Provinziallandtag Schleswig-Holstein |
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![]() Der Provinziallandtag hat nie ein eigenes Haus besessen. Von 1905 bis 1920 tagte er in Kiel im „Haus der Landwirtschaft“ am Sophienblatt. |
1864 gewannen
Preußen und Österreich gemeinsam den Entschieden wird in BerlinAls preußische Provinz galten für Schleswig-Holstein von 1867 an die Normen und der Aufbau der preußischen Verwaltung. Es wurde ein Regierungsbezirk gebildet. An der Spitze der Provinz stand nun der Oberpräsident. Der hatte das Sagen, setzte um, was Berlin vorgab. Der Provinziallandtag war im Wesentlichen eine Versammlung von Repräsentanten der Stadtverordnetenversammlungen und der Kreistage. Seine Aufgabe war eine Art kommunaler Selbstverwaltung in parlamentarischer Form. Er stellte damit laut Kurt Hector einen Tiefpunkt politischer Teilhabe und die vollendete Provinzialisierung Schleswig-Holsteins dar. Politischer Einfluss auf die Geschicke der Provinz war eingeschränkt über die zweite Kammer des Preußischen Landtages möglich. Der wurde bis 1918 nach gemäß der Steuerkraft nach dem Dreiklassenwahlrecht zusammengesetzt. Vertreten war die Provinz zudem im Reichstag. Dessen Abgeordnete wurden von 1871 an in freier und geheimer Wahl nach dem absoluten Mehrheitswahlrecht bestimmt. Wenn im Fall des Preußischen Landtages auch eingeschränkt verfügten beide Gremien mit dem Budgetrecht das zentrale parlamentarische Machtinstrument.Der Provinzial-Landtag bis 1918Der Provinziallandtag bestand zuerst aus 57 Vertretern. Großgrundbesitzer, Städte und Landgemeinden entsandten je 19. Von 1875 an wählten die Kreistage und Stadtverordnetenversammlungen ihre Vertreter in den Provinziallandtag. Der tagte zuerst inStart in der Weimarer Republik |
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![]() Im 1911 fertig gestellten neuen Kieler Rathaus tagte der Provinziallandtag nach dem Ende des Ersten Weltkrieges von 1920 an zwei Mal im Jahr |
1919 wurde die
Provinzialverwaltung den neuen
demokratischen Verhältnissen angepasst. Noch im selben Jahr
wurden
die nun 76 Abgeordneten des Provinziallandtages indirekt durch die
Kreistage und Stadtverordnetenversammlungen –
einschließlich der später zu Dänemark
übergehenden
Gebiete (Der Provinziallandtag wird demokratisch |
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![]() Die Sitzverteilung im Provinziallandtag von Schleswig-Holstein von 1921 bis 1933 (um die Grafik besser zu sehen kann sie durch anklicken in einem neuen Fenster geöffnet werden). |
1921 zogen auch
für die Provinz
Schleswig-Holstein demokratische Strukturen ein. Bis 1933 wurden die 59
bis 61 Abgeordneten des Provinzial-Landtages in freien, geheimen,
direkten und gleichen Wahlen ermittelt. Trotzdem schafften in dieser
Zeit nur sechs Frauen den Einzug in den Landtag. Von denen
gehörten drei der SPD, zwei der KPD und eine dem
bürgerlichen
„Volkswohl“ an. Die bekannteste Frau im
Provinziallandtag
war Alma Wartenberg (*1871/†1928 ) aus Mehr Rechte für KielIn der gesamten Weimarer Republik hatten die bürgerlich-konservativen Parteien eine Mehrheit im Provinziallandtag und damit auch in seinen Gremien. Als geschäftsführenden Beamten wählte der Provinziallandtag den Landeshauptmann, der die Beschlüsse des Provinziallandtages ausführte und außerdem auch eigene Initiativen entwickeln konnte. Der schleswig-holsteinische Provinzialverband war für Aufgaben zuständig, die Kreis übergreifend zu regeln waren: Wegewesen, Siedlungs- und Landschaftswesen, Volksfürsorge (Gesundheitswesen), Erwerbslosenfürsorge (bis Mitte 1927) Schulwesen und Kultur. Bis 1920/21 auch für das Steuerwesen, danach erhielt man anteilig Einnahmen aus dem Reich und dem Land Preußen.Die Provinz bekommt Einfluss |
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![]() Der Ratssaal des Kieler Rathauses bot für den nun einflussreicheren Provinziallandtag den Rahmen |
Der
Provinziallandtag tagte in der Regel zweimal jährlich in Kiel
(1919 noch im Haus der Landwirte, von 1920 an im Ratssaal). Seine
laufenden Geschäfte wurden durch einen zehnköpfigen
Provinzialausschuss umgesetzt. Aus dessen Mitte wurden
fünf
Mitglieder in ein weiteres Gremium gewählt: dem Provinzialrat.
Letzterem gehörten noch der Oberpräsident und ein
höherer Verwaltungsbeamter an. Gemeinsam übten diese
sieben
die staatliche Aufsicht über die Gemeinden aus.
Überregional
bekam der Provinziallandtag in der Weimarer Zeit mehr Gewicht. Er
wählte nun direkt die drei schleswig-holsteinischen Mitglieder
des
preußischen Staatsrats. Das waren in der Regel zwei
Bürgerliche und ein Sozialdemokrat. Indirekt über den
Provinzialausschuss wurde ein Mitglied und ein Stellvertreter
für
den Reichsrat bestimmte. Anton Schifferer (*1871/†1943) von
der
Deutschen Volkspartei (DVP) war von 1921 bis 1933 durchgehend der
Vertreter Schleswig-Holstein im Reichsrat. Staats- und Reichsrat nahmen
für die Provinz Einfluss auf die Gesetzgebung und die
Verwaltung
von Preußen beziehungsweise des Deutschen Reichs. Durch ein
Mitwirkungs- und Einspruchsrecht kam ihnen faktisch die Bedeutung einer
zweiten Kammer neben dem Land- und dem Reichstag zu. Vier freie Wahlen |
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![]() Diese Grafik aus dem „Heider Anzeiger“ warb 1929 für die preußischen Kommunalwahlen am 17. November in den auch der Provinziallandtag bestimmt wurde .. |
Bei den
vier Wahlen zum Provinziallandtag bemühten sich die
größeren bürgerlichen Parteien
Einheitslisten zu
bilden. Dazu kamen noch die SPD und KPD, später auch die NSDAP
sowie diverse kleinere Listen aus den Kreisen. In der Regel bestimmte
eine bürgerlich-konservative Mehrheit die Geschicke des
Provinzialverbandes. Bis 1929 herrschte ein den Konsens suchender Stil
im Miteinander der Abgeordneten vor. Der Umgangston änderte
sich,
als die NSDAP begann regional Wahlen zu gewinnen. In Norder- und
Süderdithmarschen wurden die Nationalsozialisten1929
stärkste
Partei und entsandten sieben Abgeordnete nach Kiel. Deren
anti-parlamentarische Haltung veränderte die
Atmosphäre. Dazu
kamen permanente antisozialdemokratischen Angriffe der KPD auf den ihr
verhassten Oberpräsidenten (Heinrich Kürbis, SPD).
Angriffe
auf die jeweiligen Gegner und Reden, die sich mit der allgemeinen
Politik auseinandersetzten bestimmten nun die meisten Sitzungen. An
konstruktiver Sacharbeit war den Nationalsozialisten nicht gelegen. Der
Provinziallandtag diente ihnen lediglich als Bühne
für ihre
Angriffe auf das ihnen verhasste demokratische
„System“.Das Ende des Provinziallandtags |
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![]() Anzeige der NSDAP im „Dithmarscher Boten“ vom 14. November 1929 |
Im
Nationalsozialismus verlor der Provinziallandtag seine Funktion und
tagte zum letzten Mal im April 1933. Aufgelöst wurde er zum 1.
Januar 1934. Die noch übrig gebliebenen Aufgaben
übernahm der
neue Oberpräsident, NSDAP-Gauleiter Hinrich Lohse
(*1896/†1964). Der im Juli 1933 neu installierte
preußische Staatsrat hatte lediglich repräsentative
Aufgaben. Neben Gauleiter Lohse wurde das vormaligen
Reichsratsmitglied Anton Schifferer Mitglied im Staatsrat. Nach dem
Zweiten Weltkrieg führte die von den Alliierten angeordnete
Auflösung des Landes Preußen dazu, dass
Schleswig-Holstein
nicht mehr länger eine Provinz war. Es wurde zu einem
eigenständigen Bundesland mit einem Nur über die Wahlen zum Provinziallandtag liegt schon Literatur vor. Seine Geschichte, die behandelten Inhalte der Sitzungen und seiner Gremien warten bis heute darauf ausführlich erforscht zu werden. Frank Omland (TdM 0810)
Literatur: Frank Omland, „Wie wähle ich?“- Die Provinziallandtagswahlen in Schleswig-Holstein 1921-1933. In: Detlev Kraack / Klaus-Joachim Lorenzen-Schmidt (Hg.): Brückenschläge aus der Vergangenheit, Festschrift für Peter Wulf zu seinem 70. Geburtstag. SWSG Bd. 44. Neumünster 2008, S. 265-294; Klaus-Joachim Lorenzen-Schmidt/Ortwin Pelc (Hg.), Das Neue Schleswig-Holstein-Lexikon, Neumünster 2006; Klaus Dieter Grunwald, Die Provinzialverwaltung und ihre Organe in der preußischen Provinz Schleswig-Holstein1867 bis 1945, Ein Überblick über die provinzielle Selbstverwaltung in Schleswig-Holstein. Kiel 1971; Kurt Jürgensen, Die Gleichschaltung der Provinzialverwaltung, Ein Beitrag zur Durchsetzung der nationalsozialistischen Herrschaft in Schleswig-Holstein (1932-1934). In: „Wir bauen das Reich“, Aufstieg und erste Herrschaftsjahre des Nationalsozialismus in Schleswig-Holstein, hrsg. von Erich Hoffmann / Peter Wulf, Neumünster 1983 Bildquellen: Vignette, Haus der Landwirtschaft, Kieler Rathaus, Ratssaal Kiel aus Jürgen Jensen, Kieler Stadtporträt 1970/1920 – Der Einzug der Moderne im Spiegel der Bildpostkarte, Sonderveröffentlichung der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte 42, sämtliche Bilder aus dem Bestand des Stadtarchiv Kiel, Heide 2002, Verlag Boyens & Co, ISBN 3-8042-1109-7; Grafik – Frank Omland; Vier freie Wahlen – aus „Heider Anzeiger“ 1929 und Wahlanzeige NSDAP – Dithmarscher Bote 14.11.1929 aus dem Archiv von Frank Omland |