NapolaNationalpolitische Erziehungsanstalt in Plön (Napola) |
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![]() Jungmannen auf dem Schloßhof in Plön
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Am 21. April 1933 berichtete das Ost-Holsteinische Tageblatt, der Reichskommissar Bernhard Rust habe verfügt, "die drei ehemaligen Kadettenanstalten in Plön, Köslin und Potsdam gemäß ihrer Tradition in ‚Nationalpolitische Erziehungsanstalten' im Sinne der ‚nationalen Revolution' umzubilden. Der Lehrkörper sei entsprechend neu zusammenzusetzen und bei den Schülern auf eine angemessene Auslese zu achten. Die Schülerkleidung sei die Hitleruniform. Im Zuge der "Machtergreifung" waren 1933 am "Führergeburtstag" (20. April) die drei ersten Nationalpolitischen Erziehungsanstalten gegründet worden. NPEA lautete das offizielle Kürzel. Im Volksmund setzte sich jedoch der Begriff Napola durch. Bei Kriegsende gab es 43 Napolas, drei davon für Mädchen.
Mit der Annexion Schleswigs und Holsteins durch Preußen 1867 hatte König Wilhelm I. angeordnet, im Die Einrichtung bekam zu Ehren des SA-Stabschefs den Namen "NPEA Ernst Röhm". Nach der Ermordung Röhms 1934 hieß sie nur noch schlicht "NPEA Plön". Ausgelegt war die Napola für 264 sogenannte "Jungmannen". Die Schüler wurden in elf Züge, die etwa Klassen entsprachen, und zwei Hundertschaften gegliedert. Elf Erzieher sollten zugleich Erziehungs- und Unterrichtsdienst leisten. Es wurde streng darauf geachtet, daß das "Führerprinzip" eingehalten wurde. Schülerselbstverwaltung, -vereine, Lehrerausschuß und der Elternbeirat wurden mit der Gründung der Napola abgeschafft. Die Aufnahme wurde in einem aufwendigen Verfahren geregelt. Die Nachfrage für Plätze in der bevorzugt ausgestatteten NS-Eliteeinrichtung war groß. Von 2.000 Bewerbern wurden 1934 nur 120 zum Aufnahmetest zugelassen. Die zweitägige Prüfung bestanden schließlich 70. Das wichtigste Kriterium war die "rassische Eignung". Die Aufnahme bedingte: "arische Abstammung, einwandfreie Charaktereigenschaften, volle körperliche Leistungsfähigkeit (keine Brillenträger), mindestens durchschnittliche geistige Begabung." Die Bewerber stammten aus allen Teilen des Reiches. Die Söhne von Beamten und Selbständigen waren gegenüber denen von Arbeitern deutlich überrepräsentiert, was dem Anspruch, alle "Volksschichten" gleichmäßig berücksichtigen zu wollen, widersprach. Grundlage für den Unterricht war der Lehrplan der deutschen Oberschulen. Auf Wehrsport und Leibesübungen wurde in der Stundentafel deutlich mehr Gewicht gelegt, während der Fremdsprachenunterricht erheblich eingeschränkt wurde. Im Schloßpark entstand eine Hindernisbahn mit einer Eskaladierwand, und hinter dem Prinzenhaus wurden Schützengräben für die vormilitärische Ausbildung ausgehoben. Deutsch, Geschichte und Biologie wurden als ideologisch interessante Fächer mit erweiterter Wochenstundenzahl ausgestattet. Die im Deutschunterricht behandelten Werke sollten gemäß ihrem "Wert für Rasse, Volk und gegenwärtige Lage" ausgewählt werden. Hans Grimms "Volk ohne Raum" oder Werner Beumelburgs "Mit 17 Jahren in Verdun" mögen als Beispiele für den Lektüreplan gelten. Alfred Rosenbergs "Mythus des 20. Jahrhunderts" wurde in der nationalpolitischen Arbeitsgemeinschaft gelesen und besprochen. Der Religionsunterricht wurde 1938 ganz abgeschafft. Appelle, Geländemärsche, Sonnenwendfeiern sowie Nachtübungen standen auf dem Programm. Sie begeisterten viele "Napolaner" besonders, das auch, weil sie von besonders ausgewählten und meist jungen Pädagogen geführt wurden. Als Vorbereitung auf führende Positionen im NS-Staat und der "Stärkung der Volksgemeinschaft" dienten Praktika in Plöner Handwerksbetrieben, Einsätze bei der Ernte sowie in Bergwerken. Unter Tage sollte die nationalsozialistische Weltanschauung der Jungmannen erstmals mit der oft gegensätzlichen Einstellung der häufig katholisch geprägten Bergleute konfrontiert werden und sich dabei bewähren. Eine ähnliche Funktion hatte auch der "Landdienst im Grenzland". Das "deutsche Volkstum" sollte in der Konfrontation mit "fremdvölkischen Minderheiten" gestärkt werden. Die Auslandsfahrten der Jungmannen in den Sommerferien führten fast ausschließlich in nordische Länder oder Länder mit deutscher Minderheit. Der erlebnis- und handlungsorientierte Unterricht führte bei den meisten Jungmannen zu einer Identifikation mit der NS-Ideologie. Das spiegelte sich auch in den Berufswünschen der Napolaner: Offizier in einer Elitedivision der Wehrmacht, SS-Führer, Wehrbauer im Osten oder Jurist. Bevor die alliierten Truppen Plön erreichten, wurde die NPEA Plön am 23. April 1945 geschlossen. Die Jungmannen wurden, soweit möglich, in ihre Heimatorte geschickt oder bei Familien im Umland untergebracht. Vorher scheint der Leiter Brunk verhindert zu haben, daß Jungmannen gegen die herannahenden Briten aufgeboten wurden. Brunk und die meisten Erzieher wurden von den Briten in Neumünster-Gadeland interniert. Karsten Dölger (1001) Quelle: Matthias Paustian, Die Nationalpolitische Erziehungsanstalt Plön 1933-1945, in: Informationen zur Schleswig-Holsteinischen Zeitgeschichte 26 (1994), S. 3-100. Bildquelle: Archiv Karsten Dölger |