Portlandcement |
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![]() Eimerbagger lösten den mühsamen Abbau der Kreide von Hand ab.
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Die alten Römer gelten als Erfinder des Zements (caementum). Die heutige Art Zement zu produzieren, geht auf den Engländer John Aspdin zurück. Er entwickelte 1824 ein Verfahren, um einen hoch druckfesten Baustoff herzustellen, der auch ohne Luft aushärten kann. Da das Produkt dem grauen Kalkstein an der englischen Küste bei Portland ähnelte, nannte Aspdin es "Portlandcement". An seinem Grundrezept hat sich bis heute wenig geändert. Kalk (vier Teile), Ton (ein Teil) werden bei bis zu 1.400 Grad "gesintert" und dadurch zu "Klinkern" gebrannt. Die Klinker werden fein zermahlen und Gips (5 Prozent) zugemischt, um die Zeit des Aushärtens zu verlängern. Das neue Bindemittel, das gemischt mit Sand und Steinen (dem "Zuschlag") als "Beton" verbaut werden konnte, breitete sich rasch aus. In den 1840er Jahre stellten bereits zwei Kalkbrennereien in Südöstlich von Itzehoe hat der Salzhorst von Krempe eine bis zu 400 Meter mächtige Kreideplatte aus der Tiefe bis dicht unter die Erdoberfläche gedrückt (siehe Die Portlandcementfabrik von Fewer war die erste am Ort. 1863 folgte an der Stör die Alsensche Fabrik, 1876 dann das Werk "Holstein", 1884 schließlich die Breitenburgische Portlandcementfarbrik. Alsen (APCF) und Breitenburg (BPCF) erwiesen sich bald als die leistungsfähigsten Betriebe. 1889 schon übernahm Alsen das Werk von Fewer, 1905 Breitenburg das Werk Holstein. Der Konzentrationsprozeß endete 1972 mit der Fusion zu den "Alsen-Breitenburg Zement- und Kalkwerken". Zehn Jahre später wurde die Produktion auf dem Alsengelände an der Stör in Itzehoe eingestellt. Nach über 120 Jahren war damit auch klar, daß ein Zementwerk am günstigsten "auf der Kreide" steht. Um Zement nach Hamburg verschiffen zu können und von dort Kohle zu holen, war Alsen nach Itzehoe an die Stör gezogen. Dafür wurde die Kreide seit 1868 auf der Schiene zum Werk gefahren. Zuerst zogen Pferde die Loren, ab 1877 Lokomotiven. Um die Jahrhundertwende produzierte Alsen mit 600 Mitarbeitern schon über 100.000 Tonnen Zement pro Jahr und modernisierte weiter. 1908 baute Alsen eine zwölf Kilometer lange Drahtseilbahn über die Stadt, die den Ton aus der Region um Wacken zum Werk brachte. Sie blieb bis 1974 in Betrieb. Drahtseilbahnen zum Transport der Kreide nutzte auch Breitenburg bis in die 1960er Jahre. Der Weg von der Breitenburger Fabrik zum Wasser war durch einen bereits 1878 erbauten Kanal zur Stör gesichert. Ab 1907 ersetzten die Fabriken die traditionellen Schacht- durch Drehöfen, die nun eine kontinuierliche Produktion zuließen. In die leicht abschüssigen Drehzylinder wird am hohen Ende Kreide-Ton-Schlamm eingebracht. Er bewegt sich im drehenden Ofen auf die Feuerung am unteren Ende zu und wird dort zu Klinkern gesintert. Nach dem sogenannten Gegenstromprinzip arbeiten heute alle Zementöfen. Erst nachdem man gelernt hatte, Beton mit Eisen zu "armieren", wurde er zu einem universellen konstruktiven Baustoff. Schon Mitte des 19.Jahrhunderts waren in Frankreich erste, kleinere Objekte so verstärkt worden. Einer der Pioniere war der Gärtner Monier. An ihn erinnern bis heute die "Moniereisen". Doch erst um 1870 setzte sich der Stahlbeton für den Bau durch. In der Gründerzeit konnte die Produktion deshalb stetig gesteigert werden. Besonders von Breitenburg aus wurde Ende des 19. Jahrhunderts viel Zement in die deutschen Kolonien verschifft. Die Arbeiter antworteten deshalb auf die Frage, wo sie arbeiteten: "auf Kamerun". Über 3.000 Menschen arbeiteten in den Hochzeiten in den Kreide- und Tongruben, an den Öfen, den Mühlen und den Ladepiers. Ihre Zahl ist durch die Konzentration und die Mechanisierung heute auf unter 500 gesunken. Das spiegelt auch die Geschichte von Lägerdorf, das bis 1860 noch ein Bauerndorf war. In den Hochzeiten der Zementkonjunktur vor dem Ersten und nach dem Zweiten Weltkrieg wuchs es auf weit über 4.000 Einwohner an. Inzwischen ist die Zahl auf unter 3.000 gesunken, die wenigsten arbeiten noch "auf Breitenburg". Die einzige Sorge, die es für die Zementindustrie um Itzehoe nie gab, war die um den wichtigsten Rohstoff, der Kreide. 1994 wurden allein für die genehmigten und beantragten Abbauflächen die verfügbare Menge auf 163 Millionen Tonnen geschätzt. Nachdem die Bahn, und die Pipeline (Alsen von 1966 bis zur Fusion) durch Förderbänder abgelöst wurde, können darüber noch für Generationen Kreide in die Fabrik transportiert werden. Seine höchste Produktivität erreichten die Portlandcementwerke nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Phase begann durch Exporte und ging nahtlos über in die Aufbauphase der Bundesrepublik. 1969 wurden erstmals über eine Millionen Tonnen hergestellt. Da reichlich Kreide und - wenn auch immer weiter entfernt - Ton vorhanden war, wurden Transport und Energiekosten - lso Strom für die Maschinen und Brennstoff für die Öfen - immer bedeutender für die Kalkulation. Um sieben Tonnen Zement zu brennen, braucht man eine Tonne Kohle. Ende der 1960er Jahre wurde die Kohle durch das preiswertere ÖL ersetzt. Nach den Ölkrisen kehrte man zur Kohle zurück. Sie wird heute als Staub verbrannt. Mitte der 1970er Jahre war mit einer Jahresproduktion von über zwei Millionen Tonnen der Zenit überschritten. Alsen Breitenburg als Tochter des Schweizer Zementkonzerns Holderbank AG versucht heute im Wettbewerb auch dadurch zu bestehen, daß man die Anlagen intelligent nutzt. Das gelingt vor allem durch Kreislaufprozesse und dadurch, daß es möglich ist, problematische Abfälle als hochwertige Rohstoffe einzusetzen. So geht Kreide aus Lägerdorf in die Rauchgasentschwefelungsanlagen der Kohlekraftwerke. Die Kreide entzieht dem Rauch die Schwefelsäure und wird dadurch zu Gips, der im Zementwerk den Naturgips ersetzt. Statt Ton wird seit über zehn Jahren die chemisch fast identische Flugasche eingesetzt. In den Drehöfen wird inzwischen auch hochbelastetes Altöl und - seit der BSE-Krise - Tiermehl verbrannt. Die hohen Temperaturen und die lange Verweildauer in den riesigen Brennkammer garantieren, daß alle gefährlichen Stoffe vernichtet werden. -ju- (0302) Quellen: Sönke Nagel, Die Zementindustrie im Raum Itzehoe, Flensburg, 1988, Heft 13, Flensburger Arbeitspapiere zur Landeskunde und Raumordnung, ISSN 0932 - 9404; Minister für Wirtschaft,Technik und Verkehr des Landes Schleswig-Holstein (Hrsg.), Rohstoffe in Schleswig-Holstein, 1994; Alsen'sche Portland-Cement-Fabriken KG (Hrsg.), 1863 - 1963 / 100 Jahre Alsen, 1963, Hamburg;Heinz-Otto Lamprecht, Opus caementitium: Bautechnik der Römer, 1987, Düsseldorf, Beton-Verlag, ISBN 3-7640-0229-8; SHLEX Bildquellen: Alsen-Breitenburg Zement- und Kalkwerke, Festschrift 100 Jahre Alsen, Gemeinsames Archiv der Stadt Itzehoe und des Kreises Steinburg |