Der OchsenwegSchleswig-Holsteins Weg nach Europa |
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![]() Der Ochsenweg in den Herzogtümern Schleswig und Holstein (Karte: T. Kühnel) |
Bis zum Beginn der Verkehrsrevolution des 19. Jahrhunderts, die mit dem Bau von Chausseen oder "Kunststraßen" 1832 begann und durch erste Strecken der
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Zu Fuß und mit der Kutsche |
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![]() Titelbild des ersten gedruckten Führers für Santiagopilger von Hermann Künig von Vach aus dem Jahre 1495, gedruckt 1521. Beide Pilger sind mit den üblichen Kleidungsstücken und Utensilien eines Pilgers (Pilgerhut, langer Umhang, Umhängetasche, Pilgerstab) versehen, wobei der linke an seiner Schulter die Jakobsmuschel trägt, das Zeichen der Pilger, die in Santiago (St. Jacobi) waren. Er ist offensichtlich auf dem Rückweg und weist seinem Gegenüber den Weg - so wie auch der Pilgerführer den Leser den rechten Weg nach Santiago weisen soll.
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Bis ins 18. Jahrhundert nutzten alle möglichen Reisenden den Heerweg: Kaufleute und Handwerker, Fürsten und Bettler. Auch Pilger benutzten den Weg, vor allem im Spätmittelalter (1400 bis 1520), um zu den großen Pilgerstätten des Abendlandes - Jerusalem, Rom und vor allem Santiago di Compostela - zu gelangen. Entlang des Heerweges entstanden mit den Gertrudenspitälern und Elendengilden auch eigene Institute zur Beherbergung der Pilger, die oft einen Tagesmarsch voneinander entfernt lagen. An dem Weg gab es jedoch auch eigene, regionale Pilgerstätten. Die größte Anziehungskraft entfaltete der Kult des St. Helper im nordschleswigschen Kliplev. Die Reformation, die in Schleswig-Holstein 1542 mit der neuen Kirchenordnung zum Abschluß kam, beendete die Pilgerreisen. Gleichwohl waren weiterhin viele Menschen unterwegs. Ja, vermutlich stieg im 16. Jahrhundert die Zahl der Reisenden. Seit dem 17. Jahrhundert wurde das Reisen weniger beschwerlich. Der Grund war vor allem das Entstehen der Post. 1624 richtete der dänische König und Herzog von Schleswig und Holstein, Christian IV., eine Post für Briefe und Pakete ein. Eine Route verband Kopenhagen und Hamburg über den Ochsenweg. Seit 1653 wurden auch Personen befördert. Dadurch wurde das Reisen erheblich erleichtert. Die Kutschen rollten regelmäßig, die Zeit war besser kalkulierbar, und der Reisende brauchte sich unterwegs wegen des Systemes von Poststationen, an denen die Pferde gewechselt wurden, keine Sorge um das Fortkommen und die Übernachtungen mehr zu machen. |
Ochsen, Ochsen, Ochsen |
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![]() Ochsentrift |
Der Weg war immer ein Handelsweg. In der Bronzezeit wurden die für das Metallhandwerk unerläßlichen Rohstoffe Kupfer und Zinn aus Mittel- und Süddeutschland sowie den Alpen und den Karpaten auch über diesen Weg eingeführt. Seine besondere Bedeutung erlangte der Weg in der frühen Neuzeit (16. bis 18.Jahrhundert) durch den Ochsenhandel. Der Massenexport von Ochsen aus Dänemark nach Nordwesteuropa, setzte Ende des 15. Jahrhunderts ein und wurde vor allem über Land abgewickelt. Er begann mit der Aufzucht in Dänemark. Vier bis fünf Jahre weideten die Bauern die sogenannten Grasochsen. Zu Stallochsen wurden sie, wenn sie danach über Winter auf den adligen und königlichen Gütern gemästet wurden. Von den Gütern wurden sie an Viehhändler verkauft, die sie nach dem Winter, im März und April, nach Süden treiben ließen. Dabei wurden vorrangig die Trassen des alten Heerweges genutzt. Auf dieser Strecke waren in den Spitzenzeiten in einem Frühjahr Viehtreiber mit insgesamt bis zu 50.000 Ochsen unterwegs. Während des Sommers wurden die Tiere, die vom langen Treiben stark geschwächt waren und oft nur noch aus Haut und Knochen bestanden, in den holsteinischen, niedersächsischen und friesischen Marschgebieten gemästet, um dann im Herbst vor allem nach Hamburg und in die niederländischen Städte verkauft zu werden. Der Ochsenhandel unterlag starken konjunkturellen und kriegsbedingten Schwankungen. Die Ochsentriften durch die Herzogtümer erfuhren schon Mitte des 17. Jahrhunderts durch die kriegerischen Ereignisse einen starken Rückgang, zu altem Umfang kehrten sie danach nie mehr zurück. Getrieben wurde bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts, danach übernahm die Eisenbahn den Viehtransport. |
Der Weg des Krieges |
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Einer der wenigen Reste des Ochsenwegs bei Lürschau , einige Kilometer nördlich von Schleswig |
Der Weg besaß immer auch eine miltiärische Funktion. Daran erinnert die dänische Bezeichnung "Hærvej" ("Heerweg"), die sich dort vor allem durch das 1930 erschienene gleichnamige Buch von Hugo Matthiesen durchsetzte. Bekanntlich dienten die Wallanlagen des vom 7. bis zum 13. Jahrhundert genutzten SpurensucheVom Ochsenweg selber sind nur wenige alte Teile erhalten, etwa in Lürschau und am Kropper Busch. Auf Überreste des Weges, zum Beispiel Furten oder Gasthöfe, stößt man etwas häufiger. Auch gibt es vorgeschichtliche Grabhügel, die vermuten lassen, daß sie in der Nähe des Weges angelegt worden sind. Gleichwohl lohnt es, sich mit der Geschichte des Ochsenweges zu beschäftigen. Dabei geht es nicht nur um den Weg und wie er genutzt wurde, seine Geschichte hat immer auch vielfältige wirtschafts- und kulturgeschichtliche Aspekte und steht in enger Wechselwirkung mit der Landesgeschichte. |
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Thomas Hill (TdM 1101) Tipp: Nähere Informationen zum Ochsenweg gibt die 1996 gegründete "Arbeitsgemeinschaft Ochsenweg" (Schloß Annettenhöh, Brockdorff-Rantzau-Straße70, 24837 Schleswig, Telefon 04621/387-13, Fax 04621/387-55; eMail info@ochsenweg-ev.de). Die AG hat sich zum Ziel gesetzt, Reste des Weges zu finden und zu sichern sowie die Geschichte des Ochsenweges zu erforschen und öffentlich zu machen. Informationen unter www.ochsenweg-ev.de. Literatur: H. Wiese, J. Bölts, Rinderhandel und Rinderhaltung im nordwesteuropäischen Küstengebiet vom 15. bis zum 19. Jahrhundert, Stuttgart 1966 (Quellen und Forschungen zur Agrargeschichte 14); J. Pieplow, Von Jütland an die Elbe. Reiseskizzen entlang alter Heer- und Ochsenwege, Neumünster 1983; H. Becker-Christensen, Hærvejen i Sønderjylland - et vejhistorisk studie. Fra Kongeåen til Danevirke, Apenrade 31986; B. Zich, Auf den Spuren des östlichen Heerweges ("Ochsenweg") zwischen deutsch-dänischer Grenze und Eider, in: Archäologische Nachrichten aus Schleswig-Holstein 1995, Heft 6, S.78-102; W. Gijsbers, Kapitale ossen. De internationale handel in slachtvee in Noordwest-Europa (1300-1750), Hilversum 1999 (N.W. Posthumus Reeks 9); T. Hill, Unterwegs nach Dänemark: Zur Reisekultur in vormoderner Zeit, in: Medieval Spirituality in Scandinavia and Europe. A collection of Essays in Honour of Tore Nyberg, hrsg. v. Lars Bisgaard, Carsten Selch Jensen, Kurt Villads Jensen and John Lind, Odense 2001, S.33-50. Bildquellen: Karte Ochsenweg: farblich bearbeitete Karte von Tim Kühnel; Pilgerführer aus: N. Ohler, Pilgerleben im Mittelalter, Freiburg-Basel-Wien, 1994; Reiseführer: H. Ilsøe, Udlændiges rejser i Danmark indtil år 1700, Kopenhagen 1963; Ochsendrift: unbekannter Zeichner aus dem 19. Jahrhundert aus: J. Pieplow, Von Jütland an die Elbe. Reiseskizzen entlang alter Heer- und Ochsenwege, Neumünster, 1983; Foto aus B. Zich, Auf den Spuren des östlichen Herrweges..., in Archäologische Nachrichten aus Schleswig-Holstein, 1995, Heft 6. |