
Versöhnlicher Aufruf der Schleswigschen Partei zu den Wahlen 1951: Nach der
Amnestie verlassen die deutschen Nordschleswiger das Lager Fårhus und werden
nun aufgefordert, sich als dänische Staatsbürger an den Wahlen zu beteiligen

Blick durch den Zaun in das Lager Fårhus. Als
Lager Fröslev von den Dänen für die Deutschen Besatzer gebaut in der
Hoffnung, dadurch verhindern zu können, dass in Dänemark internierte
Polizisten und andere Gefangene nach Deutschland verbracht wurden, diente es
nach der Befreiung als Lager im Rahmen der Rechtsabrechnung und war fast
ausschließlich mit Mitgliedern der deutschen Minderheit belegt
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Die „Rechtsabrechnung“
(dänisch:„Retsopgør“) bezeichnet in Dänemark den Versuch, die deutsche
Besatzungszeit juristisch aufzuarbeiten. Am 9. April 1940 war das Königreich
von deutschen Truppen widerrechtlich besetzt worden. Nur einen Monat nachdem
Dänemark am 5. Mai 1945 befreit worden war, beschloss das Folketing das
Strafzusatzgesetz Nummer 259. Es war nachgestelltes Recht, das Kriegsdienst
für Deutschland, die Korps-, Polizei- und Wachdienste für die Besatzer,
Denunziation, wirtschaftliche Kollaboration sowie dänische
nationalsozialistische Aktivitäten unter Strafe stellte. Die Grundlagen
hatte der „Danske Frihedsråd“ des Widerstandes in seiner Flugschrift „Naar
Danmark atter er frit“ bereits im November 1943 formuliert. Mit dem Ende der
Besatzung wurden in Dänemark rund 40.000 Personen interniert. Gegen die
Hälfte von ihnen wurde Anklage erhoben. Besonders hart traf die
Rechtsabrechnung die deutsche Minderheit in
Nordschleswig. 3.500 Personen
wurden interniert, 2.958 verurteilt. Das entsprach rund einem Viertel der
erwachsenen Männer der Minderheit. Sie litt in Nordschleswig unter einer
besonders aufgeheizten Stimmung. Schließlich hatten sich Ihre Mitglieder in
großer Zahl zum
Nationalsozialismus
bekannt und auch in dessen Organisationen mitgewirkt. Es wurde gefordert,
die Deutschen auszuweisen. Die umfängliche Internierung der deutschen vor
allem in Fårhus (dem ehemaligen deutschen Lager Frøslev) wurde so von der
dänischen Regierung auch als Schutz angesehen. Schon bald übernahm die
Polizei die Lager von den Widerständlern. Es zeigte sich bald, dass es
schwierig war, das Sondergesetz umzusetzen. Es fehlten Maßstäbe und es kam
selbst bei ähnlich gelagerten Fällen zu sehr unterschiedlichen Sprüchen.
Schon im Juni 1946 wurde das Gesetz deshalb nachgebessert. Zu diesem
Zeitpunkt waren jedoch schon 4.000 Urteile in Kraft. Von den 20.600
insgesamt Angeklagten wurden am Ende 13.521 verurteilt. 34.500 Jahre Haft
wurden verhängt, davon jedoch nur 21.500 verbüßt. Am Ende der 1940er Jahre
wuchsen die Zweifel am Retsopgørr. Es wurde begnadigt und Amnestien
erlassen. Die Rechtsabrechnung ist bis heute juristisch umstritten, weil sie
auf nachgestelltes Recht – also nachträglich erlassene Gesetze – fußt (nulla
pene, sine lege). Dies besonders unter den betroffenen Angehörigen der
deutschen Minderheit: Sie standen als deutschgesinnte Nordschleswiger
zumindest seit der Besetzung Dänemarks in einem Gewissenskonflikt zwischen
staatsbürgerlicher Loyalität zu Dänemark und ihrer nationaler Gesinnung. Sie
betrachteten sich als Opfer zunächst der nationalsozialistischen Propaganda,
und dann der dänischen Rechtsabrechnung. Insbesondere der
Nationalsozialismus – so wurde versucht, sich nachträglich zu rechtfertigen
- wurde als ein Einbruch in ein eigentlich ganz anders geartetes
„Heimdeutschtum“ gesehen und damit die eigene Verstrickung verdrängt.
Während der Zeit im Lager und danach in der Haft bestärkten sich die
deutschen Nordschleswiger gegenseitig in dieser Wahrnehmung, die als „Fårhus-Mentalität“
bezeichnet wird.
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-ju- (0306)
Quellen: Sabine Lorek, Rechtsabrechnung – Retsopgør – Politische
Säuberung nach dem Zweiten Weltkrieg in Nordschleswig, Quellen und
Forschungen zur Schleswig-Holsteinischen Geschichte – Band 108,
Herausgegeben vom Institut for Grænseregionsforskning und der Gesellschaft
für Schleswig-Holsteinische Geschichte, 1998, Neumünster, Wachholtz Verlag,
ISBN 3 529 02208-X
Bildquellen: Vignette und Plakat: Titel Sabine Lorek s.o.; Lager Fårhus:
Frøslevlejrens Museum |