter stehenden Mahlgänge eingekuppelt werden. Bis zu fünf verschiedene Mahlwerke von der Weizen- über den Schrot- bis hin zum Grützgang fanden nun Platz. Die neuen, überlegenen Mühlen mit ihrem typischen aus Fachwerk gebauten konischen Achtkant, kamen aus den Niederlanden und wurden deshalb „Holländermühlen“ genannt.
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Der Siegeszug der Holländermühle |
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![]() Die vier Grundtypen: der flach auf dem Land stehende „Erdholländer“; der Steert des „Keller-„ oder „Bergholländer“ wird von einem künstlich ausgeworfenen Hügel aus bedient, beim „Gallerieholländer“ passiert das von einen auch „Zwickstell“ genannten umlaufenden Balkon aus und beim „Dach-„ oder „Unterbauten Holländer“ passiert dasselbe von den Dächern aus
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Sicherer, effektiver und vielseitiger als die alten Bockmühlen begannen die Holländermühlen im Norden im 18. Jahrhundert sich durchzusetzen. Bei den stabilen Achtkantständerbauten unterscheidet man in Erd-, Keller- sowie Zwickstell- oder (häufiger) Galerieholländer. Der Erdholländer ist ebenerdig gebaut. Der Kellerholländer ist von dem um ihn herum künstlich aufgeschütteten Mühlenberg und der Galerieholländer von einer hölzernen umlaufenden Galerie aus zu bedienen. Letztere Variante kam im Lauf des 19. Jahrhunderts oft in den immer enger bebauten Städten vor, um die Häuser überragende Höhen zu erreichen, damit der Wind weiterhin optimal ausgenutzt werden konnte. Bock- aber vor allem Holländermühlen wurden immer wieder versetzt und umgebaut. Gerade die Holländermühle mit ihrem zerlegbaren Achtkant war im Wortsinn eine Mobilie.
Windrose und Jalousie |
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Bereits in den 70er Jahren des 18. Jahrhunderts waren Windrose und Jalousieflügel entwickelt worden. Beide Erfindungen werden dem Schotten Andrew Meikle zugeschrieben. An der Rückseite der Kappe, dem Dach der Mühle, auf einem Bock montiert, sorgte die sechs- bis acht-flügelige Windrose dafür, dass sich die Kappe mit den Flügeln automatisch in den Wind stellte. Das mühsame Drehen per Steert blieb den Müllern dadurch erspart. Auch das Kraft raubende Segelsetzen fiel weg. Stattdessen wurden Jalousieflügel mit beweglichen Klappen aus Pappelholz oder aus mit Öl und Farbe getränkten, in Drahtrahmen gespannten Segeltüchern verwendet. Das Öffnen und Schließen der Klappen erfolgte mittels einer Zugstange, die durch die Flügelwelle führt und das Gestänge der Klappen verbindet.
Der Mühlenzwang |
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Der Bau dieser ersten Nahrungsmittel-„Fabriken“ erforderte viel
Kapital. Deshalb waren lange die Landesherren,
Die Mühlenfreiheit |
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![]() Die Hollingstedter Mühle von 1865 steht heute im Schleswig-Holsteinischen Freilichtmuseum in Molfsee bei Kiel |
Im
Vom Mühlenbauer ... |
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![]() Der Hennstedter Mühlenbaubetrieb Peter Hinrich Suhr Anfang des 20. Jahrhunderts. Der Firmeninhaber auf dem Stuhl ganz rechts im Bild. Die in Dithmarschen ansässige Mühlenbauerdynastie Suhr arbeitete in ganz Schleswig-Holstein. |
Die Berufsbezeichnung „Mühlenbauer“ setzte sich erst spät durch. Sie kam auf, als sich das Zimmereihandwerks während der Industrialisierung im Lauf des 19. Jahrhunderts spezialisierte. Es dauerte jedoch bis zum Anfang des 20.Jahrhunderts, bis sich ein eigenständiger Berufsname durchgesetzt hatte. Viele Wartungsarbeiten und Reparaturen führten die Müller selbst aus. Ansonsten fielen Bau und Betreuung der Wasser- und Windmühlen lange in den Aufgabenbereich der Zimmerleute. Im ersten Viertel des 19. Jahrhunderts waren Müller- und Zimmerhandwerk üblicherweise gekoppelt. Dies ging auch in die Ausbildung an den im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts gegründeten Müllerschulen ein. Bereits im 18. Jahrhundert wurden aufwändige Bauanleitungen, so genannte „Mühlenbaukünste“, veröffentlicht. Seit 1864 lehrte man an der Baugewerbeschule in Holzminden Mühlenbau. Dennoch etablierte sich erst Mitte des 19. Jahrhunderts die Bezeichnung „Mühlenzimmermann“. Sie blieb bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts gebräuchlich. Grund dafür war wohl, dass Schulen vieles handwerkliche nicht vermitteln konnten. Es wurde weiter von dem Vater auf den Sohn und vom Meister an die Lehrlinge und Gesellen weitergegeben. In Dithmarschen beispielsweise ist erst von Ende des 19. Jahrhunderts geborenen Zimmermeistersöhnen bekannt, dass sie an der Königlich-Preußischen Baugewerkeschule in Eckernförde lernten und sich danach „Mühlenbauer“ nannten.
... zum Maschinenbauer |
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Mit der Industrialisierung musste ein Mühlenbauer mehr wissen als die Zimmerleute bisher für den Bau von Bock- und Wassermühlen benötigt hatten. Die Bockmühlen waren nun endgültig durch die Holländermühlen mit drehbarer Kappe verdrängt worden. Die blieben von Wind abhängig. Um im Wettbewerb mit den aufkommenden Industriemühlen bestehen zu können, erhielten die Windmühlen „Flautenschieber“. Dampfmaschinen, später Motoren trieben über lange Lederriemen über die Königswelle die Mahlgänge. Es war also nicht mehr allein der Mühlenbau im klassischen Sinn gefragt, sondern zusätzlich das Know-how des Maschinenbaus. Die Hilfsantriebe waren nur ein Übergang.
Mühlensterben
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![]() 1873 erfand der Schweizer Friedrich Wegmann den „Walzenstuhl“. Gegeneinander laufende Zylinder quetschen nun das Korn. Die Technik löst die Mühlsteine ab, die zwischen Boden- und Läuferstein das Mahlgut schnitten. |
Der Aufwärtstrend des Mühlenwesens hielt sich bis zu Beginn des
20. Jahrhunderts. Viele Kleinmühlenbetriebe versuchten, zum Beispiel mit der
Anschaffung von Walzenstühlen und Schlagmühlen, sich gegen die
konkurrierenden Industriemühlen zu behaupten. Doch die Qualität des
industriell produzierten Mehls entsprach den gestiegenen Kundenansprüchen in
deutlich besserer Weise. Ein bis in das erste Drittel des 20. Jahrhunderts
stabiler Erwerbszweig der Kleinmühlenbetriebe blieb das Mahlen von
Futterschrot. Mit der fortschreitenden
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Sandra Scherreiks (TdM 0807)
Literatur: Hans-Peter Petersen/Sandra Scherreiks, Mühlengeschichte Dithmarschens, 2006, Heide; Friedrich Drube, Mühlen in Schleswig-Holstein, 1935, Kiel; Uwe Karstens, Wind, Korn und Wasser. Von Müllern und Mühlenbauern im Kreis Plön, 1990, Großbarkau; Uwe Karstens, Der Mühlenbaumeister. Versuch einer Begriffsbestimmung, in: Mühlen + Menschen. 40 Jahre Mühlenerhaltung in Schleswig-Holstein und Hamburg, hrsg. Verein zur Erhaltung der Wind- und Wassermühlen in Schleswig-Holstein und Hamburg e.V., 2000, Großbarkau, S. 46-52; Mühlen + Menschen. 40 Jahre Mühlenerhaltung in Schleswig-Holstein und Hamburg, hrsg. Verein zur Erhaltung der Wind- und Wassermühlen in Schleswig-Holstein und Hamburg e.V., 2000, Großbarkau;; Franz Scheuch, Vom Getreide zum Brot. Fachliche Abhandlung über das Wissenswerteste der Mehl- und Brotbereitung in einer vollständig neuen Bearbeitung unter Mitarbeit im bäckerei-fachtechnischen Teil von erfahrenen Fachleuten, 1951, Feldkirch; Taschenbuch des Müllers, 8. Ausg., hrsg. MIAG, Mühlenbau und Industrie A.G., 1927, Braunschweig. Bildquellen: Vignette: Foto Werner Junge; Bauer-Müller-Bäcker: Einblattdruck von P.Wagner 1453 bis 1500 aus „Glück zu“, Dithmarscher Pressedienst 1961, Heide; Mahltrog im Heimatmuseum Hohenwestedt: Foto Sandra Scherreiks; Wassermühle aus Böklers „Schauplatz der mechanischen Künste“ 1661; Süderholmer Bockmühle: Mühlenarchiv des Vereins für Dithmarscher Landeskunde e.V.; Schnitt Bockmühle: nachkolorierte Zeichnung von Ludwig Meyer aus „Mühlen in Schleswig—Holstein“, Heide, 1969, Boyens; Skizze da Vinci: Reproduktion des Landesamtes für Denkmalpflege; Plan Holländermühle: nachkolorierte Zeichnung von Horst von Bassewitz aus „Glück zu“, Dithmarscher Pressedienst 1961, Heide; Typen: nachkolorierte Zeichnung von Gerald P. Parkinson aus „Glück zu“, Dithmarscher Pressedienst 1961, Heide; Hollingstedter Mühle: Foto Werner Junge Mühlenbaubetrieb Peter Hinrich Suhr - Mühlenarchiv des Vereins für Dithmarscher Landeskunde e.V.; Kopie Bauzeichnung - Mühlenarchiv des Vereins für Dithmarscher Landeskunde e.V. |