PferdeVom Herrentier zum Hafermotor |
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![]() Pferde als Lieblinge der Götter: Auf der Lithographie aus dem 19.Jahrhundert fliegen Walküren auf stolzen Rossen über das Schlachtfeld, um die gefallenen Helden nach Walhalla zu bringen
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Vor 5.000 Jahren wurden bei
uns die Menschen seßhaft. Die Bauern der Jungsteinzeit nahmen Rind, Schwein
und Schaf als Haustiere in ihren Dienst. Als letztes Großtier folgte das
Pferd. Doch es blieb bis ins Mittelalter ein Herrentier: Das Ross erhob
seinen Besitzer über das Volk. Erst mit der wachsenden Produktivität der
Landwirtschaft und dem Aufkommen des neuen sozialen Stands der städtischen
Bürger, wurden Pferde vor Pflüge und Fuhrwerke gespannt. Der Einzug der
Industriezeit machte aus dem Tier der Götter endgültig ein Transportmittel.
"Hafermotoren" wurden die Pferde nun genannt, und es gab mehr als je zuvor.
Ausgelöst wurde der enorme Bedarf vor allem durch die
Der Star unter den HaustierenDer Wiederkäuer Rind ist anspruchslos im Futter. Er zieht Gespanne und Pflüge, liefert Milch, selbst sein Mist ist als Dünger und Brennmaterial (Ditten) wertvoll. Kuh, Stier und Ochse lassen sich fast komplett verwerten: aus ihren Körpern lassen sich Fleisch, Leder, Pergament, Leim, Lichter, Seife, Bindematerial und sogar Trinkbecher gewinnen. Das Pferd dagegen liefert wenig Ausbeute. Es ist zudem anspruchsvoll im Futter, es braucht neben der Weide zusätzliche Flächen für den Haferanbau. Trotzdem ist es der Star unter den Haustieren. Mit seinem kräftig ausholenden Gang, der Fähigkeit, weite Strecken zurückzulegen und bei Bedarf zu traben oder zu galoppieren, erhob es seinen Besitzer über die Fußgänger, das Volk. Es gab mehr Kraft, mehr Ansehen und größere Beweglichkeit - es adelte den Mann. Schon in vorgeschichtlicher Zeit wurden Pferde deshalb als Helfer der Götter angesehen. So zieht ein Pferd den bronzezeitlichen Sonnenwagen (etwa 1200 vor Christi Geburt), der im Moor von Trundholm in Dänemark gefunden wurde. Im ersten Jahrtausend unserer Zeitrechnung blieb das Pferd hochgestellten Persönlichkeiten vorbehalten. Das belegt auch der Begräbnisplatz im Dithmarscher Immenstedt aus dem 8. Jahrhundert. In der Mitte zwischen zahlreichen "Fußgängergräbern" liegt ein einziges, reich ausgestattetes Reitergrab.
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Ritter, Bürger, Bauer
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![]() Bauer und Ritter: Holzschnitt von Erasmus Amman 1521
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Das Reich Karls des Großen
(768 - 814) erstreckte sich vom Mittelmeer bis zur Eider. Ein Gebiet, das zu
ausgedehnt war, um es zu Fuß in Krisenfällen zu schützen. Die gab es - im
Norden vor allem mit den Sachsen - solange Kaiser Karl I. lebte. Er brauchte
also in allen Teilen seines Reiches berittene Kämpfer, die es schützen und
verwalten konnten. Einen Reiter auszurüsten, überstieg die Möglichkeiten der
Bauern. Deshalb stattete Karl seine reitende Elite mit geliehenem Besitz aus
(Lehen). Dafür mußten sie ihm dienen. Dieses System hatte Karl der Große
nicht erfunden, er organisierte es jedoch im großen Stil. Es wurde die Basis
mittelalterlicher Herrschaftsverbände. Ritter bedeutet schlicht "Reiter" -
wer Pferde besaß, hatte die Macht. Die Macht behielt der Adel auch, als sein
Pferdemonopol vom Ende des 12. Jahrhunderts an bröckelte. Ursache dafür war
ein grundlegender Wechsel der Wirtschafts- und Gesellschaftsverhältnisse.
Bezogen auf das heutige Gebiet Schleswig-Holsteins, hatte sich in kurzer
Zeit die Zahl der Einwohner fast verdoppelt und 430.000 (1225) erreicht.
Immer mehr Menschen zog es in die neu gegründeten
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Das Pferd wird bürgerlich
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![]() Berittene Söldner eroberten 1559 Dithmarschen. Ausschnitt aus einem Kupferstich über die Eroberung Meldorfs von 1589 |
Auch wenn Gäule seit dem
Hochmittelalter Pflug und Wagen zogen, blieben Reitpferde die Statussymbole
der Herrschenden. Das sollte sich erst im 16. Jahrhundert ändern. Zogen bei
der Schlacht von
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Holsteiner und Schleswiger
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![]() Das Ideal einer "Dithmarscher Stute". Die Lithographie stammt von 1847 als der "Holsteiner" als Rasse noch kein fester Begriff war
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Erst in der zweiten Hälfte
des 19. Jahrhunderts bildeten sich die uns heute vertrauten Zuchtrassen
heraus, wurde allgemein nach Voll-, Warm- und Kaltblut unterschieden. Dies
geschah wahrscheinlich nicht zufällig parallel zur "Verwissenschaftlichung"
auch der Landwirtschaft, die vor allem mit dem Namen Justus von Liebig (1803
- 1873) verbunden ist. Wie Funde belegen, sind Pferde im Laufe der
Jahrtausende immer größer geworden. Selbst die Tiere der Ritter in der
Schlacht bei Hemmingstedt erreichten nur die Höhe heutiger großer Ponies.
Nördlich der Eider dominierte das Schleswiger Pferd. Ein typisches Arbeits-
und Ackerpferd aus der Gruppe der dänischen Rösser, das jedoch auch als
Reittier unter den schwergepanzerten Rittern einen hervorragenden Ruf genoß.
In den Elbmarschen entwickelte sich der Holsteiner. Ein hartes Arbeitspensum
und gutes Futter führten wohl dazu, daß sich der warmblütige Holsteiner
schon früh zum Glanzstück seiner Gattung entwickelte. Pferde kamen dabei
seit altersher weit herum. So wurden schon im 16. Jahrhundert Holsteiner
exportiert. 1735 begann das hannoversche Landgestüt seine Zucht mit zwölf
Holsteiner Hengsten. Deren Nachkommen wurden Hannoveraner genannt, weil
nicht der Ursprungs- sondern der Geburtsort namensbildend war. Vor allem von
1800 bis 1914 blühte im Norden der Pferdehandel mit großen Märkten in
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Eisenbahn und "Hafermotor"
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![]() Das Pferd blieb der "Motor" der neuen Landmaschinen wie etwa dem "Legebinder", der Schnitter und Garbenbinder bei der Weizenernte ersetzte
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1824 lief in
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"Kamerad" Pferd
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![]() Im August 1914 zieht von Itzehoe das Artillerieregiment Nr. 19 in den Krieg
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Pferde sind Partner des
Menschen, tragen Namen, brauchen Zuwendung. Als einziges Großtier bekommen
sie im Alter ihr "Gnadenbrot". Pferde waren neben Hunden die einzigen
Haustiere, die den Menschen bis in das vergangenen Jahrtausend in den Kampf
begleiteten. Über 1,5 Millionen Pferde zogen auf deutscher Seite mit in den
Ersten Weltkrieg. Nur gut ein Drittel von ihnen überlebte. Die Zahlen des
Zweiten Weltkrieges sind noch erschreckender: Mit der Wehrmacht sollen 2,7
Millionen Pferde am Krieg teilgenommen haben. Man schätzt, daß davon 1,8
Millionen umgekommen sind. Umgerechnet auf die Dauer des Krieges, waren das
täglich 860.
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Vom Arbeitstier zum Sportgerät
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![]() Nostalgie 1957: private Müllabfuhr mit Pferdefuhrwerk in Heide/Holstein |
Noch 1956 vermutete der Große
Brockhaus, "das Pferd wird ... in der Landwirtschaft nie ganz entbehrlich
sein", doch seine Zeit vor Pflug und Wagen war vorbei. Dabei hatte es kurz
nach dem Zweiten Weltkrieg noch anders ausgesehen. Den Anteil des 1920 an
Dänemark gefallenen Nordschleswigs (
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-ju- (TdM 1003) Quellen: Nis R. Nissen, Das Pferd - Arbeitstier und Statussysmbol, in Dithmarschen - Zeitschrift für Landeskunde und Landschaftspflege - Neue Folge, Heft 1/1985, März 1985, Heide, Verlag Boyens & Co, ISSN 0012-4125; Klaus-Joachim Lorenzen-Schmidt und Ortwin Pelc (Hrsg.), Schleswig-Holstein Lexikon, Neumünster, 2000, Wachholtz Verlag, ISBN 3-529-02441-4, Zum Lesen empfohlen; Statistisches Jahrbuch, Schleswig-Holstein 2002, ISSN 0487-6423 Bildquellen: Nis R. Nissen, Das Pferd - Arbeitstier und Statussysmbol, in Dithmarschen - Zeitschrift für Landeskunde und Landschaftspflege - Neue Folge, Heft 1/1985, März 1985, Heide, Verlag Boyens & Co, ISSN 0012-4125; Krieg: Stadtarchiv Itzehoe; Fuhrwerk 1957: Stadtarchiv Heide |