Nordschleswig 1840 - 1920 |
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![]() Die Karte zeigt den Anteil der Bevölkerung mit dänischer Muttersprache im nördlichen Schleswig-Holstein 1905. In den dunkel rötlich angelegten Flächen erreichte er 90 bis 100 Prozent. Durch Klicken auf die Karte öffnet sich ein neues Fenster, das Details und die Legende zeigt. |
Mehrsprachigkeit war lange Zeit normal. Sie war es vor allem
dort, wo Sprachgebiete an einander stießen, wie etwa im
Der Konflikt beginnt im Vormärz |
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![]() Blick auf die Säule auf Skamlingsbanken. 1863 im Gedenken an die Streiter für die dänische Sache errichtet, wurde sie 1864 von preußischen Soldaten gesprengt, 1866 wieder aufgebaut, weil die höchste Erhebung Sønderjyllands nach der Grenzziehung dänisch blieb. An der Säule sind bis heute die Spuren der Sprengung deutlich zu sehen. |
Nach dem Ende der
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Zwei Schleswigsche Kriege |
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![]() Am 2. und 3. März 1964 brannte Sonderburg nach der Beschießung durch die Preußen. |
Der Gegensatz eskalierte im europäischen Revolutionsjahr 1848
und führte zu der sogenannten Schleswig-Holsteinischen
Provinz Preußens |
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![]() In Nordschleswig finden sich bis heute Beispiele preußischer Architektur wie das Amtsgericht in Sonderburg. Nur die Straßennamen haben gewechselt. Aus der „Kaiser-Wilhelm-Allee“ wurde 1920 der „Kongevej“. |
Die gemeinsame Herrschaft der beiden deutschen Mächte über die
Herzogtümer Schleswig und Holstein war kurz. Preußen und Österreich standen
im Konflikt um die Vorherrschaft im Deutschen Bund. 1866 führte dieser zum
Krieg. Er endete mit dem Sieg Preußens über die Österreicher bei Königgrätz.
Darauf annektierte es die drei Herzogtümer und gliederte sie als „Provinz
Schleswig-Holstein“ und „Herzogtum Lauenburg“ in Preußen ein. Die
althergebrachte und buntscheckige überlieferte Verwaltungsstruktur wurde
durch einheitliches preußisches Provinz- und Kommunalrecht ersetzt.
Allerdings blieb der dänischgesinnten Bevölkerung in Nordschleswig zunächst
die Hoffnung, den nördlichen Teil des ehemaligen Herzogtums durch einen
freien Wahlentscheid für einen Anschluss mit Dänemark verbinden zu können.
So hatte es zumindest eine Klausel im
Nordschleswig wird „germanisiert“ |
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![]() In der Tradition der Volksfeste des Vormärz wurde seit 1893 ein deutsches Volksfest gefeiert, das seit 1894 – bis heute – auf dem Knivsberg begangen wird. |
Die Wahlen in der neuen preußischen Provinz belegten es: die Mehrheit in Nordschleswig war dänisch eingestellt. Die Preußen wollten das ändern. Sie setzten auf einen langfristigen Prozess, um über staatliche Schul- und Sprachpolitik einen preußisch-deutschen Patriotismus zu fördern. 1871 wurde deshalb in den Schulen Nordschleswigs vom 3. Schuljahr an ein sechsstündiger Deutschunterricht eingeführt. Nachdem am 13. April 1878 die Klausel im Artikel V durch einen Vertrag zwischen Preußen und Österreich aufgehoben wird, wurde der Deutschunterricht an den nordschleswigschen Schulen erheblich erweitert. Zehn Jahre später erfolgte der Übergang zur rein deutschen Unterrichtssprache. Ausnahme blieben die vier Wochenstunden Religion. Doch damit ist der letzte Schritt zur „Verdeutschung“ des Schulunterrichts vollzogen. Im selben Jahr schlossen die Behörden die letzte dänische Privatschule. Diese „Germanisierung“ wollte der dänische Teil der Bevölkerung nicht hinnehmen und begann, sich dagegen zu organisieren. Der Anfang machte 1880 die Gründung des „Vereins zur Bewahrung der dänischen Sprache in Nordschleswig“. Im Jahre 1888 folgte der Wählerverein für Nordschleswig und 1892 der südjütische Schulverein. Diesen dänischen Initiativen zum Erhalt der dänischen Sprache und eines Nationalgefühls stellte sich von 1890 an „Der Deutsche Verein für das nördliche Schleswig” energisch entgegen. Sein Ziel war es, den deutschen Einfluss zu stärken. Um ein das Gemeinschaftsgefühl zu betonen, wurde seit 1894 ein jährliches Volksfest auf dem Knivsberg gefeiert. Dort wurde1895 der Grundstein für einen Bismarckturm mit einer Statue des Reichsgründers gelegt (Einweihung 1901). Das Monument sollte den Anspruch des Deutschen Reiches auf Nordschleswig dokumentieren. Die Feste auf dem Knivsberg waren das Gegenstück zu den bereits seit 1843 organisierten dänischen Treffen auf Skamlingsbanken. Die „Köllerpolitik“ |
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![]() Ernst Matthias von Köller (1841* bis 1921†) |
In eine neue Phase trat die die preußische Zwangspolitik mit dem Amtsantritt des neuen Oberpräsidenten Ernst Matthias von Köller (1841* bis 1921†) 1897. Nur vier Amtsjahre reichten ihm, um die dann sogenannte „Köllerpolitik“ zu einem stehenden Begriff nicht nur im Norden zu machen. Zur „Köllerpolitik“ gehörte es unter anderem, gezielt sowohl zugewanderte Dienstboten aus Dänemark als auch Einheimische mit dänischem Pass, sogenannte „Optanten“, auszuweisen. Diese Politik diente dazu, vermeintlich dänisch Gesinnte zu disziplinieren und sie davon abzuhalten, für Dänemark zu „agitieren“. Bis 1899 wurden 373 Personen ausgewiesen. Politik Köllers war es auch, Vortrags-, Landwirtschafts- und Geselligkeitsvereine der dänischsprachigen Bevölkerung zu „politischen Vereinen“ zu erklären und zu verbieten. Die deutschen Vereine – allen voran der „Deutsche Verein“ – wurden dagegen aus öffentlichen Mittel großzügig gefördert.
... spaltet und scheitertKöllers Politik entrüstete nicht nur die dänische Mehrheit. Sowohl gemäßigte deutsche Nordschleswiger als auch zum Beispiel Sozialdemokraten im Deutschen Reichstag verurteilten diese Politik scharf. Begeistert unterstützen dagegen die Rechtsparteien und der „Deutsche Verein“ die „Köllerpolitik“. Der Widerstand wuchs jedoch, denn es zeigte sich, dass diese „Politik der harten Hand“ wenig Erfolg beschieden war. Die Resultate standen in keinem Verhältnis zum Einsatz. Die dänischen Stimmen gingen bei den Wahlen nur geringfügig zurück. 1901 verließ von Köller die Provinz. Unter seinem Nachfolger von Wilmowski wurden über 1.200 Dänischgesinnte, die sich zwischen 1864-1870 für kürzere oder längere Zeit in Dänemark aufgehalten hatten, kurzerhand zu dänischen Staatsbürgern. Durch diese “Optantenmacherei” verloren die Betroffenen ihr Wahlrecht und waren zur politischen Passivität verdammt. Auch sie konnten jetzt ausgewiesen werden.
Ein kurzes Zwischenhoch |
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![]() Pastor Johannes Schmidt-Wodder auf einem Ölgemälde von A. Paul Weber. Er wandte sich früh gegen den deutschen Zwangskurs. Nach der Abstimmung 1920 organisierte Schmidt-Wodder den Aufbau der deutschen Volksgruppe in Nordschleswig.
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Erst ein preußisch-dänischer Vertrag ordnete Anfang 1907 die Frage der “staatenlosen” Kinder früherer Optanten. Dänemark erkannte die 1864 im Wiener Frieden gezogene Grenze an. Dieses Tauwetter war jedoch nur von kurzer Dauer. Allerdings regte sich auch Widerspruch. Gemeinsam mit anderen Pastoren und gemäßigten Nordschleswigern wandte sich Pastor Johannes Schmidt-Wodder gegen den deutschen Zwangskurs und den „Deutschen Verein“. Er gründete den „Verein für deutsche Friedensarbeit in der Nordmark”. Der Verein strebte eine nationale deutsche Kulturarbeit jenseits der staatlichen Unterdrückung der dänischen Nationalität an. Er wollte zu einem friedlichen kulturellen Wettstreit zwischen Deutsch und Dänisch beitragen, da man das Heimatrecht beider Bevölkerungsteile in Schleswig anerkannte. Sein Einfluss blieb jedoch gering.
Der Erste Weltkrieg als WendeVor dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges hatte sich ein scharfer Gegensatz von dänischen und deutschen Nordschleswigern verfestigt. Fast 50 Jahre preußischer Zwangspolitik hatten kaum etwas geändert: Die dänische Bevölkerung bekannte sich national weiter zu Dänemark. Als der Krieg begann, wurden führende dänischgesinnte Nordschleswiger verhaftet und einen Monat lang interniert; dänischgesinnte Soldaten aus Nordschleswig mussten meist gegen ihre innere Überzeugung in den Krieg ziehen. Als sich im Frühherbst 1918 die deutsche Niederlage abzeichnete, ermutigte das die dänischen Politiker in Nordschleswig und Kopenhagen. Ihre Hoffnung schöpften sie aus dem 14-Punkte-Plan des amerikanischen Präsidenten Thomas Woodrow Wilson (1856*-1924†), in dem unter anderem auch das Selbstbestimmungsrecht der Völker betont wurde. Für Nord- und Mittelschleswig bedeutete das auch die Möglichkeit, eine neue Grenze durch eine Volksabstimmung festzulegen. Im Versailler Friedensvertrag wurden die Modalitäten dieser Abstimmung festgelegt. Nordschleswig wurde zur Zone I. Dort wurde en bloc abgestimmt. Das bedeutete, die Mehrheit im gesamten Gebiet entschied über die künftige Staatszugehörigkeit.
Nordschleswig wird dänisch
Obwohl die Deutschen in Nordschleswig wussten, dass sie in der
Minderheit waren, stimmten sie für einen Verbleib in Deutschland. Sie
hofften auf eine weitere Abstimmung und wollten dafür ein Signal setzen. Bei
außerordentlich starker Wahlbeteiligung stimmten am 10. Februar 1920 in
Nordschleswig 75 Prozent für Dänemark und 25 Prozent für das Deutsche Reich.
Starke deutsche Mehrheiten gab es in den Städten Tondern (76 Prozent),
Sonderburg (55 Prozent) und Apenrade (54 Prozent). Die Versuche der
deutschen Regierung, die so festgelegte Grenze nachträglich zu korrigieren,
um etwa gleich große nationale Minderheiten auf beiden Seiten der Linie zu
erreichen, scheiterten. In der südlich anschließenden Zweiten Zone war eine
gemeindeweise Abstimmung vorgesehen, bei der sich am 14. März 1920
allerdings der deutlich überwiegende Teil der Bevölkerung für den Verbleib
bei Deutschland entschied (siehe
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Jürgen Festersen*) (TdM 0406)
Literatur: Henrik Becker Christensen, Det tyske mindretal i Nordslesvig, Apenrade 1990; Gottlieb Japsen, Den fejlslagne germanisiering, Apenrade 1983; Landeszentrale für politische Bildung (Hrsg.), Minderheiten im deutsch-dänischen Grenzbereich, Kiel 1993 Bildquellen: Vignette/Skamlingsbanke: Werner Junge; Sprachkarte: Ingwer E. Momsen / Eckart Dege / Ulrich Lange, Historischer Atlas Schleswig-Holstein – 1867 bis 1945, Herausgeber Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte, 2001, Neumünster, erschienen bei Wachholtz, ISBN 3-529-02446-5, Zum Lesen empfohlen; Brand Sonderburg/Gericht: Museet på Sønderborg Slot; Plakat: Knivsberggesellschaft Apenrade; Köller: aus Olaf Klose (Hrsg.), Geschichte Schleswig-Holsteins – Provinz im Königreich Preußen, Achter Band, erste Lieferung, Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte, 1966, Neumünster, verlegt bei Wachholtz, Portrait Schmidt-Wodder: aus Nordschleswig, Landschaft, Menschen, Kultur, herausgegeben vom Bund Deutscher Nordschleswiger, Husum, 1995, erschienen bei Husum Druck- und Verlagsgesellschaft |